Gesellschaft & Kultur

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„Ich lebe immer im Moment!“

Text: Natalie Zettl

Fotos: Sasa Felsbach; www.kaindl-hoenig.com

Dieser Artikel erscheint am 24/12/2020, wenn Sie Ihn davor lesen wollen kaufen Sie die neueste Ausgabe der Salzburgerin

Er ist sechzehn Jahre alt, hat bereits zwei Songs veröffentlicht und begeistert seine Fans mit seinen beiden Singles „Zefix!“ und „Wonn i donn hoam kimm“: Chris Steger ist der neue Stern am österreichischen Musikhimmel. Bei einem Spaziergang am Leopoldskroner Weiher spricht er über seine Karriere, die Schule und seine Lebensphilosophie.

Lieber Chris, du hast mit „Zefix!“ im Sommer deinen ersten Hit herausgebracht, Ende Oktober folgte der zweite, „Wonn i donn hoam kimm“. Was machst du, wenn du gerade nicht im Studio stehst?
Wenn ich nicht gerade Musik mache, gehe ich noch zur Schule, in die HTL Hallein, Fachrichtung Holz.

Ist das Arbeiten mit Holz auch die Richtung, in die du später beruflich gehen möchtest?
Ganz genau weiß ich das noch nicht, aber ja – falls das mit der Musik nichts wird, würde ich gern einen handwerklichen Beruf lernen. Trotzdem, klar: Hauptberuflich Musiker zu sein, wäre in erster Linie mein Traum, das fände ich ganz fesch!

Wie bringst du deine schulische Karriere mit der Musik unter einen Hut?
Ja, das zu organisieren, ist wirklich viel Arbeit – und zurzeit bin ich mir da noch nicht ganz
sicher, wie das laufen wird. Corona hat mir da ein bisschen in die Karten gespielt: Im Frühling hatte ich keine Schule, also auch mehr Zeit für die Musik, da ist sich das natürlich alles leichter ausgegangen. Jetzt merke ich schon, dass es ein bisschen stressig ist, aber das nehme ich gern in Kauf. Mir taugt es einfach, wenn ich die Chance dazu habe, Musik zu machen und irgendwie komme ich da schon zurecht.

Bleibt da noch Zeit für Hobbys?
Ja, auf jeden Fall! Ich bin ein Mensch, der immer gern aktiv etwas tut – alleine daheim sitzen freut mich überhaupt nicht. Ich mache viel Sport, spiele Tennis und Fußball. Im Winter gehe ich gern Skifahren.

Also bist du ein Naturbursche?
(lacht) Ja, ganz genau.

Du hast mit acht Jahren schon angefangen, Gitarre zu spielen und zu singen. Was hat dich dazu motiviert?
Es ist eigentlich ganz klassisch abgelaufen: Im Volksschulalter haben meine Eltern mich gefragt, ob ich ein Instrument lernen möchte, und ich war gleich begeistert und habe mir dann recht schnell die Gitarre ausgesucht. Bei uns in St. Martin hat es einen Lehrer gegeben, der Gitarre unterrichtet hat – bei dem habe ich dann regelmäßig Stunden genommen. Später bin ich auch noch zu einem anderen Gitarrenlehrer gewechselt und habe mit dem Singen angefangen und so hat sich das dann alles entwickelt.

Man kennt dich auch aus verschiedenen Talent Shows für Kinder, zum Beispiel Kiddy Contest und The Voice Kids …
Genau, das war voll super! Das hat mir eigentlich gezeigt: „Ja, genau das will ich machen.“ Eine tolle Erfahrung, die mir voll getaugt hat und auf jeden Fall auch eine gute Übung war, die mir jetzt zugutegekommen ist.

Dann ist 2020 das Plattenlabel Global Rockstar Music auf dich aufmerksam geworden. Wie ist es dazu gekommen?
Soweit ich weiß, hat mich der Produzent Christof Straub tatsächlich aus dem Kiddy Contest gekannt! Er hat mich einfach einmal angerufen und gemeint, sie hätten ein Lied für mich, und ob ich das singen möchte. Ich habe gesagt: „Gern, aber ich will es am liebsten auf Mundart machen.“ Daraufhin habe ich den Text in den Dialekt umgeschrieben und dann haben wir es aufgenommen – ging alles recht schnell, eigentlich.

Hast du schon immer gewusst, dass du Mundart singen möchtest?
Ja, schon allein wegen meiner Vorbilder: Ich mag STS und Rainhard Fendrich, und von den neueren Künstlern höre ich auch gern Edmund oder Seiler und Speer. Die singen auch eher Mundart, und darum habe ich mir gedacht, das kann ich auch probieren.

Das Video zu deinem ersten Song „Zefix!“ ist ja am Hallstätter See aufgenommen. Gab es einen Grund, warum ihr genau diesen Platz ausgesucht habt?
Ich habe zu dem See keinen persönlichen Bezug, aber er war einfach eine superschöne sommerliche Kulisse, mit dem Baumstamm, der aus dem See herausragt. Auch die Lichtverhältnisse waren am Drehtag einfach ideal: Wir haben gegen sieben Uhr abends gefilmt, als die Sonne gerade hergeschienen hat – da waren wir halt genau am richtigen Platzerl.

Du hast schon den Baumstamm angesprochen, auf dem du im Video sitzt und Gitarre spielst: Es sieht für den Zuschauer so aus, als sei der tatsächlich mitten im See. Wie habt ihr das logistisch gelöst, bist du da per Boot abgesetzt worden?
Nein, ich bin durchs Wasser gegangen. (lacht) Ich hatte meine Lederhose an, die kann man gut hochziehen – und dann bin ich in den See marschiert bis zum Baumstamm. Besonders tief war das nicht, ein bisserl kalt halt. Aber das hat schon gepasst!

Und nach dem Release hattest du plötzlich dein erstes eigenes Lied – wie haben deine Freunde und Klassenkameraden darauf reagiert?
Am Anfang haben sie es gar nicht so richtig mitbekommen. Aber als es dann ein paar Mal im Radio gelaufen ist, sind schon die ersten gekommen und haben gesagt: „Hey Steger! Gar ned so schlecht, dei Liadl!“ Und jetzt, wenn wir nach den Fußballspielen ein bisschen zusammensitzen und feiern, singen schon alle mit. Das taugt mir natürlich – eigentlich ist es das, was ich am meisten am Musikmachen mag, dass alle meine Bekannten den Text auswendig wissen und mitsingen können. Das ist ein schönes Gefühl!

Das heißt, deine Freunde haben jetzt alle einen neuen Lieblingssong?
(lacht) Naja, Lieblingssong weiß ich nicht, aber zumindest mögen sie ihn. Das sind halt richtig gute Freunde, sie gönnen mir das!

Du hast vorher gesagt, deine Eltern haben dich quasi zur Musik gebracht. Was meinst du – ist das jetzt eine ungewohnte Situation für deine Eltern, Österreichs nächsten großen Popstar zum Sohn zu haben?
So ein richtiger Popstar bin ich ja noch nicht. Aber ich glaube, sie mögen das, sie sind auch sicher stolz auf mich. Und ich muss auch ehrlich sagen, ich bin dankbar – es hat schließlich nicht jeder die Möglichkeit, Gitarre spielen zu lernen. Sie haben mich aber auch nie dazu gezwungen, sie haben immer nur gesagt: „Wenn du es gern machst, dann darfst du!“ Ohne meine Mama ginge auch jetzt gar nichts, sie managt mich und begleitet mich zu Terminen – zu den organisatorischen Dingen käme ich selbst gar nicht. Und mein Papa kennt sich mit Musik gut aus, hat ein gutes Gespür, was vom Klang her funktioniert und wie man es umsetzt. Er hat früher mehrere Instrumente gespielt und hat deshalb ein gutes musikalisches Gehör; er gibt mir viele Tipps.

Eine indiskrete Frage, die wahrscheinlich vor allem unsere jungen Leserinnen interessiert: Hast du eine Freundin?
Nein, Freundin habe ich zurzeit keine. Aber man weiß ja nicht, was sich so ergibt.

Im Video zu „Zefix!“ gab es aber auch ein hübsches Mädchen…
Das war eine Schauspielerin namens Anna Strigl. Ich habe sie vorher noch nicht gekannt, aber sie ist eine ganz nette, wir konnten super zusammenarbeiten.

Wie lange dauert so eine Musikvideoproduktion eigentlich?
Der Teil, bei dem ich dabei war, hat gar nicht so lange gedauert, wie man meint: Wir sind gegen fünf hingefahren und nach zwei, vielleicht drei Stunden waren wir fertig. Am nächsten Tag haben sie dann noch die Teile aufgenommen, an denen ich nicht direkt beteiligt war. Natürlich dauert es aber hinter den Kulissen noch länger, den ganzen Clip zu schneiden und so.

Wenn du dir vorstellst, wo du in zehn Jahren sein wirst …
… bin ich mir nicht sicher. (lacht) Ich kann mir das nur erträumen, dann würde ich mir vorstellen, dass ich mit der Musik mein Geld verdiene. Aber ich mag da eigentlich gar nicht zu viel vordenken, ich konzentriere mich lieber auf das Jetzt.

Das heißt, du lebst immer im Moment?
Auf jeden Fall.

Dein allerneuester Song „Wonn i donn hoam kimm“ ist ein eher ruhiges, sanftes Lied – was war die Motivation dahinter?
Genau, den habe ich – wie den ersten auch – wieder mit Christof Straub zusammen geschrieben. Wir wollten ausdrücklich was Ruhiges, das zum Herbst und Winter passt. Von der Stimmung her finde ich, ist es genau richtig für die kalte Jahreszeit.

Bisher hast du zwei Singles herausgebracht, planst du irgendwann auch einmal ein Album?
Ein Album jetzt nicht in erster Linie, aber naja – Ideen habe ich viele. Und wenn es dann mehr Lieder gibt, bringen Christof Straub und ich vielleicht durchaus einmal eine CD raus. Aber das ist Zukunftsmusik, aktuell möchte ich einfach fleißig weiterarbeiten und dranbleiben, und vielleicht wird’s ja was mit der Musikkarriere.

Da halten wir die Daumen. Wie geht es für dich in nächster Zeit weiter, hast du viele Veranstaltungen?
Man kann wegen Corona momentan schwer planen, deswegen läuft das eher spontan. Meine Priorität liegt auf der Musik selbst – und dann sehen wir schrittweise weiter. Ganz grob planen wir für den Frühling schon eine dritte Scheibe, die soll dann vom Rhythmus her etwas schneller werden.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, der nichts mit deiner Musik zu tun hat …
… würde ich mir wünschen, dass wir mit dem FC St. Martin am Tennengebirge Fußballmeister werden!

Zur Person: Chris Steger (eigentlich: Christian Steger) wurde am 26.12.2003 geboren und lebt mit seinen Eltern in St. Martin am Tennengebirge. „Zefix!“ war seine erste Single, die am 03. Juli released wurde. Der neue Song „Wonn i donn hoam kimm“ folgte am 30. Oktober.