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Kolumne: Heribert Lürzer erzählt

Eine Kolumne von Heribert Lürzer,
Obertauern

Der Winter bringt schon so seine Tücken mit sich, und der Schneesturm, der uns heuer beehrt hat, zeigte sogar dem einen oder anderen „Alt-Eingesessenen“ seine Grenzen auf. Einer dieser Alt-Eingesessenen ist mein Vater Herbert Lürzer. Als er von unserem Großvater das Grundstück übernahm, auf dem heute das Hotel Kesselspitze steht, sah die Welt in Ober-tauern noch ein bisschen anders aus. Zu Beginn des Hotelbetriebs – damals eine kleine Pension – führte noch nicht einmal eine Straße zum Hotel. Ja, damals wurden die Lebensmittel, Getränke, Gepäck der Gäste, tatsächlich alles noch mit dem Ziachschlitten zum Hotel transportiert. Bis es meinem Vater gereicht hat – und er die Zufahrt bauen ließ. Seitdem ist er diese Straße bestimmt Millionen Mal gefahren, so oft auf jeden Fall, dass er den Weg blind findet.

Völlig klar, dass er die Strecke also auch im ärgsten Schneesturm bewältigen konnte. Justament musste ihm genau dann ein Lieferwagen entgegenkommen, dem er ausweichen musste. Aber, wer den Weg so genau kennt, für einen, der am Tauern schon ganz andere Sachen erlebt hat, doch wohl kein Problem. Zurückschieben gilt sowieso nicht. Und weil ein Herbert Lürzer „seine“ Straße ja sowieso wie seine Westentasche kennt und sogar im Schlaf fahren kann, wusste er auch genau, was zu tun ist. Der Lieferwagen schaffte es an seinem Auto vorbei, der Vater hat sich kurz orientiert – und Gas gegeben. Nur leider war im Schneesturm weder die Straße zu sehen noch die Böschung. Trotzdem völlig sicher, auf der Straße weiterzufahren, ging es geradeaus: mit vollem Schwung runter in die Taurach. Eine Straße blind zu kennen, ist wohl doch was anderes, als sie im Schneesturm zu finden…

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