Wirtschaft & Finanz

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„Auf mein Wort kann man sich verlassen“

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

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Seit Jänner 2020 steht Anna Doblhofer-Bachleitner an der Spitze der Raiffeisen Salzburg Warenbetriebe und übernimmt damit die Leitung über 37 Lagerhäuser, 25 Tankstellen, 8 Landmaschinenwerkstätten und ein Mischfutterwerk. Im Interview spricht die sympathische Salzburgerin über Herausforderungen und Erfolgsfaktoren.

Sie sind mit gerade einmal 37 Jahren Direktorin der „Raiffeisenbanken und Warenbetriebe“ in Salzburg und leiten damit ein Unternehmen mit 750 Mitarbeitern. Haben Sie mit Vorurteilen gegenüber Ihnen als junge Frau zu kämpfen?
Man hat gemerkt, dass es anfangs durchaus gewisse Bedenken gab. Mir ging es von Anfang an darum, diesen sachlich zu begegnen und im täglichen Tun zu überzeugen. Und ich glaube, das ist mir gut gelungen.

Was ist Ihnen wichtig bei der Führung Ihrer Mitarbeiter?
Mir ist es sehr wichtig, dass der Umgang auf Augenhöhe stattfindet. Meine Mitarbeiter wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können. Es ist ein ehrlicher und offener Umgang in beide Richtungen. Prinzipiell geht es mir darum, eine Umgebung zu schaffen, in der jeder so gut wie möglich arbeiten, sich entfalten und seine Ideen einbringen kann.

Was zeichnet den Raiffeisenverband Salzburg als Arbeitgeber aus?
Einerseits die Vielfältigkeit: Wir haben eine große Breite von unterschiedlichen Berufsbildern, von Traktorenverkäufern bis zu Bankberatern und achten darauf – zum Beispiel in der Führungskräfteausbildung – dass wir die Menschen zusammenbringen. Kollegen, die Standortleiter in einem Lagerhaus werden, absolvieren den gleichen Führungskräftelehrgang wie Filialleiter einer Bank oder Abteilungsleiter für Risikomanagement. Es ist spannend, wie vielfältig und befruchtend hier der Austausch ist.

Wir achten auch sehr darauf, familienfreundlich zu sein, bieten flexible Arbeitszeiten und eine Sommerferienbetreuung für schulpflichtige Kinder an, um für unsere Mitarbeiter gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Was auch für mich, als ich angefangen habe, überraschend war: Man kommt in diese ehrwürdigen Hallen und erwartet ein steifes Unternehmen – es ist ganz anders! Im Gegenteil, es ist ein sehr spannendes Arbeiten mit jungen Teams, die sich gegenseitig motivieren und befeuern.

Der Raiffeisen Campus gilt als Talenteschmiede. Was unterscheidet diesen von anderen Ausbildungen?
Der Raiffeisen Campus ist die österreichweite Bildungseinrichtung für die höchste Management-Ebene. Im Raiffeisen Campus wird großer Wert auf den Praxisbezug gelegt. Die meisten Vortragenden sind selbst Praktiker, die ihr Wissen weitervermitteln. Man ist quer aus ganz
Österreich zusammengewürfelt und hat so die Möglichkeit, sich zu vernetzen und sich auszutauschen.

Sie selbst haben – abgesehen vom Raiffeisen Campus – mehrere Studien erfolgreich absolviert.
Ich habe Geschichte und Archäologie studiert sowie Jus, wo ich auch mein Doktorat gemacht habe. Ich habe sehr viele Interessen, aber vor allem schon seit früher Kindheit an allen historischen Themen. Noch heute muss ich mich – wenn ich mir die Breite meines Tätigkeitsbereichs anschaue – flexibel auf unterschiedlichste Themen einstellen. Was das betrifft, kann ich mir einiges aus dem Studium mitnehmen, auch wenn die Archäologie heute in der täglichen Praxis nicht relevant ist.

Aber nicht nur Ihre Ausbildung und Karriere haben Sie erfolgreich vorangetrieben, parallel dazu haben Sie auch Ihre Familie gegründet …
Ja, ich bin nun seit zehn Jahren verheiratet, unsere Kinder sind 11 und 9 Jahre. Mein Sohn geht in die 2. Klasse Gymnasium, meine Tochter in die 4. Klasse Volksschule.

Wie haben Sie es immer geschafft, Familie, Ihre Interessen und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Ich bin sehr fokussiert, gut in Organisation und Zeiteinteilung. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, ziehe ich das auch durch. So ist sich alles immer irgendwie ausgegangen – im Nachhinein weiß ich auch manchmal nicht, wie. Aber, ja, es ist eine Herausforderung, mein Mann übernimmt auch viele Aufgaben. Wir arbeiten als Team gut zusammen und das ist das Wichtigste!

Welche Kompromisse sind Sie zugunsten Ihrer Karriere eingegangen?
Zum Beispiel immer wieder kurze Wochenenden, wenn Sitzungen vorzubereiten sind, viele Stunden bei Abendterminen und auf der Straße, weil ich im ganzen Bundesland unterwegs bin. Natürlich habe ich auch weniger Zeit für Freunde. Aber mir macht mein Job irrsinnig viel Spaß und das wiegt vieles auf.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Der Spaß an der Sache gehört sicher dazu. Sehr wichtig ist mir Verbindlichkeit. Auf mein Wort kann man sich verlassen, das weiß jeder um mich herum. Ein weiterer wichtiger Faktor: Ich bin kein 100 %-Mensch. 95 % sind oft genug und die Energie für die restlichen fünf Prozent verwende ich schon für das nächste Projekt.

Womit wollen Sie im Raiffeisenverband Salzburg Meilensteine setzen?
Für uns ist es wichtig, dass wir uns mit den Herausforderungen der aktuellen Zeit befassen: Die Menschen haben andere Anforderungen an ihre Arbeit und ich glaube, es ist jetzt umso wichtiger, die richtige Umgebung für unsere Mitarbeiter, aber auch für die Menschen im Bundesland Salzburg zu schaffen.

Wo liegen die Herausforderungen der Zukunft?
Wichtige Themen sind Nachhaltigkeit und Umwelt, damit beschäftigen wir uns ganz massiv. Eine Herausforderung ist darüber hinaus, den Brückenschlag zu schaffen, zum einen die Globalisierung durch Internet-Banking und Online-Bestellungen voranzutreiben und zum anderen unsere Regionalität und unsere Struktur vor Ort weiterzuleben.