Apitherapie – Die Heilkraft der Bienen
Summend flattert es gerade durch unsere Gärten: das Bienenvolk, deren Erzeugnisse in der Geschichte der Menschheit eine uralte Tradition haben. Wie wir Menschen von diesen kleinen Wunderwesen der Natur profitieren können, zur Behandlung von Krankheiten ebenso wie als Nahrungsergänzungsmittel, zeigt uns die Apitherapie.
Text: Susanne Rosenberger
Fotos: Adobe Stock, identity.co.at Illustrationen: Adobe Stock
Honig und andere Bienenprodukte wie Propolis, Pollen, Gelèe Royale, Bienenwachs, Bienengift oder Oxymel waren aufgrund ihrer Heilwirkung bereits bei den Wegbereitern der modernen Medizin, wie Hippokrates und Paracelsus, als Bestandteile ihrer Heilmixturen geschätzt. Von all diesen Produkten ist es der Honig, den wohl ein jeder von uns in der Erkältungs- und Grippezeit verwendet. Auch Propolis und Gelèe Royale dürften vom Namen her noch weitläufig bekannt sein, doch von der Therapie mit Bienenstockluft oder Bienengift haben die meisten noch nie etwas gehört.
Heilkunst aus der Natur

Die Anwender atmen über eine Maske die Bienenstockluft in einer ca. 30-minütigen, entspannenden Sitzung ein.
Unter Apitherapie (lat. „Apis“= Biene) versteht man die Anwendung von Bienenprodukten zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten oder Störungen krankhafter Natur. „Die Apitherapie gewinnt seit fünf Jahren immer mehr an Bedeutung, sowohl bei der Kundschaft als auch bei den Imkern“, bestätigt uns Diplom-Biologe Chris Steube, Laborleiter am Imkerhof Salzburg und zugleich Referent für Apitherapie im Landesverband für Bienenzucht und Imkerei in Salzburg. „Vor allem Propolis ist in Österreich sehr beliebt, der Imker darf es hierzulande selbst herstellen und verkaufen – das ist eine Einzigartigkeit. In Deutschland und der Schweiz ist der Handel mit Propolis über den Imker nämlich nicht erlaubt, weil es nach Risikostudien als allergenes und somit risikoreiches Produkt eingestuft wurde.“
Bei Allergikern nimmt hingegen die Nachfrage nach Pollen verstärkt zu. Die meisten Pollen, die derzeit im Handel zu erwerben sind, kommen aus Spanien und Italien, weil dort ganz andere Mengen geerntet werden können. Chris Steube vom Bienenhof Salzburg empfiehlt, unbedingt heimische Blütenpollen einzunehmen, die Pollenmenge anfangs vorsichtig zu dosieren und langsam zu steigern.
Der Winter eignet sich als optimale Ausgangszeit, damit sich der Körper langsam an die Pollengabe gewöhnen kann. Außerdem wird immer ein Milchsäurebakterium wie Joghurt benötigt, um die Pollen besser aufspalten zu können.
Honig trifft Essig
Der Sauerhonig Oxymel wurde bereits bei den alten Griechen als vitalisierendes Produkt eingesetzt und als Aufputschmittel vor Schlachten dargereicht. „Beim Oxymel sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt“, erzählt Chris Steube, der neben seiner Tätigkeit als Laborleiter auch die Schellenberger Bienenwerkstatt betreibt:
„Man kann das Oxymel beispielsweise mit Hollerblüten oder Kräutern anreichern, wir haben sogar eine Variante mit Cranberries oder Heidelbeer-Espresso entwickelt, die man abends mit Prosecco aufgespritzt genießen kann.“ Oxymel wird als Breitband-Allheilmittel beschrieben, es vereint die guten Eigenschaften von Honig, in Kombination mit Essig, der die Verdauung anregt, und vitalisierendem Zucker, so fördert Oxymel das allgemeine Wohlbefinden.
Der Imkerhof empfiehlt bei Oxymel ein Mischverhältnis von 3 Teilen Honig auf 1 Teil Essig. Viele trinken Oxymel pur, um in der Früh die Verdauung anzuregen, grundsätzlich wird aber empfohlen, es mit Mineralwasser aufzuspritzen.
Allergiefrei dank Bienenluft

Jede Apiorium Therapiestation in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark ist eine Wohlfühloase für Bienen und Patienten.
Lukas J. hatte als Pollenallergiker jahrelang mit Atemnot, geschwollenen Augen, verstopften Nebenhöhlen und starkem Juckreiz zu kämpfen. Während der Pollensaison musste er ständig niesen, konnte schlecht schlafen und war dauernd müde. „Im Juli 2024 entschied ich mich für die Bienenstockluft-Therapie und absolvierte sechs Sitzungen im Apiorium. Schon nach den ersten drei Behandlungen spürte ich eine deutliche Verbesserung, nach sechs Sitzungen waren meine Beschwerden fast verschwunden“, erzählt er von seinen Erfahrungen.
Was nach einer unglaublichen Erfolgsgeschichte klingt, bestätigt uns auch Christoph Haslauer von Apiorium, der den Generalvertrieb für das beecura® SYSTEM in Österreich leitet und noch heuer die 4. Therapiestation, diesmal in Grödig, in Betrieb nehmen wird. Bienenstockluft als Atemwegs-Therapie bietet Menschen mit Problemen der oberen und unteren Atemwege eine Möglichkeit, deutliche Linderung zu erfahren. „80 % der Allergiker (alle Formen von Pollen und Gräsern, Hausstaubmilbe, Tiere und Kreuzallergien) sind nach 6 Sitzungen frei von Beschwerden. 70 % sind die Beschwerden für immer los. Ganz große Erfolge können wir auch bei Asthma, Bronchitis, COPT, Post-Covid und Geschmacks-/Geruchsverlust verbuchen“, erzählt Haslauer von den großartigen Erfolgen der Bienenstockluft-Therapie. Hierbei atmet der Anwender in einer dafür eigens entwickelten bienendichten Therapiestation die wohltuende Bienenstockluft ein, an die die Bienen wertvolle ätherische Öle, Flavonoide aus Honig, Pollen, Wachs und Propolis durch die Wärme und Ventilation, die sie mit ihren Flügeln erzeugen, abgeben.
„Mein großer Wunsch wäre, dass man diese Form der Therapie in Österreich etabliert und vielen Menschen schnell und einfach, v.a. ohne Chemie helfen kann“, so der Bio-Imker Christoph Haslauer, der 2021 in Zusammenarbeit mit fünf Ärzten, darunter Dr. Josef Hutter, die erste Apiorium-Station in Österreich gebaut hat. „Unsere Therapiestationen sind während der aktiven Bienenmonate von Mai bis September sehr gut ausgelastet. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, haben wir für die heurige Saison weitere Kapazitäten geschaffen und können damit noch Plätze für Patientinnen und Patienten mit entsprechenden bzw. akuten Beschwerden anbieten.”
Das „Gold“ aus dem Bienenstock
Bienengift, auch als Apitoxin bekannt, wird in der Apitherapie wegen seiner therapeutischen Eigenschaften eingesetzt, es regt nachweislich die körpereigene Cortison-Produktion an und findet weltweit bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen, Arthritis, Multipler Sklerose, Gürtelrose und vielen anderen Krankheiten Anwendung. In der Apitherapie erfolgt die Verabreichung häufig durch gezielte Injektionen in die Haut, was eine direkte Wirkung auf schmerzende oder entzündete Stellen ermöglicht.
Jedoch sollten die potenziellen Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden. Insbesondere kann es Asthmaanfälle oder lebensbedrohliche allergische Reaktionen hervorrufen. Daher sollte die Anwendung von Bienengift nur nach einem Allergietest und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Forschung und Zukunft
„Wir können niemals garantieren, dass in den Bienenprodukten an jedem Tag zu jeder Zeit die gleiche Zusammensetzung gewährleistet wird – das ist das wissenschaftliche Problem der Apitherapie, ähnlich wie in der Phytotherapie“, sagt der Biologe Chris Steube: „Wir wissen zwar, dass die Apitherapie hilft und Beschwerden gezielt lindert, die Bienenprodukte können die Schulmedizin aber nicht ersetzen. Man braucht eine gute Wechselwirkung zwischen beiden Polen.“
Der Weg der Apitherapie geht wohl dahin, dass der Imker in den nächsten Jahren wieder ausschließlich zum Erzeuger und Betreiber wird und alle therapeutischen Anwendungen über die Ärzte laufen, das betrifft sowohl die Bienenstockluft-Therapie und Bienenstich-Therapie, als auch auch alle anderen therapeutischen Anwendungen, etwa mit Propolis.
Auch Haslauer rät: „Finger weg von nicht ärztlich begleiteten Therapiestationen. Es beginnt bei der Betriebsführung und beim Umgang mit den Bienen, wo viel Know-how notwendig ist. Eine professionelle Station kann nur im Apiorium-Verbund unter ärztlicher Aufsicht betrieben werden.“