Angststörungen

kolumne andrea hammerer

Angstgefühle sind die mächtigsten Emotionen, die unser Leben enorm einschränken, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Im Gegensatz zur rationalen Furcht ist die Angst irrational, der Betroffene weiß, dass sie mit Vernunft nicht zu bewältigen ist. Die Steigerung ist die Panikattacke, in der wir nicht mal mehr einen Auslöser erkennen können, den wir vermeiden könnten. Hier sind wir schon beim Hebel, bei dem wir ansetzen müssen: die Vermeidung von angstauslösenden Situationen. Oft beginnt der fatale Angstkreislauf als Kind, nicht immer war es ein Trauma. Kinder werden oft ‚geschützt‘ vor der Dunkelheit, indem das Licht dauerhaft brennt, von Hunden weggerissen, anstatt den Umgang mit ihnen zu lernen, überall begleitet, damit nichts passiert, von neuen Dingen ferngehalten. Eltern versichern, dass es sofort ‚gerettet‘ wird, falls es doch nicht bei Freunden übernachten will, der Schulausflug wird schon vorher zu einem Ereignis hochstilisiert und das Kind übernimmt die ärgsten Befürchtungen, was denn geschehen könnte. Es entsteht eine sogenannte Erwartungsangst, die Phantasie eskaliert. Der Teufelskreis setzt schon beim Gedanken an das Bevorstehende an und je öfter man die Situation vermeidet (wie z.B. auch Liftfahren oder durch einen Tunnel zu müssen), desto größer die Erleichterung (Flucht) und umso höher wird die Angst. Man wird immer lebensuntüchtiger und gibt schließlich auf. Im Gehirn passiert Folgendes: Das Fluchtverhalten verfestigt sich reflexartig, das vernünftige Denken hilft uns nicht mehr weiter, man weiß ja ohnehin durch sein Umfeld, dass man seltsam reagiert. Jedoch können wir alles, was wir gelernt haben auch wieder verlernen, man muss nur verstehen, wie die Angst zustande gekommen ist. Gerade sehr intelligente Menschen lernen unglaublich schnell, leider auch das Vermeidungsverhalten. Angst beginnt eigentlich nur im Kopf – Mut aber auch. Wir brauchen aber gar nicht so viel Mut dazu, unseren Lebensradius wieder auszuweiten, wir brauchen nur den Mut, Hilfe anzunehmen.

Infos unter: Tel. +43 (0) 650 / 65 50 600 bzw. www.hammerer-praxis.at

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