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Alles Strom – der E-Auto-Boom

Die E-Mobilität ist zurzeit mit nicht einmal zwei Prozent der Neuzulassungen eine „Quantité négligeable“, wie auch die Frage – trotz großer Anstrengungen und politischem Schub – unbeantwortet bleibt, ob sich Elektroautos tatsächlich in großem Stil umweltverträglich bauen (und entsorgen) lassen.
Ein Artikel von René Herndl

Für viele Premiumhersteller Deutschlands, also BMW, Audi oder Mercedes, ist es eine Prestigefrage, auch in diesem Markt vorne dabei zu sein. Der wirkliche Durchbruch der Elektromobilität wird von Fachleuten frühestens (wenn überhaupt) Anfang der 20er-Jahre erwartet, sobald die Lade-Infrastruktur besser ausgebaut sein wird. Und über den zu erwartenden Mehr-Verbrauch an Strom und dessen Bereitstellung sowie der Umweltbelastung durch Batterien wäre ebenfalls Aufklärung nötig.
Nach BMW, die mit dem i3 – der nun mit neuen Hochvoltbatterien nochmals die Speicherkapazität erhöht und damit eine größere Reichweite auf bis zu 260 Kilometer unter Alltagsbedingungen hat – bahnbrechend waren, setzen die Bayern neben dem teilelektrischen i8 demnächst auf weitere Elektrifizierung: Den X4 und den Mini wird es auch bald rein elektrisch geben.
Eines von den seltenen neuen kleinen e-Fahrzeugen ist der e.Go, ein Start-up der Universität Aachen in Deutschland, der um die 16.000 Euro kosten soll. Der kleine Pkw aus Deutschland soll ab Ende Mai erhältlich sein.

Hyundai KONA Elektro

Hyundai KONA Elektro

Manche Hersteller bringen neue Versionen ihrer bestehenden E-Autos (Kia e-Niro, Renault Zoe II, Nissan rüstet den Leaf auf), andere hybridisieren etliche Modelle. Der „Boom“ hat zusätzlich einen einfachen Hintergrund: Ab kommendem Jahr gelten für die Autobauer strengere Abgasnormen: Der Flottenschnitt (CO2 pro Kilometer) darf dann im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm betragen. Diese Werte erreicht man nur mit einem hohen Anteil an Elektro- bzw. Hybridfahr-zeugen. Ab 2030 werden die Abgasnormen noch einmal verschärft. Dann gelten rund 60 Gramm CO2 pro Kilometer.

Umweltprämie?
Allerdings qualifizieren sich die meisten Neuerscheinungen der Premiumhersteller nicht für die E-Auto-Prämie, denn diese nun auf 3.000 Euro gekürzte Prämie gibt es nur für Autos mit einem Anschaffungspreis von bis zu 50.000 Euro. E-Auto-Pionier Tesla schafft diese Vorgabe nicht einmal mit seiner neuen „Billigversion“, dem Model 3, das demnächst in Österreich erhältlich ist.
Eine Minimalversion um 40.000 Euro gibt´s erst später zu kaufen. Relativ preiswert bieten Renault, Nissan, Kia oder auch Hyundai e-Modelle, während VW noch heuer das erste Modell der I.D.-Serie präsentieren wird, das Neo heißen soll – Golfgröße, Reichweite mehr als 300 Kilometer, Preis rund 35.000 Euro.

Fotos: Hersteller

Die neue e-Elite
Der neue Audi e-tron ist ein Großserien-Oberklasse-SUV mit Allradantrieb, also ganz im Audi-Stil, und mit einer Reichweite von bis zu 400 Kilometern ist er zudem auch noch alltagstauglich. Selbst das Problem, die andere Autos dieser Größe haben – das Laden nämlich –, hat er im Griff. Nachteil: Das hohe Gewicht von zweieinhalb Tonnen, das die Agilität abseits der Autobahn beeinträchtigt. Allerdings bietet der Audi eine bessere Rekuperation (Rückgewinnung der Energie in die Batterie beim Bremsen) als die Konkurrenz – nur der Hyundai Kona hat eine ähnliche Reichweite.
Und noch ein Neuer macht Furore: 480 Kilometer Reichweite, Fahrgefühl wie in einem richtigen und sogar richtig sportlichen Auto, hohe Qualitätsanmutung: Mit dem I-Pace legt Jaguar eine Punktlandung hin. Da schaut Tesla alt aus! Nämlich auch beim Fahren. Der I-Pace ist sogar Rennstreckentauglich, samt 400 PS und einer Reichweite, die locker für die Strecke Salzburg-Wien reicht.
Ab Mitte 2019 wird auch Mercedes (nach der Stadt-Kugel Smart EQ) sein erstes rein elektrisches Fahrzeug in die Schaufenster stellen – den EQC, eine e-SUV. Auch hier ist das Design markentypisch und in puncto Qualität, Sicherheit und Komfort will der EQC mit der Summe seiner Eigenschaften überzeugen. Die Fahrdynamik verdankt der E-Mercedes zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit zusammen 300 kW Leistung und einer theoretischen Reichweite von rund 450 km.

Die Hybridwelle
Zusätzlich erleben wir eine Hybridisierungswelle, wie etwa im neuen Range Rover Sport P400e zu beobachten, in dem ein 2,0-Liter-Benzinmotor mit 300 PS (221 kW) gemeinsam mit einem Elektromotor mit 116 PS (85 kW) seinen Dienst versieht. Die Kombination funktioniert ausgezeichnet und lässt den weder kleinen noch leichten Range Rover Sport nie untermotorisiert erscheinen. Die beiden Motoren haben eine Systemleistung von 404 PS mit einem beeindruckenden Drehmoment von 640 Newtonmetern. Jedenfalls sind allerorten neue Hybride zu sehen, die mit unterschiedlichen Konzepten den Benzin-, also Normverbrauch senken, von BMW über Honda bis Porsche.
Von Nissan sind zwei spannende Studien zu vermelden. Bei der Kernmarke selbst wäre dies die Hochbaulimousine IMs Concept, ein Elektromobil mit 483 PS und 800 Nm sowie 610 km Normreichweite. Allradlösung und adaptive Luftfederung inklusive. Die andere Nissan-Studie kommt von Infiniti. QX Inspiration heißt das Konzeptfahrzeug, das sich mit 4,65 Meter Länge als Allrad-Öko-SUV versteht.

Fotos: Hersteller

Supersportler mit Elektroantrieb?
Das Nischensegment besonders sportlicher E-Raketen klingt exotisch, ist aber recht dynamisch. Neben etlichen Exoten haben sich schon in der Vergangenheit Audi und Mercedes darin versucht: Der Sport-Mercedes SLS AMG Electric Drive, der 2012 vorgestellt wurde, und der Audi R8 e-tron aus 2016 gehören aber schon jetzt der Vergangenheit an: Der wirtschaftliche Erfolg war mäßig. Der erste Porsche, der viertürige Cross Turismo kommt noch dieses Jahr auf den Markt. Er verfügt über eine 800-Volt-Architektur und ist für das Laden am Schnellladenetz vorbereitet, hat 600 PS und eine Reichweite von 500 km (NEFZ). Das Fahrzeug ist ein Derivat des künftigen Taycan. In den kommenden Jahren werden wahrscheinlich weitere Versuche bekannter Marken folgen, etwa von Lamborghini.
Dazu gehört etwa das Projekt des Audi PB 18 e-tron, der erstmals in Pebble Beach präsentiert wurde und 680 PS und eine Reichweite von 500 km leisten soll.
Der kommende Tesla Roadster ist für 2020 geplant: Er soll in weniger als 2 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten und 400 km/h Höchstgeschwindigkeit haben. Reichweite? 1.000 km! Hierzulande unbekannt ist der 2017 vorgestellte Techrules Ren aus China (mit einer Karosserie von Giorgetto Giugiaro), der mit einer Gesamtleistung von 1305 PS demnächst auf den Markt kommen soll.
Dann sei noch eine Frage erlaubt: Wo bleibt ein breites Angebot von praktischen, kleinen und preisgünstigen E-Autos, oder ist die E-Mobilität nur ein prestigeträchtiger Spielplatz?

Ein kleiner Exkurs von René Herndl.

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