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Charakterwandel: Der neue 1er von BMW

Die Konkurrenz ist in der Kompaktklasse die wahrscheinlich größte und jeder Hersteller probiert, die unmittelbaren Mitbewerber auszustechen. Bislang war der Einser von BMW durch seinen Hinterradantrieb fast ein Exot unter all den Frontbetriebenen. Das hat sich jetzt geändert.
Ein Artikel von René Herndl
Foto: René Herndl

Foto: René Herndl

Zuerst einmal zur Optik: Der BMW 1er hat sich bislang auch optisch von anderen Kompakten unterschieden, schon alleine dadurch, dass die Motorhaube länger war, die Proportionen einfach mehr am Motor orientiert waren, der Überhang vorne kürzer war und das Auto dadurch eine visuelle Dynamik hatte. Das ist jetzt ganz anders. Die Gesamtform nähert sich der der Konkurrenz an: Die Silhouette ist verwechselbarer geworden, nicht minder dynamisch, aber eher durch den gekeilten Zuschnitt der nun betonten Passagierkabine im Vergleich zum kürzeren Vorbau. Auch wenn die Gesamtlänge leicht geschrumpft ist, wirkt der neue 1er wuchtiger und kompakter, weniger zierlich. Das wirkt sich selbstverständlich in einer verbesserten Raumökonomie aus, die mehr Platz im Innenraum bietet, wenngleich nicht wirklich viel mehr. Das ist logischerweise jenem Umstand geschuldet, der den 1er an Golf, Mercedes und Co annähert, nämlich dem neuen Frontantrieb und sogar Dreizylindermotoren (118i / 116d). Für BMW geradezu ein technischer Stilbruch! Womit wir beim eigentlich Wesentlichen des neuen 1er wären – dem Antrieb.

BMW selbst meint, dass der Frontantrieb ein Fortschritt wäre, was für Normalverbraucher und -fahrer gewiss stimmt, hat diese Antriebsform dort und da doch ihre Vorteile, also etwa bergauf bei Schneefahrbahn (Vierradantrieb gibt es selbstverständlich auch, aber gegen Aufpreis), aber auch Nachteile, etwa bei der Präzision. Eine leichte Kopflastigkeit kann nicht geleugnet werden, was den Fahrspaß etwas trübt. Natürlich nur dann, wenn man das an sich exzellente Fahrwerk auszureizen gewillt und imstande ist, können auch leichte Traktionsprobleme in Kurven auftreten. Aber rein fahrerisch (und beim Verbrauch) bleibt der BMW in dieser Klasse an der Spitze, aber eben mit kleinen Abstrichen.

Foto: BMW

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Das Interieur ist, wie man‘s von BMW gewohnt ist, ausgefeilt bis ins Detail, begonnen bei den ausgezeichneten Sitzen vorne mit feinem Seitenhalt und ebensolcher Einstellmöglichkeit, sodass man auch als langer Lulatsch gut Platz nehmen kann. Hinten freilich geht‘s doch ein bisserl eng zu – und bei der Kopffreiheit wurde eher an Jugendlichen Maß genommen, aber das ist eine Eigenschaft, die auch der Premium-BMW mit nahezu allen Kompakten gemein hat. Zu den elektronischen Spielereien und den Assistenzsystemen darf man auch noch festhalten, dass etliche durchaus nützlich sein können, auch praktisch sind, jedoch manche gerade für aktive Fahrer störend bis hinderlich – siehe Spurhalteassistent. Aber noch sind wir nicht in Zeiten autonomen Fahrens angekommen, auch wenn Geschwindigkeitsbegrenzungen auf langweiligen Autobahnschleichfahrten sogar Tempomate nutzbringend einsetzbar machen. Und doch – noch sollte der Fahrer das Volant beherrschen, und nicht ein elektronischer Assi!

Zusammenfassend darf man den neuen BMW 1er als gelungen bezeichnen, auch wenn ein wenig Flair verloren gegangen ist: Technisch perfekt, vor allem bei den Motoren, die aus Österreich kommen, aber ein bisschen weniger eigenständig als früher.

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Foto: René Herndl

BMW 118 d (120 xd)

  • Motor: Vierzyliner-Diesel, 1.995 cm3
  • Drehmoment: 350 Nm/1.750 U/min (400 Nm/1.750 U/min)
  • Antrieb: Vorderrad (Allrad), 6-Gang manuell ( 8-Gang Steptronic)
  • Beschleunigung: 0-100 km/h: 8,5 Sek. (7 Sek)
  • Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h (230 km/h)
  • Verbrauch (Norm): 4,1 bis 5,0 l/100 km
  • Preise: € 32.100,- (€ 36.900,-); Testautos < € 50.000,-

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