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Zwischen Lust & Wertanlage: Old- und Youngtimer

Oldtimer, also Autos, die über 30 Jahre alt sind, werden als Klassiker des Automobilbaus bezeichnet. Und je seltener sie sind, je weniger von einzelnen Modellen gebaut wurden, desto begehrter und desto teurer sind sie. Und die Preisentwicklung auch künftiger Oldtimer – sogenannter Youngtimer – ist sehr unterschiedlich. Sind alte Autos als Wertanlage-Objekte geeignet?
Ein Artikel von René Herndl

Wie schon oft berichtet und bekannt, werden für rare und schöne alte Automobile Preise geboten und bezahlt, die scheinbar jeder Vernunft widersprechen – es ist fast schon als Goldrausch zu bezeichnen. Viele Oldtimer verzeichnen eine jährliche Wertsteigerung zwischen fünf und sechs Prozent pro Jahr, manche deutlich mehr. Eine mediale Behauptung aus dem letzten Herbst, die Preise würden einbrechen, hat sich gerade in jüngster Zeit mehrfach als falsch er-wiesen – die Preise stabilisieren sich auf sehr hohem Niveau. Und für Einzelstücke gehen die Auktionsergebnisse noch immer durch die Decke.

Marktchancen
Wer sich in diesem Markt betätigen will, muss viele Faktoren beachten und oftmals auch das eingesetzte Kapital als Risikokapital betrachten, wenn man Renditen erzielen möchte. Einerseits explodieren die Preise seltener Exemplare gewisser Marken – wie etwa kürzlich bei einer Versteigerung eines 61er Jaguar E-Type oder von seltenen Porsche-Modellen –, andererseits wird zunehmend Wert auf Originalität und Zustand des Wagens gelegt, der den Preis bestimmt. Dazu kommen natürlich auch konjunkturelle Faktoren, die die Nachfrage bei einem kleiner werdenden Angebot beeinflussen. So entsteht ein gespaltener Markt, der einerseits auf einem sehr hohen Level nach interessanten Objekten sucht, andererseits auch auf niedrigerem Niveau neue findet, die einen Einstieg ermöglichen.

Fotos: René Herndl

Fotos: René Herndl

Müll oder Kunstobjekt
Kunden schauen beim Kauf immer genauer hin, sind immer besser informiert. Der Zustand eines Autos muss den Preis rechtfertigen und bei restaurierten Exemplaren muss eine Qualität, die sich am Original orientiert, als Maßstab gelten. Deshalb ist eine genaue Prüfung eines Angebots von großer Bedeutung und die Geschichte des Oldtimers sollte möglichst exakt dokumentiert sein. Schlechte Qualität, fremde Teile oder zusammengestückelte, nur auf Optik getrimmte Fahrzeuge gehen als Sammlerstücke nicht mehr durch, lassen aber auch die Gefahr von Fehlspekulationen höher werden.
Und Einzelstücke, die als Kunstobjekte einen Unikats-Charakter haben, sind ohnehin kaum mehr zu finden oder nur mehr für Milliardäre erschwinglich.

Vom Flügeltürer bis zur Ente
Erstklassige Modelle, wie etwa ein Mercedes 300 SL Flügeltürer, sind „Blue Chips“ im High-End-Bereich, deren Preise sicher weiter steigen werden. Aber auch eine gut erhaltene oder fein restaurierte Ente, also ein Citroen 2 CV, erfreut sich neuerdings großer Beliebtheit und erfreulicher Preissteigerung.
Ein Opel Rallye-Kadett („Kiemenkadett“) oder ein alter VW-Bully (Typ T1 und T2) verzeichnen Zuwachsraten, die Aktienkurse zum Kleinkram machen, Modelle wie der wunderschöne Alfa Brera oder manch andere, eher in Kleinserie gebaute Youngtimer-Autos, die seinerzeit ein Mauerblümchen-Dasein gefristet haben, sind die Zukunftshoffnungen für Sammler, weil sie das Zeug zu einem seltenen Klassiker der Zukunft haben. Aber auch einzelne Japaner oder ausgefallene Amerikaner haben Potenzial, wenngleich nicht jenes von exklusiven Europäern.
Einen guten Einblick in den Markt und seine Trends geben die großen Oldtimer-Messen, etwa in Essen oder Frankfurt, aber auch bei Auktionen sind mitunter noch Hoffnungsobjekte zu finden. Schnäppchen sind allerdings auf dem Oldtimermarkt so gut wie keine mehr zu finden, dazu ist der Teich schon viel zu leer gefischt.

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Restaurierung und Erhaltung
Wer einen Oldtimer sein Eigen nennen will, der muss sich schon beim Kauf darüber im Klaren sein, dass die Er-haltung viel kosten kann – eine Restaurierung unter Umständen noch sehr viel mehr. Deshalb muss man den Oldtimer als Anlageobjekt auch unter diesem Aspekt betrachten – die Kosten können sich beim Wiederverkauf als Bumerang erweisen, wenn die Wertsteigerung diese nicht hereinspielt. Und je seltener, älter und ausgefallener der Oldy ist, desto höher die Kosten, auch was die Erhaltung betrifft. Da sind fünfstellige Beträge schnell erreicht. Dies, weil hier Spezialisten gefragt sind, egal für welche Teile des alten Blechs, sei es die Anfertigung eines nicht mehr erhältlichen Ersatzteils, die Maßarbeit des Sattlers beim Verdeck oder im Innenraum, oder gar die Arbeit am Motor. Und es wäre absolut falsch zu sparen, weil so die Gesamterscheinung des Autos leiden würde, ebenso die Bewertung des Gesamtzustandes, was wiederum den Preis mindern würde. Diese Kosten sind bei kleineren Autos selbstverständlich geringer, aber auch hier sind jährliche Kosten von mehreren tausend Euro durchaus möglich.

Betrieb und Pflege
Dass man für das rollende Kulturgut eine Garage, mehr Pflege und Aufwand braucht, gilt als selbstverständlich, weniger bekannt ist jedoch, dass unter Umständen auch bei der Treibstoffzusammensetzung aufzupassen ist. Wird ein Oldtimer für längere Zeit stillgelegt, sollte der Tank stets möglichst voll sein. Außerdem sollte man vermeiden, das Kraftstoffsystem austrocknen zu lassen. Der schlechteste Fall wäre ein großer Tank, in dem sich nur noch ein Bodensatz an Kraftstoff befindet. Eine durch größere Temperaturschwankungen in der Garage verursachte sogenannte Tankatmung, bei der ständig frische Luft – und mit ihr auch Luftfeuchtigkeit – in den Tank gerät, ist unbedingt zu vermeiden. Und wer schon einen Oldtimer besitzt, weiß auch, dass das Fahren, die Bewegung mit der wertvollen Rarität nicht mit dem Fahren in einem modernen Auto zu vergleichen ist: Das Fahrgefühl, die physikalischen Gesetze greifen unmittelbarer – hier helfen keine elektronischen Assistenzsysteme, Können am Volant ist gefragt. Was auch einen guten Teil der Liebhaberei ausmacht.

Experten-Rat
Wer jetzt noch mit dem Gedanken spielt, sein Geld in Oldtimer oder auch in Youngtimer zu stecken, sollte sich das Kaufobjekt sehr genau anschauen und am besten auch den Rat eines Experten einholen.

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