Zum Rapport!

Der Ton ist rau, es herrschen klare Strukturen, der Alltag ist körperlich anstrengend, kein Ort, an dem liebevoll miteinander umgegangen wird – so in etwa können meine Vorstellungen vom Bundesheer zusammengefasst werden. Bei einem Blick hinter die Kulissen aber ändert sich dieses Bild grundlegend.
 Ein Artikel von Marion Flach

Schwarzenberg-Kaserne. Am Einfahrtstor angekommen wird unser Auto vom wachhabenden Personal kritisch beäugt. Nachdem wir allerdings von Frau Hauptmann Monika Kaspar begrüßt wurden, dürfen wir problemlos die Einfahrt passieren.

Die Spannung in mir steigt: Ich bin neugierig darauf, was am heutigen Tag auf mich zukommen wird. Auf alle Fälle bin ich schon jetzt beeindruckt, wie riesig das Kasernengelände ist und auch davon, wie idyllisch sich alles präsentiert: Gepflegte Wiesen, alter Baumbestand, saubere Anlagen – so ruhig, friedlich und idyllisch habe ich mir eine Kaserne eigentlich nicht vorgestellt.

Foto: Katsuhiko TOKUNAGA/DACT,INC.

Disziplin

Unsere erste Station ist die sogenannte Hindernisbahn. Das klingt zunächst nicht wirklich spektakulär und sieht auf den ersten Blick auch nicht so aus. Nachdem mir aber Hauptmann Kaspar, unsere Begleitung für diesen Tag, die Anlage genauer erklärt hat, wird mir klar, dass das eine große Herausforderung wird.

Hauptmann Kaspar erklärt mir jedes Hindernis und zeigt mir, wie es mit der richtigen Technik zu bewältigen ist. Dass dafür körperliche Fitness die Grundvoraussetzung ist, wird schnell klar. Außerdem zeigt sich, dass eine gewisse Körpergröße von Vorteil ist – wohl auch ein Grund, warum (noch) wenige Frauen beim Bundesheer sind: Körpergröße kann man leider nicht dazu diskutieren. Trotzdem wird gerade auch am Beispiel einer jungen Frau wie Monika Kaspar deutlich, dass es machbar ist und auch ich merke, dass man die Herausforderung schaffen kann. Disziplin und Willenskraft gehören auf alle Fälle dazu: Nicht nur diese Bahn bedeutet hartes Training.

Kameradschaft

Nachdem wir den sportlichen Teil beendet haben, brechen wir ins Militärkommando auf, wo Hauptmann Kaspar ihren Arbeitsplatz hat. Auf der Fahrt dorthin wird mir erneut bewusst, wie groß das Kasernengelände ist. Es wird von 25 Straßenkilometern durchgezogen. Um intern von A nach B zu kommen, ist ein fahrbarer Untersatz durchaus von Vorteil. Dort angekommen, treffen wir uns im Besprechungsraum, in dem eine zwanglose und entspannte – man könnte auch sagen eine familiäre – Stimmung zu spüren ist. Auffällig ist vor allem der nette, zuvorkommende Umgangston. Es scheint nicht üblich zu sein, dass man aneinander vorbeigeht und sich dabei nicht grüßt. Natürlich: Im Gespräch redet man sich zunächst mit dem entsprechenden Rang an. Trotzdem zeigt sich, dass es hier kollegiale Bande gibt, die fernab von einem rauen Umgangston untereinander liegen.


Gemeinschaft

Das Miteinander ist auch beim Mittagessen im Offizierskasino spürbar. Die hierarchische Struktur ist sehr deutlich. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass es hier eine Gemeinschaft gibt. Wie mir Hauptmann Kaspar erklärt, geht es in der Grundausbildung schon rauer und grundsätzlich etwas anders zu, aber immer respektvoll. Hat man den Ausbildungsweg aber einmal abgeschlossen, bietet das Bundesheer gerade auch für Frauen interessante Möglichkeiten und einen sicheren Arbeitsplatz.


Vielseitigkeit

Das Bundesheer auf körperliches Training, Gewaltmärsche oder Waffenübungen zu beschränken, wird ihm keinesfalls gerecht. Hauptmann Kaspar beispielsweise ist im PR- und Kommunikationsbereich tätig. Im Grunde hat sie alle Aufgaben zu erledigen, die man im zivilen Leben als Eventmanagerin erfüllt. Außerdem wird mir klar, dass es DAS Bundesheer so nicht gibt. Unzählige Möglichkeiten und – salopp gesagt – Abteilungen bieten ein breites Spektrum, in dem man sich seinen Talenten entsprechend betätigen kann. Außerdem unterstützt das Bundesheer Ausbildungswege, wozu etwa der Heeressport oder die Militärmusik zu zählen sind. Auch der Sanitäts- oder der Alpindienst sind Möglichkeiten, die auch Frauen ein interessantes Berufsfeld bieten.


Beeindruckend

Am Nachmittag nimmt uns Hauptmann Kaspar zur Probe der Eurofighter-Vorführung am Salzburger Flughafen mit. Natürlich sind die Flugzeuge selbst schon faszinierend. Aber gerade auch, Menschen kennen zu lernen, die beim Bundesheer in unterschiedlichsten Rängen und Positionen arbeiten und in dieser Welt leben, ist sehr aufschlussreich und hat viel Vorurteil abgebaut.

Fazit

Ja, es stimmt, beim Bundesheer gibt es klare Strukturen und Hierarchien, in die man sich einfügen muss. Allerdings bietet es auch sehr viel Platz und Möglichkeiten, seine eigene Persönlichkeit zu entfalten. Gerade auch Frauen können sich beim Bundesheer gewinnbringend einsetzen – auch wenn es sicher manchmal hart ist und gewisse körperliche Voraussetzungen unumgänglich sind.

Neugierig?

Für mich hat es sich auf alle Fälle gelohnt, hinter die Kulissen zu schauen: Die spannende Erfahrung hat mich auf die Arbeit des Bundesheeres aufmerksam gemacht und mir gezeigt, dass hier Menschen arbeiten, die sich für unser Land einsetzen.


Ein Tag in einer Kaserne ist natürlich etwas Besonderes.
Aber auch die Zivilbevölkerung hat die Möglichkeit, mit dem Bundesheer in Kontakt zu treten, sich über die umfangreichen Aufgaben zu informieren. Die nächste Möglichkeit, bei einer solchen Leistungsschau dabei zu sein, ist der 26. Oktober 2016.

Historische Einblicke

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Österreich bis 1955 unter Besatzungsrecht. Durch den Österreichischen Staatsvertrag erlangte das Land im Juli 1955 seine volle Souveränität zurück. Das bedeutete, dass Österreich ab diesem Zeitpunkt wieder völlig unabhängig von anderen Staaten und Mächten war und die Befugnis zur ausschließlichen rechtlichen Selbstbestimmung zurückerlangte. Nach einer Frist von 90 Tagen mussten alle feindlichen Soldaten das Land verlassen haben, was am 25. Oktober 1955 der Fall war. Um nicht den Truppenabzug, sondern die Neutralität Österreichs zu unterstreichen, wurde der 26. Oktober, an dem der Neutralitätsbeschluss in Kraft trat, zum „Tag der Fahne“ erklärt. So
sollte an diesem Tag die österreichische
Fahne gehisst werden.

Zehn Jahre später, im Jahr 1965, wurde der „Tag der Fahne“ in den Nationalfeiertag umgewandelt. Seit 1967 ist es ein arbeitsfreier Tag, an dem die Feiertagsruhe gilt.

Der 26. Oktober wird inzwischen mit viel Tradition gefeiert: In Wien beispielsweise öffnen Museen teilweise kostenlos ihre Pforten. In Bundesmuseen gibt es ermäßigte Tickets. Zusätzlich öffnet der Staat viele seiner Pforten. So können unter anderem das Bundeskanzleramt oder der Parlamentssaal besichtigt werden. Auch das Bundesheer ist mit zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Land vertreten.

Und Action!

Auch in Salzburg kann das Bundesheer am 26. Oktober 2016 aus nächster Nähe erlebt werden. In der Salzburger Altstadt gibt es Informationsstände und ein buntes Rahmenprogramm. Außerdem werden am Kapitelplatz Panzer zu sehen sein. Leistungsschauen der unterschiedlichen Streitkräfte zeigen auf, wie umfangreich die Aufgaben des Bundesheeres sind. Von Vorführungen der Panzer und Sonderfahrzeuge, über Bootsmanöver bis hin zu Festungssturm mit Hubschraubern wird ein vielfältiges Programm
geboten. Zu den Highlights zählen sicher auch die Angelobung um 10.30 Uhr am Max-Reinhardt-Platz sowie das Konzert der Militärmusik.

Tipp:

Leistungsschau 2016, 200 Jahre Salzburg
bei Österreich, 26. Oktober 2016, 9-16 Uhr, Altstadt Salzburg

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