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Womit heizt man am besten?

Diese Frage stellt sich, nicht nur wegen der Kosten, jeder Bauherr, jeder Hauseigentümer, einfach jeder, der seine Heizung selbst wählen kann. Umweltminister Andrä Rupprechter meint dazu, dass Holz als erneuerbarer Energieträger auch beim Klimaschutz helfe, aber nur, wenn er richtig verwendet würde, auch, dass er „…uns unabhängiger von den internationalen Energiemärkten …“ mache.

Schon seit Menschengedenken spendet Holz als Brennstoff Wärme und Behaglichkeit und es gibt bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid an die Atmosphäre ab, wie zuvor aus der Luft durch den Aufwuchs gebunden wurde.“ Obwohl diese Aussage des Ministers einen wahren Kern hat, so ist diese Heizenergie als Alleinlösung nach Ansicht von Fachleuten nicht ausreichend beziehungsweise nur als Teillösung tauglich.

System- und Energiewahl

Ing. Günther Karres, ein erfahrener Experte für Heizungssysteme, meint, es gäbe für alle Anwendungsbereiche und Energieträger individuelle Lösungen mit effizienten Systemen. Mit moderner Brennwerttechnik, durch Einsatz nachwachsender Rohstoffe, kombiniert mit Solarenergie, eventuell auch mit einer Wärmepumpe und Nutzung der Abgaswärme, kann die bestmögliche Energienutzung erreicht werden.

Durch moderne Technik ist auch bei Gas und Öl eine hohe Energieausbeute möglich, insbesondere in Verbindung mit einem Warmwasserspeicher und einer Solaranlage, allerdings nicht oder nur eingeschränkt mit den Klima-Richtlinien der EU vereinbar. Die Nutzung der Sonnenenergie dagegen zählt zu den denkbar umweltfreundlichsten Energiequellen, da die neuen, hocheffizienten Anlagen heute bis zu 60 Prozent des jährlichen Energiebedarfs für Warmwasserzubereitung im Ein- oder Zweifamilienhaus abdecken können. Die Kollektoren neuester Generation erwärmen sowohl Heizungs- wie auch Nutzwasser, wodurch diese für Günther Karres als ideale Ergänzung für jedes Heizsystem gelten müssen.

Holzpellets, Wärmepumpen

Heizen mit Holzpellets bedeutet Umweltschonung, denn Holz verbrennt als nachwachsender Rohstoff, der zu hoher Versorgungssicherheit beiträgt und als Teil einer nachhaltigen Forstwirtschaft auch als Wirtschaftsfaktor an Bedeutung noch gewinnen kann. Hier gilt aber ebenso, dass zusätzliche Energie, etwa aus Sonnenkollektoren ideal wäre und die Effizienz noch steigert.

Energie aus der Umweltwärme, aus Luft, Erde oder Grundwasser ist nach der Installation entsprechender Technik praktisch kostenlos, wobei eine Wärmepumpe aktueller Machart effektiv und umweltschonend im Sommer auch zur Kühlung eines Gebäudes einsetzbar ist, allerdings nur als Basis und Unterstützung für andere Energieformen. Daher eignet sich eine Wärmepumpe besonders als Zusatz zu anderen
Heizenergieformen.

Neue Techniken und Speicher

Zurzeit sind Infrarot-Heizungsanlagen vor allem wegen des günstigen Preises stark nachgefragt. Diese Heizungsart, die meist an der Wand installiert wird, eignet sich eher für Passiv- und Niedrigenergiehäuser bis zu einem HWB (Heizwärmebedarf)-Maximum 20, hat aber den Nachteil, dass sich die Strahlungswärme in unmittelbarer Nähe unangenehm stark anfühlt. Als perfekte Lösung für Mehrfamilienhäuser und Gebäude mit unterschiedlichen Raumgrößen, die getrennt abgerechnet werden sollen, nennt Ing.
Karres sogenannte Wohnungsstationen, die von einer zentralen Wärmeerzeugung (sowohl für Heizung als auch für Warmwasser) je nach Bedarf des
Nutzers/Bewohners Wärme abrufen und individuell steuerbar sind.

Eine wichtige Rolle für die Energieeffizienz spielt auch noch die Speicherung, insbesondere jener Energie, die, wie etwa bei Solar- oder Windkraft, nicht permanent erzeugt wird. Pufferwasserspeicher sind auch schon längere Zeit im Einsatz, auch Feststoffspeicher sind schon bekannt, weniger dagegen die sogenannten Phasenspeicher, die jedoch alle für eine
effektive Nutzung eine hochwertige, intelligente Steuerungstechnik benötigen. Die oft erwähnte Betonkernaktivierung ist als Speicherart nur dann sinnvoll, wenn wegen der trägen Reaktion lediglich eine Grundlast ohne Witterungsabhängigkeit
gedeckt werden soll.

Wärme und Dämmung

Wenn der Heizbedarf, also Energie gespart werden soll, werden eventuell auch nachträglich die Außenwände des Hauses gedämmt. Dabei gilt es mehrere Faktoren zu beachten: Bei wasserdampfdurchlässigen diffusionsoffenen Baustoffen diffundiert Wasserdampf aufgrund des Konzentrationsgefälles durch das Bauteil. Durch Dämmung wird der konventionelle Wandaufbau durch zusätzliche Schichten verändert. Dabei kann sich der sogenannte Taupunkt verschieben. Eine Taupunktberechnung (Berechnung, wann und wo im Bauteil Luftfeuchte kondensiert) ermöglicht einen bauphysikalisch richtigen Aufbau. Was nämlich durch Dämmung sicher nicht bewirkt werden darf, ist die Schädigung des Wandaufbaus durch Feuchtigkeit, die zu Schimmelbildung führen könnte.

Fazit: Die Bausubstanz, die Dämmung, die Heizungs-
anlage, die passende Energie usw. – all das ist ein Konglomerat unterschiedlichster Einflussgrößen, die in ihrer Zusammensetzung und ihrer gegenseitigen Beeinflussung unbedingt eine fachlich fundierte und umfassende Beratung und Planung erfordern und die man deshalb nicht nach Hörensagen oder Einflüsterung wählen sollte. Dass dabei auch noch Förderungen – je nach Gebäudeart oder Nutzung – möglich sind, wäre in die Überlegungen einzubeziehen.

Nützliche Links: www.umweltfoerderung.at und www.ris.bka.gv.at.

Rene Herndl

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