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Wohlfühloase Wohnlandschaft

Was früher nur knapp bemessene Sitzflächen bot, hat heute den Anspruch, eine Oase der Ruhe und Entspannung zu sein: die Couch des 21. Jahrhunderts.
Ein Artikel von Christine Gnahn

Endlich die Beine hochlegen, den Tag im Büro hinter sich lassen und sich bei einem guten Buch oder einer spannenden Serie so richtig wohlig in die gemütliche Couch hineinschmiegen – die Couch nimmt im Alltag für viele eine unverzichtbare Rolle ein. Hier lässt sich all der Stress abschütteln, der einem in der Welt da draußen begegnet ist. Hier ist es warm und gemütlich, gerade in den kalten Jahreszeiten ein Bonus, den man ganz besonders zu schätzen weiß. Das Wohnzimmer, so lässt sich vielleicht behaupten, ist der letzte Ruhepol in einer durch Mobilität geprägten Stress-Gesellschaft. „Früher war es noch üblich, Gäste ins Wohnzimmer zu bitten, um dort gemeinsam eine Tasse Kaffee oder ein Glaserl Wein in Gesellschaft zu trinken“, beschreibt Rolf Treml von Möbel Treml in Salzburg, „das passiert heute seltener. Für viele Menschen ist das Wohnzimmer ein Ort des Rückzugs und erhält damit einen intimen Charakter, im Sinne von ‚my home is my castle’.“ Christina Tassioglou, die als Einrichtungsexpertin bei AREA Salzburg tätig ist, weiß ebenfalls von modernen Ansprüchen an das Wohnzimmer zu berichten: „Das ist die Familienwiese, der Ruhepol und zusammen mit dem Essbereich das Herzstück des Hauses. War das Wohnzimmer früher eher ein Statussymbol, ist es heute ein sehr privater Raum geworden.“

Der Wunsch nach einer Zone der Ruhe, des Abschaltens und des Sich-Wohlfühlens führt zu einer Frage: Wie lässt sich ein Zimmer so gestalten, dass es maximale Gemütlichkeit und Wärme ausstrahlt? „Kompakte Zweisitzer-Couches sind für die perfekte Entspannungszone weniger gefragt“, erklärt Treml, „das war früher der Anspruch: ‚Da müssen zwei Leute sitzen können’.“ Stattdessen seien richtig gehende Wohnlandschaften stark im Trend: „Das Wohnzimmer wird zur persönlichen Wellnessoase.“ So berichtet auch Stefan Scheicher, Geschäftsführer des Einrichtungshauses Scheicher, von neuen Proportionen in puncto Wohnzimmer-Sitzgelegenheiten: „Moderne Sofas sind heute bequem tief und niedrig ausgelegt, gerne mit großen Kissen ausgestattet.“ Das basiere auf einem neuen Wohn-Bewusstsein der Menschen. „Auf einem Sofa kann man eben nicht nur lesen, sich zurücklehnen oder fernsehen, sondern auch mit seinem Computer arbeiten oder sogar essen.“

Sofa-Groundpiece
Sofa Groundpiece von Flexform­, Design Antonio Citterio

Eave Medular Sofa von Norm Architects

Der Wandelwunsch
So flexibel sich viele Menschen heutzutage auf ihre moderne (Arbeits-)Welt und Umgebung einstellen müssen, so flexibel erwarten sie sich scheinbar auch ihre Möbel. Der Trend, besonders auf jene Möbelstücke zu setzen, die vielerlei Funktionen ausführen und sich so an die individuellen Gegebenheiten anpassen können, spiegelt sich am modernen Wohnzimmer wider. „Räumlichkeiten müssen heutzutage verschiedene Funktionen vereinen“, erklärt Scheicher, „meist sind die Wohnbereiche heute ja im Grundriss offen. Küche, Ess- und Loungebereich werden miteinander kombiniert und dadurch immer mehr zum kommunikativen und gesellschaftlichen Zentrum einer Wohnung.“ Entsprechend gestaltet sich auch die Couch des 21. Jahrhunderts. „Sofas, die sich beispielsweise durch das unkomplizierte Verschieben von Kissen verändern lassen und die mal in der Sitz-, dann in der Liegeposition zum Entspannen einladen, sind besonders gefragt“, beschreibt Cornelia Ludwig von Ligne Roset Salzburg. Dabei geht es, so Tassioglou, nicht nur um die Form und Ausrichtung der Couch, sondern auch um die farbliche und stoffliche Gestaltung: „Man denkt heute langfristiger und möchte sich nur etwas neu anschaffen, das die nächsten 10 bis 15 Jahre Freude bereitet. Weil die Zeit jedoch am Bezug Spuren hinterlassen und sich auch das Auge an neuen Eindrücken erfreut, sind abnehmbare Bezüge heutzutage sehr wichtig.“ Nicht zuletzt könne sich ja auch die Umgebung bei einem Umzug verändern und ein neues „Sofa-Outfit“ notwendig machen.

Sofa Prado von Christian Werner

Hohe Qualität, schickes Design
Doch nicht nur in der Wandelbarkeit werden bei den Bezugstoffen von heutigen Sofas hohe Maßstäbe gelegt, beschreibt Ludwig, „zusätzlich zum Sitzkomfort bevorzugen immer mehr Kundinnen und Kunden hochwertige Bezug-Materialien.“ Beliebt seien dabei heutzutage weniger Leder- und mehr kuschelige Stoffe. „Qualität und Nachhaltigkeit bedingen sich ja gegenseitig“, erklärt Scheicher, „Bedeutend bei der Produktion eines Wohnobjekts ist daher heute die Verarbeitung wertvoller Naturmaterialien.“ Erneuerbare Rohstoffe wie Leinen, Wolle und Baumwolle in Spitzenqualität sowie hochwertiges Holz seien dabei tolle „Mitbewohner“, die Komfort und Ästhetik gleichermaßen gewährleisten. „Das Designbewusstsein der Menschen hat in den letzten Jahren ganz generell immer mehr an Bedeutung gewonnen.“ Passend zu einem zeitgemäßen Design lassen sich heutzutage auch seltener Wohnwände voller Bücher und Ordner finden, so Treml, „heutzutage befindet sich schon vieles, was einst in haptischer Form in Haus oder Wohnung untergebracht werden musste, auf dem Computer oder Smart Phone.“ Die Gestaltungsmöglichkeiten für die Wände, die nun nicht mehr von Wohnwänden besetzt sind, werden damit breit: Es lassen sich beispielsweise Tapeten mit bestimmten Motiven und Wandfarben auch an einzelnen Teilen der Wand anbringen, die dann als Blickfang dienen.

Sofa Ploum von R. & E. Bouroullec

Individuelle Komfortzone
Heutzutage lösen sich viele Muster auf, die einer individuellen Gestaltungsfreiheit weichen. So verhält es sich auch mit der Einrichtung von Haus und Wohnung, nicht zuletzt mit dem heimischen Wohnzimmer und der Couch. „Man freut sich heute, wenn man eine ganz besondere Couch besitzt, die man in kaum einem anderen Wohnzimmer findet“, erzählt Ludwig, „besonders durch individuelle Gestaltungsmöglichkeiten in der Ausrichtung und bei den Bezügen lässt sich sagen: Kein Sofa gleicht dem anderen.“ Es sei im privaten Bereich für viele Menschen immer wichtiger, sich vom Mainstream abzuheben, berichtet auch Scheicher. „Wohnlandschaften zeigen den ganz persönlichen Lebensstil und werden damit heute auch als persönliches Statement angesehen.“ Insbesondere hänge das mit der breiten Vernetzung durch soziale Medien zusammen, die das Privatleben immer mehr nach außen tragen. „Da ist der Wunsch nachvollziehbar, den privaten Lebensraum intimer und persönlicher zu gestalten.“ So kann man sie dann wirklich genießen: die Freizeit im gemütlichen Zuhause.

Fotos: Hersteller

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