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Wohin mit dem Geld?

Das gute alte Sparbuch hat ausgedient – sollte man meinen. Stimmt aber nicht so ganz: Trotz des andauernden Zinstiefs erfreuen sich verzinsliche Anlageformen nach wie vor großer Beliebtheit. Zu Recht, wenn es darum geht, Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Wer aber Erträge sehen will, ist besser damit beraten, Unternehmensbeteiligungen in Form von Wertpapieren miteinzuschließen.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Österreich gilt als Land der Sparer. Und das, was man sich erspart, wandert in unseren Breitengraden nach wie vor gerne aufs Sparbuch – konservativ, sicher, aber leider mit einem Kaufkraftverlust verbunden. Dennoch liegen derzeit 254,3 Milliarden Euro der Österreicher auf Sparbüchern und Konten (OeNB, Okt. 2018), was sich auch im Land Salzburg so widerspiegelt: Das Sparbuch bleibt weiterhin die beliebteste Sparform der Salzburger; 80 % haben Geld am Sparbuch. Einen Bausparer haben 60 %, 44 % lassen ihr Geld am Girokonto liegen. Das belegen die Zahlen einer IMAS-Studie, die im Oktober 2018 von Erste Bank und Sparkassen in Auftrag gegeben wurde.
„Das Sparbuch erfreut sich immer noch großer Beliebtheit und macht – als Liquiditätsreserve für unvorhergesehene Ausgaben – auch Sinn“, bestätigt auch Peter Illmer, Leiter Private Banking der Raiffeisen Salzburg. „In unserer Situation der niedrigen Zinsen decken diese die Inflationsrate nicht ab – reale Verluste sind also vorprogrammiert.“

Foto: ag visuell - stock.adob.com

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In absehbarer Zeit ist nicht zu erwarten, dass sich das Zinsniveau hebt. „Die Situation ist durch die Märkte und die Notenbanken vorgegeben“, erläutert Peter Krejci, Private Banking Berater der Oberbank Salzburg. „Die Staaten in Europa, insbesondere die südlichen Staaten sind zu sehr verschuldet, dass sie sich hohe Zinsen leisten könnten – und darauf reagiert die Europäische Zentralbank mit einem niedrigen Leitzinssatz, wodurch auch die Zinsen für Einlagen auf Sparbücher oder für Anleihen bescheiden sind. Auch wenn das Geld scheinbar nominell ein wenig mehr wird, sinkt gleichzeitig die Kaufkraft mit jedem Jahr, da die Inflation höher ist als der Zinssatz. In zehn, 20 oder 30 Jahren kann ich mir viel weniger leisten, wenn die Zinsen so niedrig bleiben.“

Für langfristige Geldanlage: Aktien
Um langfristig Vermögen aufzubauen, sieht Peter Illmer Aktien als Veranlagungsform Nummer 1: „Wichtig ist bei der Veranlagung in Aktien, dass man nicht Gefahr läuft, das Geld kurzfristig zu benötigen. Das Geld muss zur freien Verfügung stehen und man muss auch mittelfristig darauf verzichten können.“
Aktien verheißen höhere Gewinne als manche anderen Formen der Geldanlage. Natürlich ist nicht jede Aktie gewinnbringend, und: Aktienkurse unterliegen Schwankungen. Daher ist es wichtig, langfristig zu investieren. „Der Wert einer Aktie kann selbstverständlich schwanken, dessen muss man sich bewusst sein und das muss man akzeptieren können“, so Peter Krejci. „Jedoch: Wenn ich das Geld erst in zehn Jahren oder mehr benötige, muss ich mir wegen eines eventuellen Auf-und-Abs in diesem oder dem kommenden Jahr keine Gedanken machen. Bei einer Immobilie, in die ich investiert habe, verfolge ich auch nicht monatlich den aktuellen Wert und verkaufe nicht sofort, falls dieser einmal kurzfristig sinkt.“

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Foto: Torbz – stock.adobe.com

Nicht spekulieren, investieren!
„Eine langfristige Veranlagung in Aktien zum Vermögensaufbau oder zur Zukunfts- und Pensionsvorsorge hat nichts mit Spekulieren zu tun. Wichtig ist, möglichst frühzeitig zu beginnen und regelmäßig zu investieren. Eines ist sicher: Der nächste Crash wird kommen – ebenso sicher ist aber, dass danach wieder eine Phase der Erholung eintreten wird. Das ist ganz normal – wer in Aktien investiert, muss nur die nötige Liquidität sicherstellen und die Nerven bewahren“, weiß Peter Illmer.
Die Vorteile eines Investments in Aktien sind den Österreichern und auch den Salzburgern noch nicht ganz ins Bewusstsein gelangt. Allerdings zeigt die Studie der Erste Bank und Sparkassen, dass die Beliebtheit in den vergangenen Jahren gestiegen ist: 28 % der Salzburger investieren mittlerweile in Aktien. „Das ist eine Entwicklung, die absolut notwendig ist“, so Markus Sattel, Vorstandsdirektor der Salzburger Sparkasse. Als Liquiditätsreserve empfiehlt er rund drei Netto-Monatsgehälter am Sparbuch. „Den Rest sollte man so veranlagen, dass die Inflation ausgeglichen ist und am Ende ein Plus übrig bleibt. Und das geht zurzeit nur mit Wertpapieren.“
Als Faustregel gilt grundsätzlich, ein Drittel des Geldes kurzfristig zu veranlagen (Sparbuch) und ein Drittel als festverzinsliche Anleihen. Ein Drittel steht schließlich zur Verfügung für den Aktienkauf, der etwas riskanter ist, dafür aber auch am profitträchtigsten. Und: Je breiter das Aktienvermögen gestreut ist, desto geringer ist das Risiko eines möglichen Verlusts. Für Anleger, die das Risiko möglichst gering halten wollen und regelmäßig kleinere Beträge ansparen, sind auch Investmentfonds eine gute Option. Das Vermögen, das sich in diesen Fonds befindet, wird von Fondsmanagern auf lange Sicht möglichst gewinnbringend veranlagt, was die Wahrscheinlichkeit auf gute Renditen erhöht.

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Aktie
Ein Wertpapier, das einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft verbrieft und dem Inhaber Vermögens- und Mitspracherechte sichert (Beteiligungspapier). Der Aktienkurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage an der Börse. Gestreute Unternehmensbeteiligungen in dieser Form sind üblicherweise in Summe und langfristig deutlich ertragreicher als das Verleihen von Geld gegen Zinsen.

Anleihe
Forderungs(wert)papier mit genau festgelegten Bedingungen hinsichtlich Verzinsung, Laufzeit und Rückzahlungsverpflichtungen, mit dem die Großschuldner längerfristige Darlehen aufnehmen. Großschuldner sind in der Regel die öffentliche Hand (Bund, Länder, Gemeinden), Unternehmen und Banken.

Investmentfonds
Ein aus Wertpapieren, die nach dem Grundsatz der Risikostreuung ausgewählt sind, bestehendes
Sondervermögen. Es zerfällt in gleiche, in Wertpapieren verkörperte Anteile, steht im Miteigentum der Anteilsinhaber und wird von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet. Fonds können Aktien, Anleihen, oder eine Mischung von mehreren Anlageformen beinhalten.

Quelle: Wiener Börse

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