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Wenn Visionen Realität werden

Der erste große Erfolg seiner Amtszeit als Landesrat war die breite Meinungsbildung und Umsetzung des neuen Wohnbauförderungsgesetzes 2015. Warum ihm dieses Thema persönlich so wichtig ist und welche Visionen er noch realisieren möchte, verrät Hans Mayr im Interview mit der SALZBURGERIN.

Am 1. April tritt die neue Wohnbauförderung in Kraft. Warum ist diese neue Förderung Ihr persönliches Herzensanliegen?

Das ist ein Ergebnis meiner eigentlichen Tätigkeit. Ich war 35 Jahre in der Bank, davon 28 Jahre in leitender Position der Hypo Salzburg. Ich habe unzählige Wohnbauberatungen durchgeführt. Gerade in den letzten Jahren war die Wohnbauförderung völlig weg von den Bedürfnissen der Menschen. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, 500 Förderung im Eigentum zu vergeben. Das Ergebnis waren 200 Wohnungen insgesamt. Der Grund: „Die Ansprüche der Menschen und die Bedingungen im Gesetz  lagen zu weit auseinander “.

Die neue WBF begünstigt Menschen mit geringeren Einkommen durch eine  entscheidende Verbesserung der Wohnbeihilfe und die Senkung der bestehenden Mieten. Im Eigentumsbereich war es notwendig, eine Förderung einzurichten, die viele Menschen in Anspruch nehmen können.

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich auf der Messe bauen+wohnen. Wir hatten dort vier Tage lang einen Beratungsstand eingerichtet, der vom Salzburger Institut für Raumordnung betreut wurde. Ich selbst war jeden Tag dort und habe miterlebt, wie groß das Interesse an der neuen Wohnbauförderung ist.  Über gezählte 500 Beratungen an vier Tagen geben ein deutliches Zeugnis ab.

Können Sie uns in kurzen Worten erklären, was konkret die Änderungen sind?

• Die Hauptänderung ist: Es gibt keine Darlehen vom Land mehr, sondern direkte Zuschüsse.

• Die  Abwicklung ist einfacher. Die Wohnbauförderung zu beantragen, ist ein einmaliger Akt. Bisher war es nötig, dass man jährlich einmal einen Einkommens- und Familiennachweis vorlegt, das entfällt jetzt.

• Startwohnungen für junge Menschen! Man möchte aus dem elterlichen Haushalt ausziehen und braucht eine günstige Wohnung. Die hat es bisher am Markt nicht gegeben. Die Wohnung braucht nicht groß oder luxuriös zu sein, die muss nur günstig sein. Diese gibt es zukünftig am Markt. Kleine Wohnungen, die besonders gefördert werden.

• Selbstbestimmtes Leben im Alter. Jemand hat ein Haus oder eine Wohnung, möchte das Bad umbauen, braucht einen Treppenlift, muss die Türen verbreitern etc.  Für solche Maßnahmen gibt es zukünftig 15.000 Euro pro Wohnung. Das sind die Highlights der neuen Wohnbauförderung.

Wie wirkt sich die WBF neu auf das Mietniveau aus?

Für 19.000 bestehende Wohnungen wird es in den nächsten Jahren Mietenzinssenkungen geben. Die Einstiegsmieten sind in den ersten zehn Jahren bis zu 70 Prozent gestiegen. Zukünftig ist die Einstiegsmiete etwas höher. Dafür steigt die Miete jährlich nur noch um 2 Prozent.

Eine große Preisdämpfung erwarte ich mir von einer Novelle zum Raumordnungsgesetz. Es gibt Tausende Wohnungen in Stadt und Land Salzburg, die leer stehen. Wenn ich die auf den Markt bringe, kommt automatisch ein Druck auf die Preise nach unten.

Gibt es dazu schon konkrete Maßnahmen?

Meine persönliche Einstellung dazu: „Wenn eine Wohnung leer steht, oder wenn ein Baugrund nicht genutzt wird, bedeutet das für den Wohnungsmarkt eine Enthaltung der beiden Ressourcen. In einer 90-Quadratmeter großen Wohnung könnten z. B. vier Menschen leben.

Eine Kommune erhält vom Bund einen Finanzausgleich pro Einwohner.

Wenn eine Wohnung leer steht, hat das Folgen auf die Infrastrukturkosten durch Entgang von anteiligen Kanal- und Wasserbeiträgen. Im Fall des Leerstandes müsste man dem Besitzer diese Kosten jährlich in Rechnung stellen. Die momentane Tendenz ist, das Grundbuch mit dem Sparbuch zu verwechseln.

Wenn die Besitzer einen  Obolus zu leisten haben, weil Wohnungen leer stehen oder gewidmete  Baugrunde nicht nutzbar sind,  dann wird das einen Mobilisierungseffekt haben.

Welche konkreten Themen und Projekte liegen Ihnen darüber hinaus am Herzen?

Natürlich der Verkehr! Das ganz große Thema ist die EUREGIO-Bahn. Nach dem Modell der Stadt Karlsruhe möchten wir in Salzburg eine Kombination aus U-Bahn, Straßenbahn und S-Bahn bauen.

Wir haben ein Jahr lang an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet und mögliche Routen ausgelotet. Die ideale ist jetzt gefunden, die wir, die Salzburger Landesregierung, der Euregio-Raum, (Bayern, Traunstein, Berchtesgaden), Oberösterreich und die Stadt Salzburg, gemeinsam umsetzen wollen.

Geplant ist eine unterirdische Strecke vom Lokalbahnhof bis zum Mirabellplatz und in Folge unter der Salzach bis in die Altstadt hinein. Ausstiegsstellen sind am Mirabellplatz, links und rechts von der Salzach, Kapitelplatz, Kajetaner-
platz, am Unipark Nonntal vorstellbar. Die Weiterführung erfolgt bis in zur  Akademiestraße. Von da ab wird die EUREGIO Bahn zweispurig und oberirdisch, entlang der Alpenstraße verlaufen. Eine einspurige Bahn führt weiter bis zur Endstation am Bahnhof Hallein.

Von welchem Zeitraum sprechen wir da?

Von insgesamt ca. zehn bis zwölf Jahren. Wobei Planungs- und Realisierungszeitraum je die Hälfte an Zeit in Anspruch nehmen werden.

Das heißt, in zehn bis zwölf Jahren könnte die EUREGIO Bahn bis Hallein fertiggestellt sein. Die Kosten für diese Strecke bis Hallein liegen bei ca. 535 Millionen Euro.

Geplant ist ein innerstädtischer Fünf-Minuten-Takt. Das wird große Auswirkungen auf den Auto-Straßenverkehr haben und die Stadt entlasten.

Was über Jahrzehnte eine Vision war, scheint jetzt notwendige Realität zu werden.

Ihre Beliebtheitswerte sind in den Umfragen stark gestiegen – Ihre Partei, das Team Stronach hingegen, bringt es bei der Sonntagsfrage gerade noch auf ein Prozent. Wie wird es weiter gehen?

Mein Ziel ist es, dass sich unsere Partei so entwickelt, dass wir weitermachen können. Als das Team Stronach begonnen hat, hatten wir mit dem Parteigründer Frank Stronach einen Mann mit Idol-Charakter. Heute ist dieses Idol für die Partei Geschichte.

Jetzt zählt unsere Arbeit, darauf aufbauend müssen wir unsere Ziele und unseren Auftritt formulieren. Die Gruppe in Salzburg ist sehr kompakt, wir sind eine starke Einheit. Wir stellen die handelnden Personen in den Fokus. Und dann stellt sich die große Frage: Was wollen die Bürger? Eine Partei wählen oder Menschen wählen, die sich für dieses Land einsetzen.

Doris Thallinger

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