Ph.-Nicola-Allegri-(34)

Wenn Träume wahr werden

Don Giovanni – oftmals als „Oper aller Opern“ bezeichnet – hat bei den Salzburger Festspielen Tradition. Im Jahr 1922 war es die erste Oper, die gespielt wurde.  Auch 2016 steht sie auf dem Spielplan. Der Donna Anna leiht Carmela Remigio ihre Stimme.
Ein Artikel von Marion Flach
Fotos: Nicola Allegri

Fotos: Nicola Allegri

Der „Don Giovanni“ aus dem Jahr 2014 war ein Publikumserfolg. In den Kritiken allerdings waren die Aufführungen umstritten. Die kritischen Stimmen scheinen ihre Wirkung gehabt zu haben: Jene Partien, die am heftigsten kritisiert wurden, sind jetzt neu besetzt, darunter die musikalische Leitung, Don Ottavio, Donna Elvira, Il Commendatore sowie die Donna Anna.

Als Donna Anna ist in diesem Jahr die charismatische Italienerin Carmela Remigio zu hören, die als ausgewiesene Mozart-Spezialistin gilt. „Es war für mich sehr emotional, als ich erfahren habe, dass ich in Salzburg singen werde. Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht.“ Vor allem die Atmosphäre und die Teilnahme der ganzen Stadt am künstlerischen Leben fasziniert sie hier.

Zu Hause fühlt sich Carmela aber nicht nur in Salzburg. Auch die Musik Mozarts selbst hat für die schöne SoprPh.-Nicola-Allegri-(51)anistin etwas Heimeliges: „Ich singe gerne auch anderes Repertoire: Stravinsky, Gounod, Monteverdi. Aber immer, wenn ich zur Musik Mozarts zurückkehre, die ich schon studiere, seit ich ein kleines Mädchen bin, fühle ich mich zu Hause.“ Die Rolle der Donna Anna ist eine Konstante in ihrem künstlerischen Leben, die sie auch schon seit Kindertagen fasziniert. „Ich habe diese Rolle schon vielfach gesungen. Es ist eine Rolle, die ich immer noch liebe, weil ich die Persönlichkeit so ambig und faszinierend finde.“ Die Donna Anna beschreibt Carmela als eine Frau, die ihre Gefühle nicht erklärt und nicht darüber spricht. Gleichzeitig hat sie aber große Empfindungen, die sie unterdrückt. „Sie scheint immer kontrolliert zu sein, im Inneren aber brennt ein Feuer, ein Vulkan.“

Dass es sich bei dieser Don Giovanni-Aufführung um eine Wiederaufnahme handelt, macht für Remigio keinen Unterschied. „Jede Künstlerin gibt der Rolle ihre eigene Identität, die sie zusammen mit dem Regisseur und dem Musikdirektor entwickelt. So entsteht immer etwas an-deres.“ Die Produktion gefällt der schönen Sopranistin aber sehr gut. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der kontrastreiche Charakter der Donna Anna herausgestellt wird. „Inneres Feuer, leidenschaftlich aber gleichzeitig völlig kontrolliert – das ist diese Frau.“

Die Rolle der Kritiker, die in Salzburg vielleicht auch zu einer Umbesetzung geführt haben, findet Carmela Remigio spannend. Vor allem die Auseinandersetzung damit war und ist für sie interessant. „Natürlich ist positive Kritik angenehmer als negative. Aber gerade negative Kritik erlaubt dir, zu wachsen. In diesem Sinn ist Kritik sehr wichtig.“ Sie selbst hat erst unlängst den prestigereichen „Premio Abbiati dell‘ Associazione Critici Musicali Italiani“ erhalten. Gespannt darf das Publikum also allemal sein – auf eine wunderschöne Donna Anna und auf die Kritiken, von
denen Künstler – und Publikum – lernen können.

Don Giovanni

Die Uraufführung der Oper fand 1787 in Prag statt. Das Libretto zur Erfolgsoper stammt von Lorenzo da Ponte, der für den Text auf eine im Jänner 1787 aufgeführte Oper zurückgegriffen hatte. Don Giovanni selbst ist ein faszinierender und gleichzeitig skrupelloser Verführer aus Sevilla. Moral und Verantwortung sind für ihn unbekannte Größen.

Donna Anna ist die tragische Frauengestalt: Obwohl mit einem anderen Mann – dem Komtur – verlobt, verfällt sie Don Giovanni. Dieser tötet jedoch ihren Vater im Zweikampf. Dabei ist der Komtur eigentlich der Gegenspieler des Don Giovanni: Inbegriff von Sitte und Gerechtigkeit. Damit steht Donna Anna also nicht nur zwischen den Fronten, sondern befindet sich mitten im Gefühlschaos.

Carmela Remigio wurde 1973 im italienischen Pescara geboren. Nach dem Gewinn des Internationalen Luciano Pavarotti-Gesangswettbewerbs im Jahr 1992 debütierte sie als 19-Jährige am Teatro Massimo in Palermo. Ihre Opern- und Konzerttätigkeit hat Carmela bereits an die bedeutendsten Bühnen der Welt – wie etwa die Carnegie Hall in New York, die Mailänder Scala, Covent Garden in London oder nach Italien, Japan, Frankreich und die USA – geführt.

Neben Barockopern und Rollen wie Verdis Violetta oder Puccinis Mimì zählen alle großen Mozart-Rollen zu ihrem Repertoire. Ihr Salzburger Debüt gab die schöne Italienerin bereits 2001 im Falstaff. Als einer ihrer größten Förderer gilt Claudio Abbado († 2014), unter dessen musikalischer Leitung sie 1997 erstmals die Donna Anna sang.

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