Wenn lieben weh tut…

kolumne andrea hammerer

Sie zählen sicher ein Paar zu Ihrem Freundeskreis, das eine On-Off-Beziehung führt. Bedingungslose Liebe wechselt mit Abwertung des anderen und Verzweiflung. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass einer der beiden immer wieder das gleiche Drama inszeniert und mit jedem Partner oder Freund in dieselbe Falle tritt? Gefühlsexzesse, Verletzungen und endlose Diskussionen, wo es scheinbar nur um Rechthaberei geht, prägen die Beziehung. Es gibt nur Schwarz oder Weiß, Sieg oder Niederlage. Nun, dann haben Sie es vielleicht mit einem Menschen zu tun, der an einer Borderline-Störung leidet. Vergessen Sie’s, ihn/sie heilen zu wollen. Vergessen Sie, auf der sachlichen Ebene zu diskutieren, denn das Ergebnis wird immer sein: SIE müssen sich entschuldigen für etwas, was er/sie Ihnen angetan hat, SIE müssen Ihre Gefühle zurückstecken, denn der andere ist tatsächlich zutiefst verletzt, weil er etwas nicht ertragen kann – an irgendetwas schuld zu sein. Dagegen kämpft der Borderliner wie ein Löwe. Was man als Partner oder auch Elternteil verstehen lernen muss, ist, dass der Betroffene wirklich extreme und nicht bloß gespielte Gefühle hat, die er nicht bewältigen kann. Das kann soweit gehen, dass er sich selbst verletzt: zu viel Alkohol, Drogen, extremes, gefährliches Verhalten zählen dazu. Er spürt sich sonst nicht. Das Motto des Betroffenen ist: Ich hasse dich, verlass mich nicht! So empfindsam, einfühlsam und charismatisch der Borderliner sein kann, so eifersüchtig, intrigant und gefährlich kann er sein, wenn er sich nur im Ansatz ungeliebt oder unverstanden fühlt. Sachlich über die Ursachen seines Verhaltens zu diskutieren, lohnt sich nicht, es macht es nur schlimmer. Was hilft – wenn Sie die Geduld aufbringen können – ist, bei jeder Unstimmigkeit zuerst das Gefühl ansprechen, denn das versteht er. Wenn man das Gespräch z.B. damit beginnt: ‚Es tut mir sehr leid, dass du so aufgebracht bist‘, ‚Ich spüre, dass dich das jetzt sehr traurig gemacht hat‘, ‚Ich würde jetzt gerne selber darüber nachdenken und mich sammeln, damit wir das gemeinsam schaffen‘, ‚Ich bin bei dir‘ – dann erreichen Sie ihn dort, wo das Epizentrum liegt, in seiner immensen Verlustangst, die er zu bekämpfen versucht, indem er um sich schlägt. Sie sollten sich aber auch damit auseinandersetzen, ob es wirklich Liebe ist, warum Sie nicht einfach gehen, sondern eine entsprechende Abhängigkeit Ihrerseits zulassen, die wie Yin und Yang einander bedingen.

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