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Wenn der Klapperstorch ausbleibt…

Je länger man wartet, desto schwieriger wird es! Schwangerwerden bedarf oft medizinischer Nachhilfe. Methoden moderner Reproduktionsmedizin geben Hoffnung, wären jedoch zum Teil hinfällig, wenn man rechtzeitig an die Familienplanung denkt.
Ein Artikel von Susanne Rosenberger

Tendenziell gehen Frauen heute zuerst ihrer Ausbildung nach und kümmern sich im Anschluss um ihre berufliche Laufbahn und die Existenzabsicherung, wodurch sich das Kinderkriegen automatisch in einen späteren Lebensabschnitt verschiebt. Dieser Balanceakt zwischen Karriere und Kinderkriegen wird jedoch immer mehr Paaren zum Verhängnis. Aktuell am Buchmarkt erschienen ist ein Ratgeber von Univ.-Prof. Dr. Wilfried Feichtinger, international renommierter Reproduktionsmediziner, und der Wissenschaftsjournalistin Eva Stanzl zum Thema „Kinderwunsch und Lebensplan. Chancen & Grenzen der Reproduktionsmedizin“. Die Autoren zeigen auf, dass beim Kinderkriegen eine Entscheidung für „später“ oft „zu spät“ sein kann und beleuchten dabei die Gründe für Kinderlosigkeit.

Foto: Khunatorn - stock.adobe.com

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Ablaufdatum Fruchtbarkeit
Europäische Frauen sind heute laut Statistik Austria im Durchschnitt beim ersten Kind 29 Jahre alt. Auch eine 35- oder 40-jährige Erstgebärende fällt heutzutage nicht mehr aus dem Rahmen. Statistiken zeigen deutlich, dass bei Frauen ab einem Alter von 30 Jahren die Fruchtbarkeit allmählich zu sinken beginnt. Mit Anfang 40 liegt die Chance auf eine Schwangerschaft innerhalb eines Jahres nur noch bei fünf bis zehn Prozent, da sich der Eizellenvorrat langsam dem Ende zu neigt und die Eierstöcke allmählich die Tätigkeit einstellen. Selbst bei jungen Paaren liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei nur 25 % pro Monatszyklus – nämlich dann, wenn sie den optimalen Zeitpunkt der weiblichen Fruchtbarkeit erwischen und dabei die besten Ei- und Samenzellen aufeinandertreffen.

Ursachen für Sterilität
Eine Sterilität, auch Unfruchtbarkeit genannt, liegt nach medizinischer Definition dann vor, wenn nach über einem Jahr bei regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt. Statistisch gesehen ist jedes sechste Paar, also knapp 15 % der Paare weltweit, davon betroffen. Zehn Prozent der Paare werden erst nach zwei Jahren schwanger, drei bis vier Prozent bleiben dauerhaft ungewollt kinderlos.
Dabei teilen sich die Ursachen für Sterilität – mit jeweils 40 % – zu gleichen Teilen auf den Mann und die Frau auf, in 20 % der Fälle liegt es an beiden Partnern. Um die genauen Gründe für eine Sterilität bei einem Paar abzuklären, sollten daher drei Einflussfaktoren untersucht werden: die Qualität der Spermien (Spermiogramm), die Durchgängigkeit der Eileiter und der Hormonstatus der Frau (Hormontest).

Foto: Kzenon - stock.adobe.com

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40 Jahre Reproduktionsmedizin
Die Geburt vom ersten Retortenbaby Louise Brown im Jahr 1978 gilt als Beginn der modernen Reproduktionsmedizin, 1982 wurde das erste österreichische IVF-Baby gezeugt. Die Behandlungsmethoden der medizinisch unterstützten Fortpflanzung wurden über die Jahrzehnte stetig erweitert und bieten heute ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.
2015 wurde das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) in Österreich maßgeblich novelliert, seither ist auch die Eizellspende erlaubt, die Präimplantationsdiagnostik wurde liberal geregelt und die Verwendung von Fremdsamenspende – auch für lesbische Paare – für alle Formen der künstlichen Befruchtung zugelassen. Vom Gesetzgeber ausgeschlossen ist in Österreich immer noch eine Samenspende für alleinstehende Frauen, da ein Kind das Recht auf beide Elternteile hat und die künstliche Befruchtung hierzulande nur in einer Ehe, eingetragenen Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft gesetzlich zugelassen ist.
Auch die Leihmutterschaft ist in Österreich immer noch strikt verboten. Was in Amerika bereits zum Lifestyle gehört, wird mit „Social Egg Freezing“ bezeichnet und umfasst das Einfrieren von jungen Eizellen, um der biologischen Uhr der Frauen entgegenzuwirken und eine Schwangerschaft in späteren Jahren zu ermöglichen – eine Methode, die in Österreich nur bei medizinischen Indikationen, z.B. bei Chemotherapie erlaubt ist.

Wer trägt die Kosten?
Der IVF-Fonds, eine vom Staat finanzierte Unterstützung für In-vitro-Fertilisation, wurde im Jahr 2000 eingerichtet und übernimmt für kinderlose Paare unter bestimmten Voraussetzungen (medizinische Indikation wie Endometriose, PCO-Syndrom oder Sterilität beim Mann; aufrechte Ehe oder eingetragene Partnerschaft, Altersgrenzen) 70 % der Kosten für Fertilitätsbehandlungen (höchstens vier Versuche), das behandelte Paar trägt einen Selbst-behalt von 30 %. In Österreich wurden laut „IVF-Register Jahresbericht 2017“ im Jahr 2017 insgesamt 10.152 IVF-Behandlungen durchgeführt, 760 davon im Bundesland Salzburg.

Plädoyer für frühe Schwangerschaft
„Vorbeugen ist besser als Heilen“, so das Plädoyer der beiden Autoren Dr. Wilfried Feichtinger und Eva Stanzl an Menschen mit Kinderwunsch. Die Autoren geben uns den Denkanstoß, die Familienplanung besser früher als später anzugehen. Auch wenn uns die zur Verfügung stehenden medizintechnischen Möglichkeiten auch in fortgeschrittenem Alter noch Hoffnung geben, ist es einfacher, rechtzeitig auf natürlichem Weg Kinder zu bekommen. Dadurch erspart man sich komplizierte medizinische Prozeduren, hohe Kosten sowie Momente des Bangens und der Enttäuschung.

Zum Weiterlesen:

Mehr zum Thema finden Sie in
„Kinderwunsch und Lebensplan. Chancen & Grenzen der Reproduktionsmedizin“
von Wilfried Feichtinger
und Eva Stanzl (ORAC Verlag, 192 Seiten, € 19,90)

Experteninterview

Die Babywunsch-Klinik Dr. Zajc GmbH hat Anfang November das neue Betriebsgebäude an der Bundesstraße in Wals bezogen und offiziell eröffnet. Zu diesem Anlass führte DIE SALZBURGERIN ein Gespräch mit Prim. Dr. Michael Zajc, Ärztlicher Leiter und GF, und Dr. Christina Wilhelm
Foto: Babywunsch-Klinik

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Welche zusätzlichen Annehmlichkeiten können Sie in den neuen funktionsoptimierten Räumlichkeiten anbieten?
Wilhelm: Der Hauptvorteil ist sicher eine deutlich verbesserte Privatsphäre sowie weitere Annehmlichkeiten durch die Tiefgarage etc. Das medizinische Angebot bleibt das selbe, da wir aufgrund der umfassenden Qualitätssicherungsmaßnahmen, die wir durchführen, ohnehin laufend auf dem neuesten Stand der Medizin und Technik arbeiten.

Sie decken ja das gesamte Spektrum der modernen Fortpflanzungsmedizin ab. Worauf legen Sie in Ihrer Arbeit besonderen Wert?
Zajc: Selbstverständlich ist die Schwangerschaftsrate wichtig für ein Institut, letztendlich erkennt man die Qualität eines Instituts an der guten Betreuung und Beratung, an einem hohen Qualitätsmanagement und an einer guten Erfolgsrate in Verbindung mit einer niedrigen Mehrlingsrate.
Wilhelm: Wir versuchen nach Möglichkeit, im natürlichen Zyklus zu bleiben, wenn die Chance auf eine natürliche Schwangerschaft besteht und gehen erst dann Schritt für Schritt in Richtung IVF-Behandlung. Dabei sind wir sehr stolz darauf, dass wir unseren Patientinnen 365 Tage im Jahr alle Behandlungen samt Labor anbieten und somit auf alle Eventualitäten und Individualitäten eingehen können.

Es gibt ja bei Ihnen jeden 1. Dienstag im Monat – nach Anmeldung – die Möglichkeit, einen kostenlosen Informationsabend zu besuchen. Wie kann man sich den Ablauf vorstellen?
Zajc: Einer von uns vier Fachärzten hält einen halbstündigen Vortrag. In der Kleingruppe wird über das ganze Spektrum der Möglichkeiten gesprochen, über den Fonds und die gesetzliche Lage. Im Anschluss können die Behandlungsräume besichtigt werden. Während des gesamten Abends können alle persönlichen Fragen und Anliegen besprochen werden.

Ihnen scheint das Thema „Awareness“ (Bewusstsein) recht wichtig zu sein. Was raten Sie Frauen mit eindeutigen gynäkologischen Prognosen?
Zajc: Bei uns können auch junge Frauen, die mit gynäkologischen Diagnosen wie Endometriose oder PCO konfrontiert werden, durch genauere Untersuchung ihren Zustand der Fertilität abklären lassen. Man muss sich über den Status bewusst sein und darf die Tatsachen nicht verdrängen! Als zweite Gruppe wollen wir Frauen in einem Alter von 32-35 Jahren ansprechen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich schwanger zu werden, aufgrund des Alters kontinuierlich abnimmt. Wir raten dazu, bereits nach längstens sechs Monaten ein Fachzentrum aufzu-suchen, wenn es mit dem Kinderkriegen nicht klappt.

Reproduktionsmedizinische Methoden der Diagnostik und Behandlung:

  • Spermiogramm: Untersuchung der Spermien auf ihre Qualität
  • Hysterosalpingo-Kontrastmittelsonografie (HyKoSo): Ultraschallmethode zur Untersuchung der Durchgängigkeit der Eileiter
  • „Verkehr zum Optimum“ (VZO): Geschlechtsverkehr an den richtigen Tagen mittels Ermittlung der VZO-Zyklen, Blutabnahme und Ultraschall
  • Insemination: Übertragung des männlichen Samens in den Genitaltrakt der Frau
  • Follikelpunktion (Eizellentnahme): Entnahme von Eizellen aus den Eibläschen mittels einer Punktionsnadel
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Künstliche Befruchtung, Vereinigung von Ei- und Samenzelle außerhalb des Mutterleibs
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Künst-liches Einbringen eines Spermiums in die Eizelle
  • Embryonenselektion: Verfahren zur Untersuchung künstlich befruchteter Eizellen
  • Eizellspende: Die Eizelle einer fremden Frau wird mit dem Spermium des Partners befruchtet und der Patientin anschließend eingesetzt.
  • Präimplantationsdiagnostik (PID): Einzelne befruchtete Eizellen werden entnommen und genetisch untersucht, um mögliche Erbkrankheiten auszuschließen.
  • Kryokonservierung: Einfrieren von Embryonen, Eizellen oder Samenzellen

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