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Wenn aus Sanftmut Härte wird

Als Kämpfernaturen geboren, leben vier junge Salzburgerinnen ihre sportliche Leidenschaft aus. Rund um den Globus! Alisa Buchinger, Edines Salkic, Sabrina Seidl und Christin Fiedler verraten der SALZBURGERIN ihre Träume und Ziele, ihre geheimen Wünsche und ihre hausfraulichen Qualitäten.

Auf den ersten Blick sind Salzburgs Power-Ladies die Sanftmut in Person. Doch wehe, wenn sie los gelassen – im Boxring oder auf der Kampfmatte. Dann sind Karate-Ass Alisa Buchinger, Ringerin Sabrina Seidl, Taekwon-Do-Kämpferin Edines Salkic und Thai-Boxerin Christin Fiedler knallharte Fighterinnen, die mit ihren Gegnerinnen kein Erbarmen kennen. Aber: „Je härter der Sport, umso größer sind Respekt und Wertschätzung für die Gegnerin“, meint etwa Christin Fiedler, die Thai-Boxen nicht als „aggressiven Sport“ sehen will, sondern als „die Mutter vieler Kampfsportarten, die viel mit Ritualen, Tradition und Disziplin zu tun hat.“ Und die 29-Jährige nennt dafür ein Beispiel: „Jeder Fight beginnt mit dem Kampftanz Wai Khru, der die Wertschätzung vor der Gegnerin, deren Trainer, dem Kampfort sowie der eigenen Familie ausdrückt.“

Wie ist denn die gebürtige Grazerin, die in Puch aufgewachsen ist, aus einer Lehrer-familie stammt und selbst ausgebildete Kindergärtnerin ist, mit dem Box-Virus infiziert worden? „Das ist passiert während meiner einjährigen Zeit als Au-Pair in Irland. Ich bin ein Wettkampftyp, und da hat mich Kick-Boxen fasziniert. Ich bin sogar irische Meisterin geworden“, erzählt Fiedler. Und warum ist sie vor sechs Jahren zur Thai-Boxerin mutiert?“ Weil es wesentlich mehr Körperwaffen gibt als beim Kick-Boxen. Wir schlagen mit den Ellbogen, dem Knie, und es gibt Kicks auf die Beine. Da muss die körperliche Fitness schon auf einem sehr hohen Niveau sein.“

„Mein Trainer sagt,

ich bin der Terminator“

Wie stimmt sie sich auf einen Fight ein? „Durch mentales Abschalten, Atemtechniken und Musik. Ich muss oft gegen Russinnen kämpfen, dann höre ich vorher russischen Rap.“

Wie schätzt sie persönlich ihre größten Stärken ein? „Knieschläge gegen Kopf oder Körper und der Infight – obwohl ich eine der Kleinsten bin in der Klasse bis 56 Kilo.“ Wie sagt ihr Trainer Roland Schwarz, zugleich ihr Lebensgefährte, zu ihr? Christin lacht: „Er sagt immer, ich bin der Terminator.“ Hat sie ihr Repertoire an körpereigenen Waffen schon einmal im Privatleben einsetzen müssen?“ Die charmante Gesprächspartnerin schüttelt den Kopf und sagt: „Nein. Ich denke, man sieht es mir an, dass ich mich zu wehren weiß.“ Stimmt! Allein mit ihrer Körpersprache drückt Fiedler großes Selbstbewusstsein aus, das sie als Trainerin im RS-Gym in Wals-Siezenheim Kindern und Frauen im „Girls Fight Club“ vermitteln will. Ein Jahr lang war die Thai-Boxerin auch im Frauenhaus in Hallein engagiert, und ein Erlebnis hat sich besonders eingeprägt. „Ein pakistanisches Mädchen, das nach einer Vergewaltigung schwer traumatisiert war, hat durch das Training an Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit gewonnen. Ihr Dankeschön war mir viel mehr wert als Geld.“

Während wir über ihre sportlichen Ziele plaudern, hantiert Christin Fiedler mit ihrem iPhone und stoppt bei einem speziellen Erinnerungsfoto: Es zeigt sie bei der WM-Eröffnungsfeier im Mai 2014 in Malaysia – im Dirndlkleid! Die Asiaten waren sichtlich entzückt. „Ja, seither kennen mich alle. Wir haben dann noch Mozartkugeln verteilt, das war beste Werbung für unser Land.“ Sportlich lief es weniger gut, Fiedler ist in der Vorrunde ausgeschieden. Ihr bisher größter Erfolg war WM-Bronze 2012 in St. Petersburg. „Ja, das war die erste WM-Medaille für Österreich in der Allgemeinen Klasse, darauf bin ich schon sehr stolz.“ Doch nicht genug damit: Christin will Weltmeisterin werden!

Und wer kocht daheim? „Mein Freund Roland, er achtet auch auf die richtige Ernährung.“ Ihr Lieblingsessen: „Spiegeleier mit Kernöl.“  Ihr Geld verdient sie als Trainerin, um sich ihr „relativ teures Hobby“ finanzieren zu können – denn Förderung gibt es keine. „Ein Sponsor“, meint Fiedler, „wäre natürlich ein Traum.“ Ein geheimer Wunsch der Thai-Boxerin, die am liebsten nach „Chanel Chance“ duftet: „Ein Dirndlkleid von Trachten Stassny.“

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er optische Gegenpol zur blonden Christin Fiedler ist die dunkelhaarige, 1,80 m große Edines Salkic, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Kurtovic.  Die 22-Jährige, in Salzburg geborene Sportlerin mit bosnischen Wurzeln hat im Dezember 2013 geheiratet und ist, wie Alisa Buchinger, als Sportsoldatin im Dienstrang eines Korporals im HSZ in Rif stationiert. Sie muss täglich um 6 Uhr aufstehen, um rechtzeitig um 7.30 Uhr zur Standeskontrolle im Heeressportzentrum zu erscheinen, ehe das Training (drei Stunden am Vormittag, zwei Stunden abends) startet. Das heimische Aushängeschild im Taekwon-Do ist eine Salzburger Hoffnung für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. In den Rio-Kader des Österreichischen Olympischen Comitees (ÖOC) ist die für Oberndorf kämpfende Edines Salkic bereits aufgenommen worden, doch leider hat sie heuer Ende Februar in Las Vegas einen Rückschlag erlitten: Riss des hinteren Kreuzbandes im rechten Knie. „Chirurg Peter Lechenauer hat aber von einer Operation abgeraten“, erzählt Salkic, die im November ein Comeback feiern will. Sie kann es kaum noch erwarten, wieder zu kämpfen. Sie gibt auch offen zu, dass sie es genießt, „wenn ich auf der Matte stehe und alle auf mich schauen.“ Da vergisst man dann auch die eine oder andere schmerzhafte Blessur. „Ja“, meint Salkic, „ohne blaue Flecken geht es nie ab.“

„Aber wehren würde

ich mich schon.“

Ihre Vorzüge beschreibt sie so: „Ich habe eine gute Kraft, ein gutes Auge und sehe daher schnell, ob ich die Gegnerin oben oder unten kicken möchte.“ Was macht sie in der Freizeit? „Ich gehe gerne ins Kino und, was jede Frau gerne tut, shoppen.“ Bevorzugtes Parfum: Dolce Gabbana. In der Küche lässt sie ihre kreative Ader einfließen. „Ja, beim Kochen probiere ich immer was Neues aus.“ Eines ihrer Lieblingsgerichte: Garnelen-Ruccola-Spaghetti!

Ihre größten Erfolge – Silber bei den U-21-Europameisterschaften, Silber bei der Militär-WM – möchte Edines Salkic noch toppen. Bei der WM 2015 in Russland oder bei Olympia 2016. Was sie jetzt schon weiß: Nach Rio ist Schluss mit Taekwon-Do, dann will sie sich ihren Berufstraum erfüllen: „Ich will Polizistin werden, das war schon immer mein Wunsch“, verrät Edines, die sich, wie im Sport, einer „besonderen Herausforderung“ im Polizeidienst stellen will. „Eventuell mit Hunden“, sagt sie. Vorläufig ist ein zwei Monate alter Golden Retriever ihr vierbeiniger Begleiter. Und was noch geplant ist im Hause Salkic vor dem Eintritt in die Polizeischule: Die Hochzeitsreise, für die im Dezember die Zeit gefehlt hat, wird nachgeholt! Zum Glück, sagt Edines Salkic, hat sie im Privatleben noch nie das Horrorszenario  einer körperlichen Attacke erlebt. Wie sie wohl reagierte? „Schwer zu sagen, kommt auf die Situation an. Aber wehren würde ich mich schon.“

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ie 2. Klasse Hauptschule ist zum sportlichen Schicksal für Sabrina Seidl geworden. Denn Hannes Lienbacher, ihr damaliger Klassenvorstand, war ein Amateurringer, wie so viele „g`standene“ Männer in Österreichs Ringer-Hochburg Wals. Die 19-Jährige erinnert sich: „Wir haben outdoor trainiert, dann mal in der Ringerhalle. Ich habe das ganz witzig gefunden und mir gedacht: Ja, das Ringen könnte gut zu mir passen.“ Es hat Sabrina auch nicht gestört, dass sie nur mit den Buben trainiert hat. Das Training ist so intensiv geworden, dass die junge Freistil-Ringerin nicht einmal die Zeit gefunden hat, um eine Tanzschule zu besuchen. „Sollten Beni und ich mal heiraten, dann müsste ich wohl einen Walzer lernen“, sagt Sabrina, die ihren Lebensgefährten Beni als großes sportliches Vorbild bezeichnet. Beni heißt mit vollem Namen Benedikt Puffer und ist, logo, Ringer beim AC Wals. Gibt es noch ein Vorbild für dich? „Ja, Marcel Hirscher bringt schon tolle Leistungen, er imponiert mir sehr.“

„Ich denke, dass ich

mental recht fit bin.“

Was reizt Sabrina Seidl an einer Sportart, die mit Schmerzen und Entbehrungen verbunden ist – denn vor jedem Turnier muss sie von ihrem Normalgewicht (63 kg) auf 59 kg abtrainieren. Oder, besser gesagt, sie muss Hunger leiden und soll dabei keine Substanz verlieren. Eine Gratwanderung. Sabrina, was fasziniert dich an diesem harten Sport? „Es gefällt mir, dass man im Ringen vielseitig sein muss. Es erfordert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Technik. Das Gesamtpaket muss passen,  um für alles gewappnet zu sein, was im Kampf passieren kann.“ Deine größte Stärke? „Ich denke, dass manche Ringerinnen mental die vollen Probleme haben. Und ich bin psychisch recht fit“, was die Maturantin am Sport-BORG in Salzburg mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Kadetten-Europameisterschaften 2012 in Kattowitz schon bewiesen hat. Mentale Kraft tankt sie auch bei Spaziergängen mit ihrer fünfjährigen Havaneser-Hündin Emma.

Am 1. September 2014 hat für die 19-Jährige ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Weil sie das HSZ in Rif nach einem Jahr verlassen musste, hat sie eine Lehre in der Borromäus-Apotheke in Salzburg-Parsch begonnen. Das ist ihr Metier. Und wie ist es um die hausfraulichen Qualitäten bestellt? Sabrina ist ehrlich und meint: „Ich lasse mich lieber von der Mama und vom Beni bekochen.“ Bevorzugt mit Speisen aus der italienischen Küche. Sportlich befindet sich die Ringerin bereits in der Aufbauphase für 2015. Ins Förderprojekt der Landessportorganisation (LSO) für Rio 2016 ist Seidl zwar aufgenommen worden, eine Qualifikation für Olympia käme allerdings einem kleinen Sportwunder gleich.

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alzburgs Power-Lady Nummer eins ist Alisa Buchinger! Sie hat ihren Namen schon weltweit bekannt gemacht. Denn die Triumphe der 21-jährigen Musterschülerin von Salzburgs „Mister Karate“, Manfred Eppenschwandtner, sorgen seit Jahren für Furore: Buchinger ist u. a. vierfache Gesamtsiegerin der Premiere League, Vize-Europameisterin in der allgemeinen Klasse und Europameisterin in der U-18- und U-21-Kategorie! 

Als einzige österreichische Sportlerin hatte die damals 20-Jährige in St. Petersburg an den Combat World Games, den Weltspielen der Kampfsportarten, teilgenommen. „Alisa ist eine Ausnahmeathletin, was Technik, Schnelligkeit und Fitness anbelangt“, sagt Trainer Eppenschwandtner. Dafür trainiert sie auch wie besessen. „Oft will ich zu viel. Das ist meine Stärke, aber zugleich auch meine Schwäche“, verrät Alisa. Seit Ende Juli überwachen die Trainer mit einem neuen Pulsgerät die Aktivitäten der Karatekämpferin, die einen Ruhepuls von 42 bis 45 Schlägen pro Minute aufweist. Die aktuellen Daten werden sofort am Computer ausgewertet, die Trainingsintensität exakt darauf abgestimmt.

Alisa, die bereits zur Red-Bull-Sportlerin geworden ist, hat in den vergangenen Monaten auch die Schattenseiten des Sportlerlebens kennen gelernt. Ermüdungsbrüche in beiden Mittelfußknochen haben sie zur Untätigkeit gezwungen.

Am 7. September  hat Buchinger mit Platz zwei beim Premiere-League-Turnier in
Istanbul ein geglücktes Comeback gefeiert. „Dieses Erfolgserlebnis hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben“, sagte sie – und freut sich schon auf das Saison-Highlight, die Weltmeisterschaft vom 5. bis 9. November in Bremen. Denn „Weltmeisterin zu werden“, ist das ganz große Ziel für Alisa Buchinger, in einer Sportart, die noch nicht olympisch ist! Im Olympiajahr 2016 küren die Karateka ihre Champions in Linz. „Bei einer Heim-WM zu gewinnen, wäre natürlich das Allergrößte“, sagt Buchinger, die sich bereits auf die „Karriere danach“ vorbereitet und an der Privat-Uni IFM (Institut für Management) in Salzburg-Leopoldskron studiert. Und sie träumt von einem Job im Bereich Marketing/Management im Red Bull-Konzern.

Alisa privat: Sie kocht gern (Lieblingsessen Steak, Putenfleisch mit Reis und Salat), geht gerne mit Freunden ins Kino, kleidet sich gern modisch und verwendet, je nach Stimmung, einen Duft von Naomi Campbell (At Night) oder von Paco Rabanne (One Million). Und junge Männer, die von der Top-Athletin schwärmen, dürfen sich wieder Hoffnungen machen: Alisa ist Single!

Hans Adrowitzer

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