Wein – mehr als nur Genuss!

Wer über Wein schreibt oder spricht, der konzentriert sich meist auf das edle, alkoholische Getränk und seinen Genuss. Obwohl Wein so facettenreich ist, wie kaum eine andere Flüssigkeit. Wein ist auch ein Wirtschaftsfaktor, ein Zeugnis der Kultur bestimmter Regionen und genau so vielfältig wie die vielen Anbaugebiete dieser Welt. Wein ist ebenso eine Wissenschaft und Kunst, wenn es um seine Produktion geht. Und er ist ganz besonders Ausdruck persönlichen Geschmacks.
 Ein Artikel von René Herndl

Foto: René Herndl

Österreich ist im weltweiten Mengen-Vergleich ein eher unbedeutender Weinproduzent. Nicht jedoch, wenn es um Qualität geht, vor allem bei Weißweinen, die von Kennern rund um den Globus hoch geschätzt und bewertet werden. Das ist nicht nur auf die typisch österreichischen Rebsorten wie den Grünen Veltliner beschränkt, auch weltweit gängige Sorten, etwa Sauvignon Blanc, werden hierzulande in ausgezeichneter Qualität gekeltert. In einer zunehmend auf Eigenständigkeit orientierten Weinproduktion gewinnt nicht nur der Bezug zum Terroir, die Einflüsse von Boden- und Kleinklima wie auch der Witterungs- und Reifeverlauf an Bedeutung. Dementsprechend sind auch die Jahrgangsbewertungen sehr unterschiedlich und je nach Region oft extrem verschieden.

Internationales Angebot – viele Geschmacksrichtungen

Einen großen Einfluss auf das Konsumverhalten haben aber auch Geschmacks-Veränderungen durch die Verfügbarkeit des weltweiten Angebots, das für den „Normalverbraucher“ kaum mehr überblickbar, geschweige denn zu bewerten ist. Deshalb bedient man sich bei der Auswahl auch der Tipps, die von anerkannten Kennern, von Sommeliers mit internationaler Erfahrung ausgesprochen werden. Selbstverständlich spielt aber auch der Preis eine große Rolle, denn schließlich ist ein sicherlich wunderbarer Wein eines exklusiven Weinguts und eines besonders guten Jahrgangs oft kaum mehr erschwinglich. Und eben darum ist der individuelle Geschmack, die ganz persönliche Beziehung zum Weingenuss auch ausschlaggebend für das Trinkverhalten – nicht nur die Eignung als Speisenbegleitung.

Momentan scheinen Weine, die biologisch angebaut und möglichst ohne Zusätze und Eingriffe produziert werden, im Trend zu liegen, wobei aber auch der Verdacht naheliegt, dass hier auch eine Geschmacksnische gesucht und gefunden wurde. Ähnliches gilt für autochthone Rebsorten wie z. B. den österreichischen Blaufränkischen, die viel Potenzial aufweisen. Auch der Reifegrad von Weinen, besonders von Rotweinen, aber auch die Lagerung (wer hat heutzutage noch den richtigen – kühlen und feuchten – Keller zum Lagern?) beeinflussen Geschmack und Geruch (Gaumen und Nase) je nach Rebsorten durchwegs stark. Manche Weine brauchen, um ihre Kraft und all ihre geschmacklichen Feinheiten entwickeln zu können, mehr oder weniger lange Lagerzeiten, andere dagegen sind nur eine gewisse Zeit charakteristisch und perfekt. Wobei selbstverständlich Alkoholgehalt und Lagerungsart ebenfalls wichtige Kriterien sind.

Wein – ein ganz persönliches Erlebnis

Es ist schier unmöglich, das Thema „Wein“ auch nur ansatzweise umfassend zu besprechen (dazu gibt es für Interessenten ausreichend Fachliteratur), aber auch als bescheidener Weingenießer sollte man wissen, dass ein Vergleich, etwa mit ausländischen Weinen oder nur zwischen einzelnen Regionen, Erlebnisreisen für Gaumen und Zunge sein können. Dafür muss man nicht jede der 59 spanischen oder der zahlreichen italienischen und französischen Weinregionen kennen, auch das manchmal abgehobene Vokabular der „Weinexperten“ ist vernachlässigbar, vielmehr zählt ein bisschen Wissen um Jahrgänge und Rebsorten sowie deren geschmacklichen Eigenheiten. Ob man „Barrique“ mag oder nicht, das entscheidet der indivi-duelle Geschmack, jedenfalls aber macht der Vergleich bei einer oder mehreren Verkostungen bei verschiedenen Händlern oder Weinbauern die Wahl leichter.

P.S.: Der Jahrgang 2015 war in Österreich ein außerordentlich guter und der 16er wird sicher auch recht gut, aber leider mengenmäßig bescheiden ausfallen. Also decken Sie sich rechtzeitig mit einem Vorrat ein, ehe die Preise wegen des knappen Angebots anziehen!

Foto: patronestaff -fotolia.com
Foto: patronestaff – fotolia.com

Wein und Schokolade – eine phantastische Kombination

Wein ist nicht nur ein idealer Speisenbegleiter. Auch Schokolade wird mit und durch Wein ein besonderer Genuss! Schokolade, die je nach Kakaogehalt und der Intensität der geschmacksbestimmenden Zusätze sehr verschieden schmecken kann, verlangt nach Weinen mit sehr verschiedenen Charakteren. Besonders schöne Geschmacksharmonien ergeben sich, wenn Wein und Schokolade ähnliche Aromastrukturen aufweisen, etwa jene von Vanille, Frucht- und Beerenaromen, Trockenfrüchten oder gar Honig und Zimt.

Hochwertiger Wein – hochwertige Schokolade!

Wirklich gute Schokolade – und damit ist nicht die süße aus dem Supermarkt gemeint – weist eine ungemein dichte und vielfältige Aromatik auf, die ziemlich lang am Gaumen bleibt. Für manche Schoko-Liebhaber fängt der Genuss erst ab 70 Prozent Kakaogehalt an. Deshalb ist es so wichtig, einen Wein auszusuchen, der den Charakter der jeweiligen Schokolade ergänzt, ja vielleicht sogar betont. Überzeugen können aber nur hochwertige Produkte, denn nur ausgezeichneter Wein und hochwertige Schokoladenqualität machen den gemeinsamen Genuss perfekt.

Grundregeln

Je höher der Kakaoanteil in der Schokolade, desto trockener darf der Wein sein. Dunkle, edelherbe Naschwerke vertragen sich gut mit kräftigen, fruchtbetonten, trockenen Rotweinen, je mehr Tannin, also „Vanille“, desto milder sollte die Schokolade sein. Bei herben, weniger süßen Sorten mit etwa 60 Prozent Kakaoanteil ist ein fruchtiger Rotweintyp mit wenig Tanninen und rundem Charakter als Begleiter denkbar. Aromatische Rotwein-Typen mit sehr dichter Struktur fügen sich sehr gut zu Schokolade mit rund 70 Prozent Kakaoanteil. Schwer wird es bei noch höherem Kakaoanteil. Da entscheidet nur mehr der persönliche Geschmack. Schwierig ist auch die Kombination aus süßer Vollmilchschokolade und trockenem Wein – hier wäre eher Edelsüßes, eine Spätlese oder eine Trockenbeerenlese zu empfehlen.

Noch zwei Tipps:

Eine gute Schokolade-Qualität muss zart im Mund zergehen, geschmeidig und cremig in ihrer Textur, lang anhaltend im Geschmack sein. Sie darf sich im Mund niemals grob oder fettig anfühlen. Bei gekühlten Weinen kann es zu einer Verklumpung der Schokolade führen, welche die Aromenbildung der beiden Komponenten nicht fördert.

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