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Weihnachten, eine „gefährliche“ Zeit?

Ein Kommentar von Priv.-Doz. Dr. Reinhold Fartacek, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Geschäftsführer Psychiatrische Rehabilitation – Landesklinik St. Veit, Präsident Pro Mente Salzburg

Jeder Mensch durchlebt über die Jahre Krisen. Diese entstehen, wenn man einen wichtigen Menschen verliert, bei plötzlichen Veränderungen der Lebenssituation wie Trennung, oder bei wirtschaftlichen Problemen. Es hat den Anschein, dass Krisen in Partnerschaften und Familien gehäuft in der Weihnachtszeit auftreten. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sich schwelende Konflikte nicht selten in der Weihnachtszeit zuspitzen, gerade weil die Beteiligten zusammen sind. Grundsätzlich bemühen sich aber während der Weihnachtsfeiertage meist alle, zu einer Deeskalation beizutragen.
Schon etwas schwerer haben es zu Weihnachten Menschen mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen. Die Zeit um den Jahreswechsel ist auch eine Zeit des Bilanzierens und leidende Menschen fragen sich dann oft, wieviel Sinn im Leben sie noch sehen können. An diesem Punkt angelangt, ist die Fähigkeit, nicht die Hoffnung auf eine positive Zukunft zu verlieren, ganz wesentlich. Sieht ein Betroffener auch nur einen Funken Hoffnung, kann dies den ersten Schritt in eine positivere Zukunft ermöglichen.
Vor allem schwere psychische Erkrankungen können aber dazu führen, dass von Betroffenen absolute Hoffnungslosigkeit erlebt wird und der Suizid als Ausweg aus einer unerträglichen Situation gesehen wird. Spätestens jetzt ist neben der mitmenschlichen Hilfe durch Angehörige auch eine professionelle Hilfe dringend nötig. Bei schweren Depressionen stehen uns heute psychisch wirksame Medikamente zur Verfügung, die das Leiden entscheidend lindern können. Parallel dazu leistet Psychotherapie einen großen Beitrag zum Wiedererlangen von Hoffnung und in weiterer Folge zur Genesung. Die Forschung liefert auch Belege dafür, dass Bewegung in der Natur zusätzlich zur medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung z. B. bei Depressionen zu positiven Effekten führt. So konnte die Suizid-Forschungsgruppe an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Salzburg zeigen, dass Bergwandern Menschen mit hohem Suizidrisiko hilft. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes zeigen, dass sich bei den Teilnehmern die erlebte Hoffnungslosigkeit sowie die Depressivität signifikant gebessert haben und auch Suizidgedanken weniger häufig aufgetreten sind. Die geschilderten Zusammenhänge sollten Betroffene ermutigen, erste Schritte in Richtung einer Behandlung ihrer Depression zu wagen. Niedergelassene FachärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapie, bei schwerem Leiden die Uniklinik für Psychiatrie in Salzburg sowie die Psychiatrische Klinik im Kardinal Schwarzenberg Krankenhaus in Schwarzach stehen als Partner zur Verfügung. Eine weitere Möglichkeit, sich rund um die Uhr mit erfahrenen professionellen KrisenhelferInnen zu beraten, ist die Kontaktaufnahme mit der Krisenhotline von Pro Mente Salzburg, Tel. +43 (0) 662 /43 33 51.
Und abschließend eine gute Nachricht: In der Weihnachtszeit sind Suizide seltener als im übrigen Jahr, auch das konnten die Salzburger Suizidforscher im Rahmen einer Studie unter der Federführung von Martin Plöderl zeigen.

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