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Von vermeintlichen Blitzeinschlägen

Ein Artikel von Bernhard Schlag

Immer wieder führen die vielen Gruben und Vertiefungen beim Wandern zwischen Mühlbach am Hochkönig, Bischofshofen und St. Johann im Pongau bei Gästen, meist aus dem nördlichen Nachbarland, zu Diskussionen, ob es sich um eingestürzte Kaninchengänge oder Blitzeinschläge handelt. Diese Vertiefungen sind aber vor langer Zeit durch Menschenhand entstanden. Die sogenannten Pingen sind Überbleibsel von reger Bergbautätigkeit in geringer Tiefe. Gerade hier im Pongau liegt die wohl mächtigste Kupfererzlagerstätte der Ostalpen. Diese wurde schon in prähistorischer Zeit intensiv genutzt. Vor weit über 3.500 Jahren wurden aber nicht nur oberflächig austretende Erzadern abgebaut, sondern bereits bis zu 200 m tiefe Stollen in den Berg getrieben, um an das begehrte Metall zu gelangen. Dieses „Industriezentrum“ hatte in der Zeit von 2.000 bis 800 v. Chr. seine Blütezeit und Wissenschaftler gehen von bis zu 20.000 Tonnen abgebautem Rohkupfer aus, das aufbereitet in den Handel kam. Auf über 190 nachgewiesenen Schmelzplätzen kann man bis zu 4.000 Jahre alte Schlacken vom Verhüttungsprozess finden. Kupfer gemischt mit Zinn und Arsen ergibt Bronze, eine Legierung, die einer ganzen Epoche, der Bronzezeit, ihren Namen gab. In Barren unterschiedlichster Formen, wie Spangen, Ösenringen oder Sicheln, stellte besonders im 2. Jahrtausend v. Chr. das „Mitterberger Kupfer“ einen wahren Exportschlager dar und lässt sich im Fundmaterial von ganz Mitteleuropa feststellen. Wer kennt nicht die berühmte Himmelsscheibe von Nebra, gefunden im heutigen Sachsen-Anhalt, gefertigt aber aus „Pongauer Kupfer“. Mit dem Aufkommen von Eisen und der Kenntnis, dieses zu bearbeiten, verloren die bronzezeitlichen Kupferreviere im 8. Jahrhundert v. Chr. an Bedeutung. Erst im Jahre 1827 kam es zu einer Wiederentdeckung und zum erneuten Abbau bis zur Einstellung 1977, als der Kupferpreis in den Keller fiel. Für mehr Informationen lohnt sich ein Besuch der spannenden Bergbaumuseen und Schaustollen im Pongau.

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