beitrag_neudecker

Von Krampussen, Ponys und Powerfrauen

Seit 09.11. ist „Gruß vom Krampus“, Gabriele Neudeckers preisgekrönter Film über alpenländische Winterbräuche, in den österreichischen Kinos zu sehen. Die Köstendorfer Drehbuchautorin, Regisseurin und Filmproduzentin freut sich über den Erfolg ihres Projekts.
Ein Artikel von Natalie Zettl

Winterzeit ist Krampuszeit – und das nicht nur in Österreich: Inzwischen ist der Kult um den felligen Gegenspieler des Nikolauses bis in die USA geschwappt. Deshalb überrascht es nicht, dass Gabriele Neudeckers Film auch international großen Anklang findet.

Fotos: Pimp the Pony Productions / Christine Neudecker.

Fotos: Pimp the Pony Productions / Christine Neudecker.

Krampusbrauch: tief verwurzelt, neu interpretiert
Kaum ein alpenländischer Brauch ist bei Alt und Jung so beliebt wie der Krampuslauf: Jugendliche sind begeistert von den felligen Gruselgestalten, viele von ihnen sind selbst Mitglieder einer sogenannten Pass. Im Salzburger Raum wird man schon als Kind an den Krampusbrauch herangeführt, und das ist auch wichtig, so Filmemacherin Gabriele Neudecker: „Wie im Film gezeigt, können Krampusse in Kindergärten und Schulen kommen und den Kindern zeigen, dass sie keine Angst haben müssen. Deshalb wäre es auch schön, wenn viele Schulklassen ,Gruß vom Krampus‘ ansehen würden – es gibt bei diesem Thema pädagogisch sehr viel zu besprechen.“
Übrigens: Obwohl man als Laie typischerweise einen jungen Mann als Krampus-Darsteller im Kopf hat, schlüpfen auch immer mehr Frauen in das Fellkostüm. Die 53-Jährige schmunzelt: „Nicht alle, aber doch die meisten Passen sind da sehr offen.“

neudecker_zwei_awards_houstonDer Film
Bereits mit fünf internationalen Awards ausgezeichnet, zieht „Gruß vom Krampus“ nunmehr das heimische Kinopublikum in seinen Bann. Kein Wunder: Über 100 Passen sind im Bild zu sehen, am Film gearbeitet wurde mehr als drei Jahre. „Meine ganze Familie hat mitgemacht“, erzählt Gabriele Neudecker, und die Begeisterung lässt ihre blauen Augen stolz funkeln. „Die tun das natürlich nur für mich – mein Mann musste mit der Kamera bei eisiger Kälte stundenlang ausharren, ohne sich zu bewegen. Auch, dass meine Tochter als Pädagogin mitgewirkt hat, macht mich sehr glücklich.“

und-action-neudeckerPowerfrau hinter der Kamera
Gabriele Neudecker ist eine von auffallend wenigen weiblichen Regisseuren in Österreich. „Viele haben immer noch das Bild von dem gestandenen Mann als Regisseur im Kopf. Da traut man das einer kleinen, blonden Frau mit leiser Stimme oft nicht zu.“ Dabei ist Neudecker definitiv eine wahre Powerfrau: Nach einer führenden Position in einem Drogerie-Unternehmen und der Geburt ihrer drei Kinder stürzte sie sich in das Studium der Kommunikationswissenschaft, das sie in Salzburg und Berlin absolvierte. Es folgte die Gründung der Drehbuchwerkstatt und schließlich die eigene Produktionsfirma Pimp the Pony Productions, die sich als großer Erfolg erwies: „Gruß vom Krampus“ gelang der bundesweite Kinostart, den nicht viele Filme erreichen. Auch konnte sich Pimp the Pony Productions als einzige österreichische Produktionsfirma für den Österreichischen Filmpreis qualifizieren. Der außergewöhnliche Name entstand übrigens als ironische Anspielung auf die geringe Größe der Firma und aus der Tatsache, dass Neudeckers Töchter insgesamt 24 Islandpferde besitzen. Auch die Firma Metalltech Neudecker befindet sich in Familienhand. Gabriele Neudecker arbeitet dort regelmäßig mit und sagt dazu kurz und bündig: „Das erdet mich.“ Trotzdem sei die viele Arbeit nicht immer leicht. „Und dann auch noch gut aussehen, wie es von einer Frau erwartet wird – das ist schon schwer“, fügt die perfekt gestylte Regisseurin schmunzelnd hinzu.

Salzburg kann mehr
Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sich Neudecker wünschen, dass den Bundesländern mehr Aufmerksamkeit – und damit auch mehr Förderungen – gegeben würde. „Leider spielt sich das meiste in Wien ab. In Salzburg besteht da noch ein großes Potenzial nach oben.“ Dabei bemüht sich die gebürtige Köstendorferin laufend um vielfältige interessante Projekte: Zum Beispiel wurde im Zuge von „Gruß vom Krampus“ versucht, Flüchtlingen den Krampus-Kult zu erläutern. „Es ist spannend zu sehen, wie das angenommen wird“, lächelt Neudecker amüsiert. „Zunächst waren wir unsicher, wie Menschen, die frisch aus dem Krieg kommen, auf unsere Krampusse reagieren. Aber die meisten sind absolut fasziniert und würden am liebsten selbst mitlaufen.“

dreh_gruss_vom_krampus„Gruß vom Krampus“ ist ein Dokumentarfilm, der durch eine spannende Handlung Zuschauer jeder Altersgruppe in seinen Bann zieht: Er gewährt Einblicke in das Phänomen der Krampusläufe und lässt die Zuschauer hinter die Kulissen blicken – es geht gleichzeitig um gelebte Jugendkultur und alte Tradition.
Der Kinofilm aus Neudeckers Feder zeigt, wie die Passen den alten Brauch neu interpretieren. Von 09.11.–10.12. ist „Gruß vom Krampus“ unter anderem in „Das Kino“ in Salzburg zu sehen.

31 total views, 1 views today

Alle Beiträge aus Freizeit & Sport


Facebook IconInstagram