Cjuw (9 von 9)

Vom Metzger zum Musiker

Nach einer Lehre im Fleischhauer-Betrieb der Eltern entschloss sich der Piesendorfer Julian Hutter einen eigenen Weg einzuschlagen und sein Hobby zum Beruf zu machen.

Als Einzelkind wäre Julian Hutter eigentlich für die Übernahme der elterlichen Metzgerei prädestiniert gewesen. Eigentlich. Trotz beendeter Fleischhauer-Lehre entschied er sich schließlich dagegen, den Familienbetrieb irgendwann selbst fortzuführen.

Nach dem damals noch einjährigen Zivildienst zog es den Jugendlichen zunächst neun Monate in die Ferne. Besser gesagt ans andere Ende der Welt: Rein ins Abenteuer Australien. „Mit einigen Freunden habe ich zuerst immer einige Tage auf Farmen gearbeitet. Mit dem, was wir verdient haben, sind wir dann herumgereist. Heute würde ich mir dafür mehr Zeit nehmen und länger an den jeweiligen Orten bleiben“, blickt der Piesendorfer nicht ohne Wehmut auf eine erlebnisreiche Zeit zurück.

Dass Hutter nicht mehr in den erlernten Beruf zurückkehren wollte, war spätestens nach der Rückkehr in den Pinzgau gewiss. Zwei Kreuzbandrisse bei Stürzen auf dem Snowboard zwangen den jungen Burschen zu Ruhepausen. Das Schlagzeug wurde zum Zeitvertreib. „Im Winter war das wirklich eine gute Alternative. Durch die Verletzungen habe ich dann eigentlich erst richtig zu musizieren begonnen.“ Den Weg dahingehend, das Hobby zum Beruf zu machen, ebnete das Schlagzeug-Studium in Klagenfurt, das Hutter vor drei Jahren abschloss.

Seine ersten musikalischen Gehversuche machte der gelernte Metzger bereits in der Schulzeit. Mit 15 gründete er gemeinsam mit Klassenkameraden seine erste Band. Passend zum pubertären Alter die als rebellisch-provokant geltende Musikrichtung: Punk. „Wirklich ernst zu nehmen war das aber nicht – mein erstes Schlagzeug war damals ein Ölfass“, blickt Hutter recht amüsiert auf die Anfänge seiner Karriere zurück.

Heute verdient der mittlerweile 35-Jährige sein Geld hauptberuflich als Musiker. In mehreren Bands – und als Musiklehrer am BORG in Mittersill. Das aktuelle Lieblingsprojekt Hutters nennt sich CJUW (gesprochen: kju) – die Abkürzung steht für die Anfangsbuchstaben der Namen der drei Bandmitglieder. Cornel Hofer aus Neukirchen spielt Gitarre und bringt Vocals ein. Gesang und Bass kommen von Wolfgang Schwarzbach aus Thumersbach.

Hutter, der freilich das Schlagzeug von CJUW bespielt, weiß, wie schwierig es ist, sich als Gruppe einen Namen zu machen. „Speziell als junge Band hat man es schwierig, sich zu etablieren. Man muss bei Veranstaltern den Fuß in die Tür bekommen.“ Selbst in der Region sei es nicht einfach, einen Bekanntheitsgrad zu erreichen. „Es gibt auch im Pinzgau immer mehr gut ausgebildete Leute, aber gleichzeitig immer weniger Gelegenheiten für Auftritte.“

Popularität – sei es „nur“ in der Region – setze Fleiß und Hartnäckigkeit voraus. „Es gibt einige, die viel Talent haben, die fallen aber vielfach weg, weil sie sich darauf ausruhen. Für uns ist das zu einem großen Teil auch Arbeit“, sagt Hutter. Seit gut eineinhalb Jahren besteht die Gruppe nun, ein erstes Album ist in Arbeit: Rund zehn selbst komponierte Lieder werden darauf zu hören sein, durchgehend in englischer Sprache. Deutsch oder überhaupt im Dialekt zu singen, sei nie ein Thema gewesen. „Wir sind alle drei sehr stark von angloamerikanischen Bands und Künstlern der letzten fünf Jahrzehnte aus den verschiedensten Musikrichtungen beeinflusst worden. Im Gegensatz zu vielen anderen hat keiner von uns in der Vergangenheit so etwas wie eine Austropop- oder Deutschrock-Phase durchlebt“, erklärt Hutter. Ihren Musikstil beschreiben die drei Pinzgauer als eine Mischung aus Blues, Rock, Jazz und Country.

Inhaltlich gehe es in den Liedern um Beziehungen, gesellschaftliche Themen, Ungerechtigkeit oder ums Älterwerden. Die Songs für das Album sind aufgenommen, die Platte befindet sich im Feinschliff. Bis Jahresende soll das Erstlingswerk fertig sein. „Wir stecken viel Energie rein, dass produktiv – und später auch finanziell – etwas dabei herausschaut. Aber das ist Zukunftsmusik.“

Seinem ursprünglich erlernten Beruf trauert Julian Hutter jedenfalls keineswegs nach. „In mir ist kein Metzger verloren gegangen – nein, absolut nicht. Da gibt es wesentlich talentiertere Menschen dafür.“

Thomas Sendlhofer

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