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Visionäre der Altstadt

Im Interview: Brigitte Hirschegger, Geschäftsinhaberin von VIA VENTY – Damenmode in der Linzer Gasse, Ausschussmitglied des Altstadt Verbandes

Wie stellen Sie sich den Einzelhandel der Zukunft vor? Und was heißt das für die Salzburger Altstadt?

In Zukunft sind kleinteilige Geschäfte mit starker Kundenorientierung als Pendant zum anonymen Online-Shopping sehr gefragt. Das verlangt persönlichen Einsatz auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten, geschultes Fachpersonal und die Sicherstellung einer entsprechenden Nachfolge durch die Ausbildung von Lehrlingen, die zudem einen höheren Stellenwert haben muss. Im Hinblick auf die Salzburger Altstadt bin ich sehr zuversichtlich, da wir eine gesunde Geschäftsstruktur aufweisen.

Was kann man dem Online-Handel entgegenhalten?

All das, was diese Vertriebsform nicht zu leisten imstande ist, wie das persönliche Gespräch, die Fachberatung und die Erfüllung individueller Kundenwünsche. Außerdem wird mit dem Online-Einkauf dem zunehmenden Bedürfnis nach Erlebnis-Shopping nicht nachgekommen. Ein Einkaufsbummel im Zentrum einer Stadt wie Salzburg hat ja so viel mehr zu bieten: Natur, Kultur …! Dieses Flair wird man im Internet vergeblich suchen.

Was ist im Einzelhandel das Service von morgen?

Es geht um eine ganzheitliche Beratung und nicht um den bloßen Verkauf von Gegenständen. Das verlangt eine hohe Fachkenntnis über die eigenen Produkte, kontinuierliches Trendscouting, eine erstklassige Vernetzung mit das Sortiment ergänzenden Geschäften in der Nachbarschaft und regelmäßige, aber unaufdringliche und persönliche Kunden-information. Kundenevents abseits des üblichen Verkaufsgesprächs machen Kundinnen und Kunden zu Freunden.

Was wünschen Sie sich für die Salzburger Linzer Gasse?

Eine einheitliche Pflasterung bis zum Ende der Linzer Gasse wünschen wir uns sehr. Der derzeit leider verwaiste Bruderhof sollte mit einem attraktiven gastronomischen Angebot bald wieder zu seiner bisherigen Blüte als Oase zum Verweilen finden. Kleine, individuelle Marktveranstaltungen etwa wären ein Anziehungspunkt, um sich länger in der Linzer Gasse aufzuhalten. Und nicht zuletzt bedarf es für eine lebendige Gasse auch leistbarer Mietobjekte für Bewohnerinnen und Bewohner.

Was fehlt sonst noch in der Rechten Altstadt?

Die Linzer Gasse hat nach wie vor viele Schätze und Raritäten wie die Küchenfee, den Strumpf-Schmidi, ein Briefmarkengeschäft … und man kann vor Ort so gut wie alles besorgen. Einzig ein Kinderfachgeschäft fehlt derzeit. Zu begrüßen wären eine Post und ein Bankomat in der Nähe. Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität wären auch Sitzgelegenheiten, WLAN und öffentliche Toiletten willkommen.

Wie positioniert sich die Stadt Salzburg im Heute?

Salzburg darf nicht nachlassen, sich als „Kulturstadt“ zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Veranstaltungen wie das Festival „Jazz & The City“, das bereits weit über die Grenzen hinaus bekannt ist, haben das Zeug dazu, Salzburg ein moderneres, weltoffenes Image zu geben. Die Veranstaltungsreihe „Hand.Kopf.Werk“, mit der Idee, die handwerklichen Kleinode der Altstadt vor den Vorhang zu bitten, hat sehr viel Potential. Der Besuch von Karl Lagerfeld hat gezeigt, dass Salzburg auch als „Modestadt“ wahrgenommen wird. Die Erhaltung der historischen Bausubstanz sind wir unseren Kindern schuldig.

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