Vier Pfoten im Einsatz

Indra Kley leitet das Österreich-Departement der Vier Pfoten und packt persönlich mit an, wenn es darum geht, Tierleben zu retten und zu schützen. Die Tierfreundin sprach mit uns über die zahlreichen Projekte der Organisation.
 Ein Artikel von Christine Gnahn
Indra Kley

Indra Kley

Frau Kley, seit wann gibt es die Vier Pfoten eigentlich? Wie ist die Organisation entstanden?

Vier Pfoten wurde 1988 von Helmut Dungler in Österreich gegründet. Er setzte sich damals als Tierrechtsaktivist stark für die Rechte aller Lebewesen ein und hatte den brennenden Wunsch, etwas zu verändern. So schloss er sich mit Gleichgesinnten zusammen, um innerhalb einer Organisation mehr bewirken zu können, als man es alleine kann.

Heute, fast dreißig Jahre später, hat sich viel getan …

… und wie! Wir sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stark gewachsen und mittlerweile in zwölf Ländern aktiv. Unsere Büros sind in Europa, Südafrika, Australien und USA. Auch hinsichtlich der Inhalte konnten wir uns über viele Bereiche des Tierschutzes ausdehnen. Nach wie vor setzen wir uns für eine verbesserte Lebensqualität von Tieren ein und fahren dorthin, wo Tiere leiden, um ihnen zu helfen. Besonders konzentrieren wir uns dabei auf jene Tiere in menschlicher Obhut.

Zum Beispiel?

Wir haben ganz konkrete Tierschutzprojekte, in denen wir Bären aus privater und kommerziell ausgerichteter Haltung befreien. Die Bären müssen in den Privathaushalten Schreckliches ertragen, werden ausgebeutet, um mit ihnen möglichst viel Geld zu gewinnen. Da werden Bären am Nasenring über den Strand Albaniens gezerrt, um als „nettes“ Selfie-Extra zu dienen. Auch im östlichen Europa gibt es Zoos, in denen die Haltungsstandards für die Tiere nicht eingehalten werden. Diese Bären retten wir.

Fotos: Vier Pfoten

Was passiert dann mit den Bären?

Nachdem sie zumeist in Gefangenschaft geboren wurden, können die Tiere anschließend nicht einfach in die Wildnis entlassen werden. Daher haben wir fünf eigene Bärenwälder eingerichtet – so beispielsweise im öster-reichischen Adelsbach, aber auch in Kosovo und Bulgarien – in denen die Bären endlich ein tiergerechtes, schönes Leben führen dürfen. Auch unser Großkatzenprojekt Lionsrock in Südafrika verfolgt diesen Zweck: Hier konnten wir bereits 100 Löwen und 13 Tiger in einem eigens eingerichteten Refugium unterbringen und aus dem schlimmen Zustand in vielen Zirkussen und Zoos retten. Dabei handelt es sich stets um fixe Einrichtungen, in denen wir die Tiere bis an ihr Lebensende versorgen. In Österreich haben wir übrigens die Eulen- und Greifvogelstation, die zwar hauptsächlich Vögeln gewidmet ist, in der aber auch verletzte Wildtiere aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen und wieder in die Freiheit zu entlassen.

Auch Streunertiere sind schon lange ein großes Thema der Vier Pfoten.

Genau. Hier sind wir seit vielen Jahren sehr aktiv und führen Kastrationsprojekte für streunende Katzen und Hunde durch, so beispielsweise in Rumänien und Bulgarien, aber auch in Wien. Herrenlose Tiere werden bei diesen Projekten kastriert, geimpft und wieder in die Freiheit entlassen.

Wäre es nicht besser, ihnen auch gleich ein schönes Zuhause zu organisieren?

Nein, in den meisten Fällen nicht. Es handelt sich zumeist um Tiere, die in der Freiheit geboren oder bereits vor langer Zeit ausgesetzt wurden. Diese Tiere sind häufig wild und schätzen ihr Leben in der großen Freiheit. Besonders in Wien geht es den Streunerkatzen verhältnismäßig gut, hier kümmern sich viele um die Tiere und geben ihnen Futter.

Was muss man jetzt, im Winter, als tierschutzbedachte Person besonders beachten?

Bitte schenken Sie kein Tier zu Weihnachten, egal ob Katze, Hund, Hamster oder Pferd – auch nicht den eigenen Kindern, denn Tiere sind keine Objekte, die man unter den Christbaum stellen sollte. Wer sich ein Tier zulegt, sollte sich immer im Klaren darüber sein, welche Konsequenzen dies mit sich bringt: Mit dem Hund dreimal am Tag hinausgehen, nicht einfach so in den Urlaub fahren können, und so weiter. Und wenn Sie sich dann wirklich für einen Welpen entscheiden, dann holen Sie ihn bitte nicht über das Internet. Hier stecken häufig Vermehrungsstationen dahinter, in denen sämtliche Tiere in einem erbärmlichen Gesundheitszustand dahinvegetieren, um die Rassenwelpen zu verkaufen. Bitte schauen Sie immer beim Züchter direkt vorbei.

Haben Sie weitere Tipps hinsichtlich eines tierfreundlichen Konsums im Winter?

Kulinarisch betrachtet: Bitte keine Gänsestopfleber! Generell kann es nicht schaden, sich beim Wirt zu erkundigen, woher er sein Fleisch eigentlich bezieht. Eine angemessene Haltung, bevor das Tier geschlachtet wird, halten wir für unerlässlich. Auch das Thema Pelz ist ein nicht enden wollender Kampf: Nachdem nun die Pelzmäntel langsam kein Thema mehr sind, schleicht er sich über Accessoires wieder ein. Noch ein Thema sind Daunen. Diese stammen leider oft aus Betrieben, die die Gänse mit Stopfmasten und Lebendrupfen bis zur Unendlichkeit quälen. Hier konnten wir zum Glück schon viel erreichen, viele Outdoor-Marken haben bereits effektive Systeme eingeführt, um nachzuprüfen, woher die Daunen wirklich stammen. Bitte immer nachfragen: „Responsible Down Standard“ ist hier ein verlässliches Siegel.

Letzte Frage: Haben Sie das Gefühl, die österreichische Gesellschaft wird mit der Zeit tierfreundlicher?

Sie wird auf jeden Fall auf den Tierschutz sensibilisierter, was hoffentlich in weiterer Folge dafür sorgt, dass sie sich auch dafür engagiert. Die Konsumenten sind zwar generell kritischer hinsichtlich der Nachhaltigkeit und der Fairness innerhalb wirtschaftlicher Prozesse geworden, doch noch immer gilt: Jeder einzelne muss seinen Beitrag leisten, damit es wirklich in Richtung pro Tierschutz geht, die Politik muss aktiv werden, die Branchen, die Produzenten im Umgang mit Nutztieren, die Anbieter von Heimtieren. In Umfragen geben viele Menschen an, das „Bio“-Siegel auf Produkten sei ihnen sehr wichtig – die Verkaufszahlen sprechen aber eine andere Sprache. Wir möchten Verbesserungen erreichen und appellieren an die Gesellschaft: Fangen wir bei den schlimmsten Übeln an. Dann gehen wir zusammen Schritt für Schritt auf die Reise, weg vom Tierleid und hin zu einem faireren Planeten.

www.vier-pfoten.at

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