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Verhütung – eine Sache der Verantwortung

Welche Verhütung passt zu Ihrem derzeitigen Lebensabschnitt und Ihrer individuellen Lebenssituation? Über die verschiedenen Methoden der Verhütung sollten Sie sich gut informieren und bei einem Gynäkologen Ihres Vertrauens beraten lassen.
Ein Artikel von Susanne Rosenberger

Verhütung ist keine Erfindung der Neuzeit, bereits die alten Griechen und Römer kannten einige Mittelchen, um die Empfängnis beim Liebesspiel zu verhindern. Der „Coitus interruptus“, also die Unterbrechung des Geschlechtsaktes, dürfte dabei eine der frühesten Verhütungsmethoden gewesen sein. In weiterer Folge bediente man sich im Mittelalter an verhütenden Kräutern, Essig, Zäpfchen aus Krokodilkot, Keuschheitsgürtel und ab dem 17. Jahrhundert an ersten Präservativen aus Tierdärmen und Leinen.
Während Verhütung über Jahrhunderte Männersache war, ging sie Anfang der 1930er Jahre auch in die Hände der Frauen über: die Kalendermethode wurde entwickelt, nach der sich die fruchtbaren Tage ermitteln lassen, Sexualberatungsstellen eröffneten und Verhütungsmittel wurden verteilt.

Foto: Drobot Dean - stock.adobe.com

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Siegeszug der Pille
Nachdem im Nationalsozialismus ein staatliches Verhütungsverbot erlassen wurde, um die arische Rasse zu vermehren, bahnte sich nach dem Krieg in der Forschung mit dem Hormonpräparat Anovlar eine Revolution in der Geschichte der Verhütung an: 1961 kam die „Pille“ auf den europäischen Markt, nachdem man bereits 1919 nachgewiesen hatte, dass eine Verhütung über Hormone möglich ist. Der österreichische Chemiker Carl Djerassi war übrigens einer der Entwicklungsväter der Pille, ihm gelang die künstliche Herstellung eines der Hormone, die in der Pille enthalten sind.
Mehr als 50 Jahre nach ihrer Einführung in Österreich, wird die Anti-Baby-Pille heute von rund einem Drittel der 14- bis 40-jährigen Frauen eingenommen und zählt somit zu den beliebtesten Verhütungsmitteln. Die Pille kann in ihren unterschiedlichen Zusammensetzungen auf die individuellen Bedürfnisse der Frauen abgestimmt und so zum Vorteil der Gesundheit eingesetzt werden: sie reguliert den weiblichen Hormonhaushalt, wirkt sich positiv bei Akne, unreiner Haut und unerwünschtem Haarwuchs aus und lindert die typischen Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS). Aber auch die Nebenwirkungen der Pille dürfen nicht außer Acht gelassen werden: besonders bei Frauen über 40 und bei Raucherinnen besteht ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Schlaganfall, Lungen- oder Herzinfarkt.

Die lieben Hormone
Bei der hormonellen Verhütung wird eine Kombination aus den zwei wichtigsten weiblichen Sexualhormonen (Östrogen und Gestagen) dazu eingesetzt, die Eizellreifung und den Eisprung zu hemmen und die Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals zu verhindern.
Hormonelle Verhütungsmittel beeinflussen somit den natürlichen Hormonhaushalt der Frau, es kann bei deren Einnahme vereinzelt zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, wie etwa Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, verminderte Libido oder ein Spannungsgefühl in den Brüsten. War die Pille früher Symbol der sexuellen Selbstbestimmung, tendieren heute immer mehr Frauen zu besser verträglichen Verhütungsmethoden ohne Hormone. Zu den hormonfreien Alternativen zählen die Kupferspirale, Kupferkette, Kupferperlenball, Goldspirale, Muttermundkappe (Diaphragma), Kondom und Femidom, Verhütungscomputer und Kalender-Apps.

Foto: dima_sidelnikov -istockphoto.com

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Was kann der Mann tun?
Die erste hormonfreie, medikamentöse Verhütungspille für den Mann könnte – neuesten Forschungsberichten aus Australien zufolge – in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf den Markt kommen: zwei Proteine hemmen bei diesem Medikament den Spermientransport, ohne die Fruchtbarkeit, Libido oder Gesundheit des Mannes zu beeinflussen.
Alle bisherigen klinischen Versuchsreihen der vergangenen Jahrzehnte, eine hormonelle „Pille für den Mann“ bzw. eine Hormonspritze auf den Markt zu bringen, die die Spermienreifung in den Hoden verhindert, sind aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen gescheitert.
Welche anderen Wege stehen also Männern offen, Verantwortung bei der Empfängnisverhütung zu tragen? Das Kondom ist zurzeit die einzige Methode, mit der ein Mann sicher, zuverlässig und selbstbestimmt verhüten kann und die zudem vor der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Infektion (wie HIV oder Syphilis) schützt. Bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern empfiehlt sich also bei allen Verhütungsmethoden die zusätzliche Verwendung eines Kondoms.
Bei der Vasektomie wird der Samenleiter des Mannes operativ durchtrennt, so dass der Weg der Samenzellen blockiert ist – ein kurzer und fast schmerzloser Eingriff ohne Skalpell und Vollnarkose, risikoarm und nebenwirkungsfrei. Auch wenn eine Rückoperation unter bestimmten Umständen grundsätzlich möglich ist, gilt die Samenleiterdurchtrennung beim Mann als dauerhafte und endgültige Verhütungsmethode.

Die „perfekte“ Methode
Bevor man sich für eine Verhütungsmethode entscheidet, sollte man sich im Vorfeld einige Fragen stellen, um die richtige Wahl zu treffen. Wichtig sind hierbei Überlegungen zum individuellen Sexualverhalten, zu persönlichen Lebensumständen (Schichtdienst, regelmäßige Reisen zwischen verschiedenen Zeitzonen), zur Anwendung (täglich, wöchentlich, nur bei Geschlechtsverkehr), zu etwaigen gesundheitlichen Komponenten (Thromboserisiko, Nebenwirkungen, starke Regelbeschwerden), zu Beschaffungsmöglichkeit und Preis sowie – last but not least – dazu, ob eine Schwangerschaft gänzlich unerwünscht oder grundsätzlich vorstellbar ist.
Ein junges Mädchen wird also ganz andere Entscheidungskriterien zu berücksichtigen haben als ein Paar mit abgeschlossener Familienplanung. Die eine „perfekte“ Verhütungsmethode gibt es also nicht, Verhütung ist vielmehr eine individuelle Entscheidung, bei der man sich die Frage stellen sollte, auf welche Eigenschaften man besonderen Wert legt (wie z.B. Sicherheit, Nebenwirkungen, Anwendungsfreundlichkeit).

Der Pearl-Index
Apropos Sicherheit: Keine der am Markt üblichen Methoden (außer die Sterilisation) schützt zu hundert Prozent vor einer Schwangerschaft. Als Maß für die Wirksamkeit bzw. Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung (Kontrazeption) gilt der sogenannte Pearl-Index, der den Anteil sexuell aktiver Frauen anführt, die trotz Einsatz einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Ein Pearl-Index von 1 bedeutet somit, dass eine von 100 Frauen, die diese Methode ein Jahr lang anwenden, schwanger wird. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer also die Methode. Ein Kondom weist beispielsweise einen Pearl-Index von 2-12, die Pille von 0,1-0,9 und Zäpfchen von 3-21 auf. Was beim Pearl-Index allerdings mitbedacht werden muss, ist, dass das Versagen von Verhütungsmethoden meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen ist, also die Sicherheit der Methode ganz entscheidend von der richtigen Anwendung abhängt.
Schwangerschaft darf und kann in der heutigen Zeit eine bewusste Entscheidung sein. Damit Sex Spaß macht und keine unerwarteten Folgen nach sich zieht, stehen mit den angeführten Methoden zahlreiche Optionen für eine sichere Verhütung zur Verfügung. Verhütung ist dabei längst nicht mehr Sache der Frau alleine, sondern liegt in der gemeinsamen Verantwortung eines Paares.

Alle Methoden im Vergleich:

Foto: Lalocracio; jenjen42; deepblue4you; wakila - istockphoto.com

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Hormonelle Verhütung: Pille, Minipille, 3-Monats-Spritze, Hormonspirale, Hormonimplantat, Verhütungspflaster, Vaginalring
Mechanische Verhütungsmittel: Kondom, Frauenkondom (Femidom), Diaphragma, Portiokappe, Kupferspirale, Kupferkette, Kupferperlenball, Goldspirale
Chemische Verhütungsmittel: Zäpfchen, Cremes, Gel, Tabletten
Natürliche Verhütungsmethoden: Temperaturmethode, Kalendermethode, Symptothermale Methode, Zykluscomputer, Kalender-Apps, Coitus interruptus
Operative Verhütungsmethoden: Vasektomie, Sterilisation
Notfallverhütung: Die Pille danach, die Kupferspirale/-kette danach

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