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Unser täglicher Verpackungswahn!

Ein Kommentar von Isabella Uhl und Thomas Weiger, Nachhaltigkeiteskoordination und Umweltmanagement der Universität Salzburg

Morgens den Kaffee aus dem Tab, Müsli gleich doppelt verpackt in Karton und Plastik, Brot eingeschweißt in Folie und Margarine aus der Plastikschale. Weiter geht’s zu Mittag mit Fleisch aus der Styroportasse oder Pizza, die aus dem Karton kommt. Dazwischen Getränke aus der PET-Flasche. Im Supermarkt gibt’s fast nichts ohne Verpackung. Die Ironie bei dem Ganzen: Meist ist das Biogemüse verpackt, während konventionelles offen erhältlich ist. Transportiert wird der Einkauf im Plastiksackerl, welches nach ein paar Minuten seinen Dienst getan hat. Den krönenden Abschluss gibt’s am Abend durch Zahnpasta samt Mikroplastik, welches seinen Lebensabend in unseren Gewässern verbringt und durch den biologischen Kreislauf schlussendlich im Essen landet.

„Mein Anteil wird schon nicht so viel ausmachen“, ist man nun versucht, sich zu rechtfertigen. In Deutschland verursacht jeder Einwohner pro Jahr im Schnitt 213 Kilo reinen Verpackungsabfall. Verpackung dient nicht nur zum hygienischen Transport, sondern ist heute primär ein Marketinginstrument. Aus diesem Grund haben wir auch so viel davon. Doch was können wir dagegen tun?

„Recycling“, fällt uns als Recyclingnation Österreich spontan ein. Aus ökologischer Sicht sollte jedoch vor dem Recycling die Strategie „Vermeiden“ stehen. Dies geht einfacher als gedacht und lässt sich leicht im Alltag umsetzen. Wir, die AutorInnen, haben beispielsweise immer eine Stofftasche für unsere Einkäufe dabei, gehen oft auf den Markt, wo es alles unverpackt gibt. Wo immer es geht, wählen wir alternative Produkte in Glasverpackung – denn die ist nicht giftig und kann leicht wiederverwertet werden.
Getränke bereiten wir uns selber zu und nehmen sie in Edelstahlflaschen mit ins Büro. Diesen Trend greift die zero waste-Bewegung auf, die besser zero waste at home heißen sollte. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Verpackungen um jeden Preis zu vermeiden, viele Produkte des täglichen Lebens selbst herzustellen sowie nicht jede Konsummode mitzumachen. Denn jede und jeder kann dazu beitragen, dem Verpackungswahnsinn zu entkommen.

Es sind aber auch die Politik und Industrie gefordert. Ziel ist es, nur mehr Verpackungen zuzulassen bzw. zu produzieren, die aus ungiftigen, umweltfreundlichen Stoffen hergestellt sind und in eine Kreislaufwirtschaft eingebracht werden können. Die Universität Salzburg arbeitet dafür zusammen mit dem Land Salzburg im Rahmen der Initiative „Salzburg 2050“ an einem umweltfreundlichen und klimaneutralen Bundesland. Denn eine positive Zukunft können wir nur gemeinsam gestalten. Diese verspricht aber einen Gewinn auf der ganzen Linie – für die Natur, die eigene Geldtasche und vor allem unsere Lebensqualität.

Am besten zeigt übrigens Mutter Natur am Beispiel Apfel wie es geht: die Verpackung (Apfelschale) schützt, ist essbar und gesund. Perfekt verpackt! Den braucht es nicht eingeschweißt in Plastikfolie!

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