die_salzburgerin_Aluminium

Traurige Berühmtheit

Verpackungen (etwa Alu-Folie), Medikamente, Nahrungsmittel, Kosmetika – sie alle haben eines gemeinsam: Aluminium. Aber wozu und was stellt das Metall in unserem Körper an? Auf den Spuren eines Tausendsassas mit Mängeln.

Dieser Stoff hat Zukunft! Aluminium kommt in großen Mengen vor, es ist stabil und leicht zugleich. Unzählige Produkte profitieren von dem vielseitigen Metall, die Maschinerie, die dahinter steckt ist gewaltig. Rund 40 Millionen Tonnen werden jährlich hergestellt. Kein Wunder also, dass viele Menschen an der Unbeflecktheit dieses Rohstoffs großes Interesse haben. Doch die weiße Weste bekommt zusehends mehr unschöne Flecken, die sich nicht mehr so leicht beseitigen lassen. Für Brustkrebs und Alzheimer soll es mitverantwortlich sein und regelmäßige Umweltsünden rund um das Leichtmetall lassen aufhorchen. Die letzte große Katastrophe in Europa spielte sich 2010 in Ungarn ab. Mindestens eine Million Kubikmeter Rotschlamm voll Blei und anderer Schwermetalle ergoss sich damals über mehrere Dörfer der betroffenen Region. Weit häufigere Unfälle in Südamerika oder China schaffen es erst gar nicht in unsere Medienberichterstattung. Höchste Zeit, die Notwendigkeit von Aluminium zu hinterfragen.

Maximum überschritten

Grundsätzlich ist an Aluminium nichts Schlechtes. Der Stoff zählt zu den häufigsten Elementen in der Erdkruste und steckt daher auch in zahlreichen Lebensmitteln. Vor allem in Kräutern und Gewürzen, Gemüsearten wie Spinat oder Salat, aber auch in Schokoladeprodukten. Nehmen wir es auf diese Weise auf, schafft es nur ein ganz geringer Prozentsatz direkt in den Körper. Der Großteil wird über die Nieren ausgeschieden. Nur ist es damit leider meistens nicht getan. Aluminium-Ionen schaffen es auf industriellem Wege nämlich auch in Verpackungen, ins Kochgeschirr, in Trinkflaschen uvm. Über diese Produkte können kleinste Teilchen Aluminium leicht in Lebensmittel übergehen. Außerdem gibt es zahlreiche Zusatzstoffe für Lebensmittel (E-Nummern), die den Stoff enthalten. So kann es passieren, dass jene Menge, die von der Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) toleriert wird, schnell überschritten wird – und zwar alleine durch die Ernährung. Und das ist nicht die einzige Alu-Quelle.

Für die Schönheit

Die Aufnahme von Aluminium durch Kosmetika ist in dieser Statistik noch gar nicht enthalten. Und die ist auch nicht gerade unbedeutend. Hier ist vor allem das Deodorant in Verruf geraten. In Antitranspirants wird das Metall gerne verwendet, weil es dafür sorgt, dass sich die Hautporen zusammenziehen und somit weniger Schweiß austreten kann. Aber nicht nur Deos enthalten den Stoff, auch Lippenstifte, Zahnpasta und Sonnenschutzmittel können damit aufwarten, da es beispielsweise als Haltbarkeitsmacher von Cremes zum Einsatz kommt. Das Deo ist aber nicht ohne Grund am meisten in Verruf geraten. Die französische Arzneimittelbehörde hat die Aufnahme von Aluminium über die Haut untersucht und festgestellt, dass gesunde Haut etwa 0,5 Prozent des Metalls aufnimmt – über beschädigte Haut, also beispielsweise nach dem Rasieren, sind es aber bis zu 18 Prozent! Legt man diesen Wert auf den Grenzwert der EFSA um, hat ein Mensch mit rund 70 Kilogramm Körpergewicht bereits morgens nach dem Auftragen des Deos die gesamte akzeptable Tagesdosis aufgenommen. Und das Metall wieder loszuwerden, gilt nicht als gerade leicht. Rund 60 Prozent werden am ersten Tag über die Nieren ausgeschieden, der Rest verteilt sich im Körper auf die Knochen, die Lunge, das Gehirn. Seine Verweildauer im Körper ist nicht genau erforscht. Langzeitbeobachtungen sprechen jedoch von Halbwertszeiten von bis zu 50 Jahren.

Wie gefährlich ist Alu?

Wenn wir so lange mit einem Stoff leben müssen, stellt sich natürlich die Frage, ob und wie schädlich dieser für unseren Organismus ist. Und genau an diesem Punkt trennen sich die Experten-Geister. Zunächst zum Vorwurf, dass Aluminium krebserregend sei: Die Theorie beruht darauf, dass Brusttumore häufiger außen sitzen – also näher bei der Achselhöhle, dort wo Deodorants eben verwendet werden. Außerdem gab es in einigen Studien bei Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu gesunden Frauen erhöhte Aluminiumgehalte in Brustdrüsengewebe und -sekret. In anderen Studien wiederum konnte dieser Nachweis nicht erbracht werden. Die Beweislage ist also noch relativ unklar. Beim Verdacht, dass Aluminium Alzheimer auslösen könnte, ist es ähnlich. Was aber sehr wohl nachgewiesen werden konnte, ist, dass das Metall sehr wohl mit der Dialyse-Enzephalopatie, einer Demenzerkrankung, in Zusammenhang steht. Dies zeigte sich bei Patienten mit Nierenschaden, die eine Blutwäsche mit Dialyseflüssigkeiten bekamen, die Aluminiumsalze enthielten. Aber auch hier gilt: Die Datenlage ist uneinheitlich und Forscher gehen davon aus, dass der negative Effekt auf das Gehirn nur dann eintritt, wenn extreme Bedingungen bestehen.

Wahr oder falsch?

Aluminium taugt jedoch nicht nur als Krankheitserreger, es hat es sogar zu einer nicht unpopulären Verschwörungstheorie geschafft. Und zwar in der Form von „Chemtrails“. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus den Begriffen „Chemikalien“ und „Contrails“, dem englischen Wort für Kondensstreifen. Im Prinzip geht es darum, dass so mancher Kondensstreifen am Himmel nicht wie üblich durch kondensierte Flugzeugabgase zustande gekommen sein soll, sondern durch Chemikalien, die gezielt in die Atmosphäre gesprüht wurden. Mit an Bord eben auch das Aluminium, mit dessen Hilfe angeblich das Wetter beeinflusst werden kann. Im besten Fall steckt dahinter ein edles Motiv, nämlich mit den winzigen Aluminiumpartikeln das Sonnenlicht zu reflektieren und so den Treibhauseffekt zu reduzieren – ein Prozedere, das zu dem Begriff Geoengineering zählt. Im schlimmsten Fall soll damit eine Bevölkerungsreduktion erreicht werden, indem der Boden durch Aluminium vergiftet werden soll. Durchforstet man das Internet nach den Chemtrails so bekommt man unzählige Artikel, die sich für und gegen eine Verschwörungstheorie aussprechen. Die Mehrheit der seriösen Beiträge geht aber eindeutig in Richtung Mythos. Was aber nicht heißt, dass Sprühflugzeuge das Wetter nicht doch beeinflussen können. Das geschieht durch die so genannte Wolkenimpfung, bei der aber kein Aluminium in die Wolken gesprüht wird, sondern Silberjodid und Aceton. Der Hintergrund: So sollen beispielsweise große Hagelschäden verhindert werden.

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