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Ständig müde?

Ein Durchhänger nach einer anstrengenden Woche ist keine Krankheit – solange er nicht zum Dauerzustand wird. Müdigkeit, Schlafstörungen und verringerte Leistungsfähigkeit – solche Symptome können auch auf das Chronische Erschöpfungssyndrom hindeuten.

Brigitte kann nicht schlafen, ist müde, todmüde. Am Abend, am Morgen und auch tagsüber. Die ständige Erschöpfung macht ihre Arbeit zur Hölle, der Alltag wird zur Qual. Wenn sie schläft, dann nur kurze Zeit und ihr Schlaf ist ihr kaum Erholung. Seit Wochen geht das nun so und Brigitte fühlt sich sehr krank. Die junge Frau ist keine Hypochonderin und auch kein Einzelfall. Sie leidet an CFS, dem Chronic Fatigue Syndrome. Dieses Chronische Erschöpfungssyndrom ist eine heim-
tückische Krankheit, die schwer zu diagnostizieren, noch schwerer zu behandeln ist und es unmöglich macht, ein halbwegs normales Leben zu führen.

Oft beginnt CFS wie ein grippaler Infekt: Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen, Muskelziehen. Die Symptome werden aber auch nach einigen Tagen Bettruhe nicht besser, im Gegenteil, sie nehmen an Intensität zu. Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen, Empfindlichkeiten der Lymphknoten, Nervenzuckungen, Ohrgeräusche, Sehstörungen oder Depression können dazu kommen und machen das Leben der Betroffenen zu einem Albtraum. Nach wissenschaftlichen Schätzungen erkranken annähernd doppelt so viele Frauen wie Männer; die Zahl der Erkrankten liegt zwischen sieben und 38 je 100.000 Einwohnern.

Amerikanische Forscher führend

Seit Jahren wird weltweit an den Ursachen geforscht, eine Arbeitsgruppe der amerikanischen Gesundheitsbehörde Center of Disease Control ist dabei federführend. Als Auslöser für chronische Erschöpfung werden Immunfehlfunktionen, Immundefekte, Viren, hormonelle Störungen, Pilze, anhaltender Stress, psychische Faktoren oder Umweltgifte diskutiert. Einig sind sich viele Forscher darin, dass eine Schwächung des Immunsystems, beziehungsweise dessen chronische Aktivierung, Kern der Erkrankung ist.

CFS kann trotz aller Bemühungen weder durch Blut- oder Labortests noch durch andere Untersuchungen als Krankheit diagnostiziert werden. Und das macht es für die Betroffenen auch so schwer. Sie sind – manchmal jahrelang – nicht in der Lage, ihr Leben zu ordnen, einer Arbeit nachzugehen. Zur körperlichen Erschöpfung kommen seelische Verzweiflung, Depressionen, finanzielle Schwierigkeiten, Unverständnis der Umwelt.

Trotz aller Defizite ist es für Betroffene wichtig, eine Abklärung ihrer Krankheitssymptome herbeizuführen. Andere Krankheiten wie Krebs, Multiple Sklerose, Hepatitis oder Tuberkulose, Virusinfektionen, schwere Stoffwechselstörungen oder psychische Beeinträchtigungen müssen ausgeschlossen werden. Wenn die Erschöpfungszustände bei negativen Befunden anderer Untersuchungen länger als sechs Monate anhalten, gehen Ärzte davon aus, dass es sich um CFS handeln kann.

Tiefer, erholsamer Schlaf ist für unsere Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Wer schlecht schläft, ist oft müde und erschöpft, ist nur bedingt leistungs- und konzentrationsfähig und fühlt sich allgemein unwohl. Chronischer Schlafmangel ist ein Hauptrisikofaktor für zahlreiche, stressabhängige Erkrankungen. Hierzu zählen unter anderem Immunerkrankungen, Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie eine mögliche Erhöhung des Blutdrucks.

Auch Übergewicht kann ein Resultat von Schlafmangel sein: Neueren Studien zufolge wird die Hormonbalance, die für das Sättigungsgefühl verantwortlich ist, durch Schlafmangel negativ beeinflusst. Dadurch empfinden wir gesteigert Hunger und lassen uns zu unnötigem Essen verleiten – was wiederum einen negativen Einfluss auf die Nachtruhe hat.

Schlaf ist unentbehrlich

Rund 3,2 Millionen Österreicher leiden darunter, sie schränken die Lebensqualität drastisch ein und führen zu Milliardenverlusten in der Wirtschaft, zudem erhöhen sie das Unfallrisiko: Probleme beim Schlafen. Mehr als 24 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle und insgesamt jeder dritte Unfall werden durch schlechten Schlaf verursacht. Wer nachts nur vier Stunden geschlafen hat, reagiert so, als habe er 0,5 Promille Alkohol im Blut, eine durchwachte Nacht steigert diesen Wert gar auf 0,8.

Im Bereich der EU kommt es pro Jahr zu rund 150.000 Verkehrsunfällen durch Schläfrigkeit am Steuer, weitere 1,5 Millionen Unfälle sind auf Unaufmerksamkeit zurückzuführen, wobei sich viele Parallelen zur Schläfrigkeit zeigen. Insgesamt wird vermutet, dass 16 bis 33 Prozent aller Verkehrsunfälle auf Müdigkeit zurückzuführen sind.

Der Bedarf nach Schlaf sinkt im Lauf des Lebens und ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Kleinkinder brauchen meistens sehr viel Schlaf. In den ersten Jahren können es bis zu 16 Stunden sein. Kinder während der Schulzeit benötigen nur noch zehn bis zwölf Stunden Schlaf, um sich in der Schule konzentrieren zu können. Im Erwachsenenalter brauchen die meisten Menschen ungefähr sechs bis acht Stunden Schlaf, aber auch hier bleiben die Unterschiede groß. Ältere Menschen kommen oft mit noch weniger Schlaf aus. Ein normaler ununterbrochener Schlaf ist wichtig für das körperliche Wohlergehen und das Immunsystem.

Unser Organismus hat seine eigene innere Uhr. In bestimmten zeitlichen Rhythmen steigt oder sinkt die Körpertemperatur. Richten Sie Ihren Tagesablauf nach Ihrer inneren Uhr. Ein kurzes Nickerchen zwischendurch hilft auch. Achten Sie auf eine ausgewogene, vitaminreiche und fettarme Ernährung. Mangelhafte Ernährung kann durch Vitamin und Mineralstoffmangel zu Müdigkeit führen. Ebenso kann Übergewicht zu Müdigkeit führen. Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter). Auch Alkohol und Rauchen führen zu Müdigkeit.

Treiben Sie regelmäßig Sport, um Ihren Kreislauf in Schwung zu bringen. Aber übertreiben Sie nicht, da ein Übermaß an Sport ebenfalls zu körperlicher Erschöpfung führt.

Auch eine kalte Dusche oder Wechselduschen bringen den Kreislauf in Schwung und vertreiben die Müdigkeit.

Chronische Erschöpfung

Dauert Müdigkeit über längere Zeit an, so sollten Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Dies gilt besonders dann, wenn Sie zusätzlich noch andere Symptome haben, wie Nachtschweiß, trockene Schleimhäute, Blut im Stuhl, geschwollene Lymphknoten oder ungewöhnlich großen Durst.

Neuesten Forschungen zufolge spricht man von einem CFS, wenn CFS seit mindestens sechs Monaten andauert, neu aufgetreten ist oder einen definierten Beginn hat (also nicht schon lebenslang besteht), nicht die Folge aktueller Beanspruchung ist, sich durch Ruhe nicht wesentlich beseitigen lässt und zu einer deutlichen Verringerung der Aktivitäten des persönlichen Lebens geführt hat.

Unter Experten gibt es bislang keine Einigung darüber, wie sich ein Chronisches Erschöpfungssyndrom am besten behandeln lässt. Fest steht nur: Die CFS-Therapie richtet sich nach den am meisten belastenden Symptomen und sollte sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen beinhalten. Medikamente wie Schmerzmittel können zum Beispiel bei Gelenk- und Kopfschmerzen zum Einsatz kommen. Eine Psychotherapie (etwa eine Verhaltenstherapie) kann bei vielen Menschen mit CFS die Symptome lindern. Entspannungsverfahren können beispielsweise bei Schlafstörungen hilfreich sein. Darüber hinaus scheinen manchmal auch eine Ernährungsumstellung (ausreichend Vitamine und Mineralstoffe) sowie das Meiden und Eliminieren von Schadstoffen die Beschwerden von CFS zu verringern.

Wichtig bei der Behandlung des chronischen Müdigkeitssyndroms ist zudem eine angepasste Aktivität nach dem Grundsatz: Soviel Belastung und Aktivität wie möglich, soviel Schonung wie nötig. Eine positive Wirkung hat ein angeleitetes physisches Training mit allmählich gesteigerter körperlicher Aktivierung. Ein Bewegungsmangel verstärkt dagegen ein chronisches Erschöpfungssyndrom.

Maria Riedler

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