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Spaziergang mit Rudolf Frey

Ein Mann, der aus Salzburg nicht wegzudenken wäre. Mit Herausgeber Stephan Kaindl-Hönig spricht der Begründer des Autohauses Frey über seine Liebe zu Fahrzeugen, politische Entwicklungen, die ihm Sorge bereiten und über seine Familie.
Ein Artikel von Stephan Kaindl-Hönig
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Fotos: www.kaindl-hoenig.com

 

Deine Familie stammt ursprünglich aus der Schweiz. Wie wurde die Familie Frey in Salzburg sesshaft?
Mein Großvater hat 1899 seinen Heimatort Bubikon, im Kanton Zürich, verlassen, um, wie es damals üblich war, ein Jahr auf Wanderschaft zu gehen. Auf dieser Tour ist er bis nach Hamburg gekommen – doch schon auf der Hinreise hat es ihm Salzburg besonders angetan. Nach seinem Wanderschaftsjahr ist er nach Salzburg zurück gekommen und hat seine Braut, meine Großmutter, ebenfalls Schweizerin, nach Salzburg geholt. Ja, damals haben Bräute noch ein Jahr auf ihren Mann gewartet!
Sie haben in Salzburg geheiratet und mein Großvater hat hier mit einer Fahrrad-Reparatur und Fahrrad-Erzeugung begonnen. Es gab damals, 1899, ja noch keine Fabriken, die Fahrräder erzeugt haben. Die erste Fabrik in der Fahrrad-Erzeugung war 1904 Raleigh in England. Wenn damals jemand ein Fahrrad wollte, dann wurde das gebaut.
Mein Großvater hatte sein Geschäft in der Gstättengasse. Dort hat er Fahrräder repariert und erzeugt. Das war der Beginn der Dynastie Frey in Salzburg.

Das heißt, Mobilität war von Anfang an das Thema?
Mobilität war immer ein Thema. Mein Großvater hat das Fahrrad-Geschäft betrieben, mein Vater, der 1918 in die Firma gekommen ist, hat den Schritt vom Fahrrad zum Motorrad gewagt und Motorräder verkauft. Ich habe maturiert und wollte nach Wien gehen, auf die Hochschule für Welthandel. Doch dann hat mein Vater – der lebenslang ein gutes Feeling gehabt hat, gesagt: Du, weißt was, ich glaub, jetzt kommt eine gute, interessante Zeit – das war 1950/51, die Zeit des Marshall-Plans, im Westen Österreichs gab es eine erste Konjunkturwelle. Wenn wir jetzt miteinander etwas machen, könnten wir mehr erreichen.
Es war damals ein kleiner Betrieb mit zehn, zwölf Leuten. Auf meinen Einwand, dass ich doch ursprünglich seine Zustimmung zum Studium gehabt hätte, hat er gemeint: Du bist jung genug, schau es dir ein Jahr an, du kannst ja dann auch noch studieren gehen. Allerdings nur theoretisch. Ich bin in die Firma gekommen, war innerhalb kurzer Zeit so vom Geschäft angetan und habe mich in der Firma so engagiert, dass an ein Studium nicht mehr zu denken war. Mein Bestreben war es immer, vom Motorrad den Schritt zum Auto zu wagen. Mein Vater hat das nur zögerlich mitgemacht, aber 1955 habe ich den Schritt getan, mit der Marke Peugeot. Peugeot war die erste Marke der Firma Frey. BMW ist erst viel später, 1989/1990 gekommen.

Bist du Autoliebhaber oder siehst du den Autohandel eher unter dem wirtschaftlichen Aspekt?
Es war von Anfang an eine große Liebe, eine mehrfache Liebe, die ich schon zum Fahrrad und zum Motorrad hatte. Ich bin auch selbst viele Jahre lang Motorrad gefahren. Das Auto ist schon eines meiner ganz großen Interessensgebiete. Nicht mein einziges, aber hier sind Beruf und
Berufung, Liebe und Leidenschaft vereint.

Nochmals zurück zu deinen Wurzeln: Was bedeutet für dich die Schweiz?
Ich war lange Zeit nur Schweizer Staatsbürger. Als Wilfried Haslauer, der Ältere, Landeshauptmann wurde, hatte er verschiedene Aufgaben in der Wirtschaftskammer und in der Politik für mich vorgesehen. Zum Thema Wirtschaftskammer bin ich ihm gefolgt, zum Thema Politik nicht! Er hat gemeint: Ich brauche dich, aber du musst Österreicher sein. Und so hat er damals die Doppelstaatsbürgerschaft für mich beantragt, was nicht leicht war. Seither sind die Freys, meine Kinder, meine Enkelkinder, alle Doppelstaatsbürger – Schweizer und Österreicher.

Du hast viel für Salzburg bewegt, bist auch Ehrensenator der PMU. Professor Resch hat aufgezeigt, wie du im Hintergrund und mit deinem Netzwerk wesentlich dazu beigetragen hast, dass die PMU in Salzburg entstanden ist. Wie kam es dazu?
Prof. Herbert Resch – er ist der jetzige Rektor – kam auf mich zu, nachdem alle Bemühungen, eine öffentliche medizinische Fakultät zu bekommen, gescheitert waren. Eine Gruppe von Ärzten, denen er vorstand, war, wie auch ich, der Meinung, dass für die erstklassige Versorgung des Landes eine medizinische Uni dazu gehört. Also war die Lösung eine private Universität! Es war ein sehr harter Weg, weil wir anfangs ausgelacht und als Fantasten abgetan wurden. Nach einer Reihe von Rückschlägen ist es letztlich gelungen. Ich hatte – vielleicht als Mann der Wirtschaft – zwei Vorteile gegenüber den Medizinern. Erstens, dass ich, was die Frage der Wirtschaftlichkeit betrifft, mehr Ahnung hatte. Und zweitens war ich aus dem Geschäftsleben gewohnt, dass man seine Ohrfeigen kriegt. Immer, wenn es geheißen hat, jetzt geht’s nicht mehr, hab ich versucht zu mobilisieren.
Unser Glück war, dass wir hervorragende Gönner gefunden haben, die uns auf der Basis eines ordentlichen Budgets in den ersten fünf Jahren großartig unterstützt haben. Die PMU ist seitdem gewaltig gewachsen und hat weit über die Grenzen des Landes hinaus einen hervorragenden Ruf. Im nächsten Schritt kommt ab dem Herbstsemester die Pharmazeutik hinzu.

Wie siehst du, als Mann der Wirtschaft, den lange anhaltenden Trend der Konzerne, Marke, Corporate Identity, Corporate Design über den gesamten Erdball zu spannen? Mittlerweile fangen die Konzerne doch langsam an umzudenken, weil der regionale Bezug verloren gegangen ist?
In den letzten Jahren dieses Globalisierungstrends habe ich immer wieder gesagt, dass die Hersteller immer stärker werden und die Händler fast zu Befehlsempfängern degradieren. Und dass dieses Pendel wieder einmal in die andere Richtung schlagen wird, wie du es gesagt hast. Aber ich muss feststellen, dass es noch nicht so weit ist. Quer durch alle Marken hast du als Händler zwar die volle kommerzielle Verantwortung, aber du bekommst vom Hersteller extrem Vieles vorgeschrieben.
Es gibt alle fünf Jahre einen neuen Vertrag, dann wird klar und deutlich gesagt: Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, bei dem wird es schlecht ausschauen. Außerdem ist das ganze Vertriebssystem auf Bonifikationen aufgebaut – wer die Vorschreibungen nicht erfüllt, hat entsprechende Abzüge. Das hat auch dazu geführt, dass die Zahl der KFZ-Händler in Europa in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen ist.

frey_garten_1Wie siehst du die Entwicklung der EU? In Zeiten des Brexit, des vorherrschenden Populismus und Nationalismus …
Ich war von den ersten Gesprächen an ein glühender Vertreter des vereinten Europas. Und ich bin es auch heute noch. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass die Wirtschaftsgruppen, die sich gebildet haben und zum Teil noch bilden – einerseits Amerika, andererseits China, die asiatischen Länder, wahrscheinlich unter der Führung von Indien – dass diese Wirtschaftsgruppen gewaltige Machtblöcke entwickeln. Wir in Europa haben viel Know-how, wir haben viele Menschen, die unerhört leistungsfähig und tüchtig sind, aber wir können dem wirtschaftlichen Druck aus diesen Gruppen nur dann widerstehen, wenn wir ein einiges Europa haben. Die jetzigen Bestrebungen verfolge ich mit großer Sorge, wobei ich glaube, dass auch eine Führungsschwäche in der EU besteht. Ich bin der Meinung, dass der Herr Junker nicht in der Lage ist, diese Aufgabe wahrzunehmen. Und ich glaube, gerade jetzt, nach der Entwicklung in Amerika, müssten alle vernünftigen Menschen in Europa zwingend sagen: Dort wird eine Politik der Isolation betrieben, wir müssen uns zusammentun, um entsprechend stark zu sein, um nicht in einzelne Gruppen zu zerfallen. Die Engländer hatten immer schon eine Extrawurst. Ich glaube, Großbritannien in der Gesamtheit wird nicht aus der EU gehen. Es wird innerhalb von Großbritannien eine Spaltung geben und ich glaube, dass die Engländer schlecht beraten sind.
Trump ist derzeit ein abschreckendes Beispiel, aber man sieht auch in Frankreich – und auch in Österreich – diese Sichtweise des falsch verstandenen Patriotismus. Es ist wohl das Problem, dass sich die Masse verstanden und angesprochen fühlt und dass mit solchen Impulsen Reaktionen ausgelöst werden, die dann fatal enden.
Derzeit sind in einigen Ländern, leider auch in Österreich, gewisse politische Gruppen zugange, die versuchen, mit Behauptungen, die sie durch nichts belegen können, Menschen in andere Richtungen zu bewegen, ohne konkret zu sagen, wohin. Marine Le Pen in Frankreich ist eine äußerst gefährliche Frau, Geert Wilders in Holland, in Deutschland die AfD und bei uns – diese Art des Vorgehens von Strache und seinen Mitstreitern findet absolut nicht meine Billigung. Absolut nicht.

Wenn diese Personen an die Macht kommen, glaubst du, dass sie außer groß zu reden auch etwas erreichen würden oder siehst du die Bewegung als kurzfristige Erscheinung?
Entweder sind sie kurzfristig da oder sie sind lernfähig. Man hat ja schon oft gesehen, dass, wie es so schön in der Bibel heißt, aus dem Saulus ein Paulus wurde. Diese Hoffnung darf man als Optimist niemals aufgeben.

Richtig. Darum kommen wir zu einem schöneren Thema: Familie wird bei euch als sehr starker Verband verstanden. Ist das eine der wesentlichen Säulen, die immer vorrangig war?
Das kann ich 100-prozentig mit Ja beantworten. Seinerzeit, als wir geheiratet haben, vor fast 50 Jahren, war es unser Bestreben, mehrere Kinder zu bekommen. Und dieses Glück wurde uns beschert.
Wir haben mit den Kindern, egal welchen Alters und welche Entwicklung sie genommen haben, ein sehr, sehr enges Verhältnis und das hat sich auf die Enkelkinder übertragen. Wir haben Enkelkinder, die ganz offen sagen: Wir haben zwei Zuhause, eines bei Mama und Papa und eines bei Opa und Oma. Es gibt auch immer wieder Familientreffen, wir tauschen Informationen mit den heutigen modernen Möglichkeiten aus. Egal, wann, wo und wer eine Nachricht schreibt, diese geht an alle über die Frey-WhatsApp Gruppe. In Bild und in Wort. Ich schätze das sehr und das ist für mich unverzichtbar. Die Familie ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens.

Das Herz und der Mittelpunkt der Familie ist deine Frau, nehme ich an?
Ganz eindeutig ist meine Frau der Mittelpunkt unserer Familie. Für mich ist sie seit nahezu 50 Jahren die wichtigste Stütze. Sie ist eine wunderbare Mutter und Großmutter und, wie wir immer wieder hören, eine sehr verträgliche und großartige Schwiegermutter. Meine Frau hält uns alle zusammen und liebt es, für die Kinder und Enkelkinder zu kochen und zu sorgen, wenn sie bei uns sind. Darum ist bei uns „Full House“ ganz normal!

Zum Thema „Frey-Raum“, womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?
Meine Freizeitbeschäftigungen, das sind zwei total konträre. Einerseits, seit meinem 14. Lebensjahr, die starke Bindung zu Musik und Theater. Klassische Musik, wie man heute sagt, E-Musik in allen Variationen. Die große Liebe zu Theater, Oper, Schauspiel, Operette, Musical – das erlebt gerade eine Renaissance, weil unser Sohn in diese Richtung gegangen und damit sehr erfolgreich ist. Natürlich wurden durch ihn ganz neue und sehr, sehr schöne Impulse gesetzt.
Die zweite Freizeitbeschäftigung kam etwa 20 Jahre später. Durch einen Freund animiert, bin ich auf eine Jagd mitgegangen und habe gesehen, wie schön das ist. Ich habe daraufhin die Jagdprüfung gemacht, das ist jetzt auch gerade 51 Jahre her. Ich betreibe die Jagd nach wie vor mit großer Liebe.

Noch eine Frage zur Musik: Wir haben einmal über die Così fan tutte von Böhm gesprochen. Vergleichst du die Inszenierungen miteinander? Wie weit reicht deine Auseinandersetzung mit der klassischen Musik?
Natürlich betrachte ich diese sehr kritisch, bin aber durchaus gerade in der Oper der Meinung, dass die Zeit, als der Sänger nur auf der Bühne stand und schön sang, längst vorbei ist. Sänger müssen heute auch Darsteller sein und der Regisseur muss aus der Geschichte eine wirkliche Handlung formen, sonst hat die Oper keine Zukunft. Was die musikalische Interpretation betrifft, gibt es für mich sogenannte Götter, das ist aber sehr subjektiv. Einer dieser Götter ist für mich Karl Böhm. Egal, ob auf CD, auf einer alten Schallplatte oder im Klassik-Kanal – ich brauche nur die ersten zehn Takte zu hören und sag: Das is‘ er.

Zum Abschluss noch zwei Fragen. Glaubst du an Gott?
Absolut. Ich habe eine Beziehung zu meiner Religion. Ich bin Katholik und glaube an Gott. Immer wieder suche ich den Weg dorthin, um Einkehr zu halten. Auch meine Gedanken an ein Nachher sind damit verbunden.

Was möchtest du deiner Nachwelt hinterlassen?
Dass sie ein Leben leben, so wie es mein Lebensziel ist. Dass man am Ende, egal wann es ist, sagen kann: Ich glaub, das war‘s. Das wünsche ich all meinen Kindern, all meinen Enkelkindern.
Egal, welchen Weg sie gehen werden. Ich habe mir auch meinen Lebensweg ausgesucht und das steht natürlich genauso unseren Kindern und Enkelkindern zu. Das versuche ich, ihnen mitzugeben. Zufrieden zu sein, die schönen Dinge des Lebens zu sehen und dafür dankbar zu sein. Je älter man wird, desto öfter wacht man in der Früh auf und sagt „Danke“.

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Ehrensenator Rudolf Frey bei der Überreichung der Urkunde durch Rektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Herbert Resch.

Foto: wildbild

Musikempfehlungen mit Karl Böhm

Cosi fan tutte mit Christa Ludwig
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Mozart Requiem
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Don Giovanni mit Fischer-Dieskau
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Karl Böhm Portrait
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