beitragsbild_drexel

Spaziergang mit Andrea & Gerhard Drexel

Ein Paar wie aus dem Bilderbuch – Andrea Drexel, Geschäftsführerin des Vereins Rettet das Kind und Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der SPAR Österreich, verbindet vieles, beruflich wie privat. Im Gespräch mit der DIE SALZBURGERIN sprechen die beiden über ihr Leben, ihr Engagement, ihre Strategie zum Glück und vieles mehr.
Ein Artikel von Doris Thallinger
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Frau Drexel, Sie sind nun seit fünf Jahren Geschäftsführerin des Vereins Rettet das Kind, bereits seit zehn Jahren im Vorstand. Warum haben Sie sich entschieden, Ihr Engagement diesem Zwecke zu widmen?
A.D.: Ich bin ein sehr dankbarer Mensch, der nicht einfach durchs Leben geht und sagt, alles ist selbstverständlich. Ich finde, man muss dankbar sein für das, was man hat. Und ich habe mir gedacht, uns geht’s wirklich so gut, eigentlich haben wir alles. Ich schätze sehr, was ich erreicht habe in meinem Leben. Und ich möchte das ein Stück weit zurückgeben, was mir schon in die Wiege gelegt wurde, ohne dass ich etwas dafür kann. Denn, wer entscheidet, wo ein Kind auf die Welt kommt? Damit ist das Schicksal schon sehr oft besiegelt. Ich spüre bei meiner Arbeit, dass sie mich erdet. Es gibt einen sehr schönen Spruch von Buddha: „Happiness is not having a lot, happiness is giving a lot.“ Wenn man es überschreiben möchte, ist das der Grund, der mich bewegt.

Welcher Weg hat Sie dorthin gebracht, wo Sie heute stehen?
A.D.: Ich habe in Innsbruck BWL studiert, und nach meinem Studium haben mich meine Wege nach Salzburg geführt. Mein Mann – damals war er noch nicht mein Mann, aber wir haben uns schon gekannt, als ich in Innsbruck studiert habe – war bereits in Salzburg, darum war die Entscheidung einfach. Ich habe zwei Jahre lang bei Porsche Austria in der Marktforschungsabteilung gearbeitet. Dann haben wir geheiratet und unser erster Sohn ist auf die Welt gekommen. Zuerst denkt man sich, man wird gleich wieder arbeiten gehen. Das ändert sich aber rasch, wenn man ein Kind zuhause hat. Es war für mich sehr schön, bei meinen Kindern zu sein, und ich wollte nicht gleich wieder ins Berufsleben starten. 2003 ist unser zweiter Sohn auf die Welt gekommen. Ich hab das Gefühl, ich kann sehr gut auf mich selber hören, ich weiß sehr genau, was das Richtige ist. Und ich hab immer das Gefühl gehabt, dass es so richtig und wichtig ist, dass ich zuhause bei den Kindern bin. Ich war zwölf Jahre zuhause und habe das immer als meinen Beruf angesehen. Ganz selbstbewusst, wann immer man mich gefragt hat, habe ich gesagt, ich bin Hausfrau und Mutter. Vor fünf Jahren habe ich dann gespürt, jetzt ist es soweit, ich möchte wieder starten.

Herr Drexel, inwieweit war Ihr Weg von Anfang an klar und vorgezeichnet?
G.D.: Gar nicht. Natürlich waren zuhause Handel, Lebensmittel und SPAR immer ein Thema. Das ist in einer Familie so, dass darüber gesprochen wird. Natürlich habe ich viel indirekt oder unbewusst mitbekommen, aber ich wollte bewusst meinen eigenen Weg gehen. Nach meiner Schulzeit in Dornbirn habe ich in St. Gallen in der Schweiz BWL studiert. Im Anschluss habe ich das Doktorat an der Universität Innsbruck gemacht. Nach dem doch sehr strengen St. Galler Studienplan habe ich die Freiheit des Doktorats-Studiums sehr genossen.
Meine erste Arbeitsstelle hat mich wieder in die Schweiz geführt, zuerst nach Basel, interessanterweise zu einem Lebensmittelhändler. Ich war drei Jahre in der Zentrale von Coop Schweiz. Danach war ich wieder in St. Gallen, etwas mehr als sechs Jahre habe ich im Management Zentrum St. Gallen von Professor Fredmund Malik gearbeitet, einem bekannten internationalen Beratungsunternehmen. Hier habe ich viele tolle Projekte in der internationalen Beratung leiten dürfen.
Und das hat mich indirekt zur SPAR gebracht. 1988/89 hat das Management Zentrum St. Gallen den Auftrag bekommen, für SPAR Österreich die Strategie für das Jahr 2000 zu erarbeiten. Dieses Projekt hat Prof. Malik mir anvertraut. Nach einem guten Jahr fand der finale Strategieworkshop statt, bei dem viele Dinge entschieden wurden, beispielsweise, dass wir bereit sind, über die Grenzen ins Ausland zu gehen. Im Zuge dessen hat man mir angeboten zu bleiben und mit dazu beizutragen, die Strategie umzusetzen. So bin ich zu Beginn des Jahres 1990 in den SPAR Vorstand gekommen. Und mittlerweile sind 27 Jahre vergangen.

_MG_4817Seitdem hat sich viel getan – aus heutiger Sicht: Hat der Konzern Sie geprägt oder haben Sie den Konzern geprägt?
G.D.: Inwieweit ich den Konzern geprägt habe, diese Antwort muss ich anderen überlassen, das wäre nicht angemessen, darüber zu philosophieren. Sicherlich hat der Konzern, die SPAR Österreich Gruppe, mich stark geprägt. Der Lebensmittelhandel ist eine extrem attraktive Branche! Was gibt es Schöneres, als mit besten und frischesten Lebensmitteln täglich zu tun zu haben und auch immer wieder neue gesunde Eigenmarken zu entwickeln, diese auf den Markt zu bringen und zu promoten. Das ist eine wunderschöne, eine sinnstiftende und auch gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe. Wenn man die Chance, die Gnade hat, das schon seit 27 Jahren machen zu dürfen, dann prägt einen das.

Wie geht es Ihnen bei Ihrer Arbeit, Frau Drexel, wenn Sie oftmals mit schlimmen Schicksalen konfrontiert werden?
A.D.: Wenn ich daran zurückdenke, als ich zum ersten Mal in unsere Einrichtung „Pier 47“ nach St. Gilgen (Anm. d. Red.: Im „Pier 47“ in St. Gilgen sind minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge untergebracht) gefahren bin, war ich innerlich auf Traurigkeit und Niedergeschlagenheit vorbereitet. Und dann habe ich junge Menschen kennengelernt, die lebensfroh und positiv waren, durchwegs fröhliche Persönlichkeiten. Es ist schön, wenn man sieht, dass sie die Lebensfreude nicht verloren haben, auch wenn es für sie natürlich auch viele schwierige Momente gibt.

Nagt es an einem, wenn man das Leid und die Armut sieht?
A.D.: Das berührt mich sehr, zu sehen, was alles in einem Leben passieren kann. Oft unverschuldet. Natürlich wissen auch unsere Kinder, was ich mache. Die staunen manchmal, wenn ich ihnen Geschichten erzähle, wie es anderen geht. Und ich finde es wichtig, dass sie sehen, dass es nicht nur irgendwo weit weg, sondern hier bei uns, auch Jugendliche gibt, denen es nicht gut geht. Darüber sprechen wir häufig.

Was ist in diesem Sinne die Botschaft, die Sie Ihren Kindern mitgeben möchten?
G.D.: Achtsamkeit. Offene Augen für alles zu haben, was im Leben wichtig ist.
A.D.: Und Wertschätzung. Ich glaube, man wird sehr geprägt davon, welche Werte einem selbst von der Familie vermittelt wurden. Diese Werte möchte man auch weitergeben. Es gibt ein schönes Zitat von Goethe: Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Ich habe dies ganz stark bei uns zuhause so erlebt, genau wie mein Mann. Wir haben beide mehrere Geschwister und sind in großen Familien aufgewachsen. Das hat uns den Halt, die Wurzeln gegeben, wenn wir sie gebraucht haben.
G.D.: Und als es soweit war loszulassen, haben wir die Flügel bekommen.
A.D.: Wenn wir das auch so schaffen, dann denke ich, haben wir unseren Kindern viel auf den Weg mitgegeben.
G.D.: Der Spruch gilt genauso in der Mitarbeiterführung. Es geht darum, dass die Vorgesetzten ihren Mitarbeitern Wurzeln geben, ein betriebliches Zuhause, den Halt und die Unterstützung, die sie brauchen. Aber genauso wichtig ist es, dass die Führungskräfte den Mitarbeitern Flügel geben, Chancen, Entwicklungsmöglichkeiten. Sodass die Mitarbeiter wachsen können. Sogar über sich hinauswachsen können, das ist der Idealzustand.
Dieses Bild, das für die Kindeserziehung gilt – das klingt jetzt vielleicht ein wenig überraschend – aber dieses Bild gilt auch für die Mitarbeiterführung.

_MG_4707-KopieStichwort Mitarbeiterführung und Management: Kann man in Ihrer Position überhaupt überwiegend ethisch handeln?
G.D.: Sicherlich ist es ein ständiges Bemühen, dass die Mitarbeiterführung werteorientiert ist, gerade in der heutigen Zeit. Für uns ist die Unternehmenskultur ein sehr wichtiger Begriff! Wir drücken die gewünschte Unternehmenskultur mit drei Zielattributen aus: Wir wollen menschenfreundlich, innovativ und – ganz wichtig – unbürokratisch sein.

Welche persönlichen Kompromisse gehen Sie ein zugunsten des Unternehmens?
G.D.: Ich würde es nicht Kompromisse nennen, aber ich würde sagen, dass der Arbeitstag in der Regel doch recht lange ist. Wenn ich in Salzburg bin, kann er schon 13 bis 14 Stunden haben. Aber die Arbeit macht Spaß, sie stiftet sehr viel Sinn, es ist schön, mit meinen Mitarbeitern zusammen zu arbeiten, dann verspürt man die viele Arbeit gar nicht so sehr als Last und Bürde. Dafür gibt es dann den einen oder anderen Tag am Wochenende, wo man wieder Energie tanken kann, die Energiequellen anzapfen kann, da empfindet man die Last der täglichen Arbeit nicht mehr als Last.

Welche Strategien haben Sie beide für sich persönlich, jeden Tag aufs Neue Kraft zu schöpfen?
A.D.: Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man für sich seine Energietankstellen kennt.

Was wäre zum Beispiel für Sie beide so eine Energietankstelle?
A.D.: Unsere wichtigste Energietankstelle ist die Familie. Wir mögen es sehr, wenn wir am Wochenende alle zusammen sind. Und wir schaffen es sogar, jeden Tag gemeinsam zu frühstücken, wobei es meist recht schnell gehen muss.
Wenn mein Mann nicht beruflich unterwegs ist, essen wir auch immer gemeinsam zu Abend, und jeder erzählt von seinem Tag. Das schätzen auch die Kinder sehr. Und dann macht jeder wieder das, was er noch zu tun hat. Der eine muss noch lernen, mein Mann muss öfter noch in unserem Büro zu Hause ein bisschen arbeiten.
G.D.: An den Wochenenden ist es unsere Energietankstelle, draußen in der Natur zu sein. Und: das gemeinsame Kochen! Diesen zeitlichen Luxus, dass ich gemeinsam mit meiner Frau koche, den gönnen wir uns am Wochenende. Und manchmal kochen auch die Kinder mit.
Ich finde es schön, wenn wir unsere Kinder dahin führen können, dass sie gerne mit Lebensmitteln umgehen. In der deutschen Sprache ist der Ausdruck Lebensmittel so ein schöner, ein sinnstiftender: Lebensmittel sind Mittel zum Leben.

_MG_5005Wer von Ihnen beiden kocht denn besser?
G.D.: Das ist keine Frage, meine Frau ist eine begnadete Köchin, da bin ich nur für niedere Hilfsdienste vorgesehen in der Küche, aber das macht auch Spaß.

Wer ist für den Einkauf verantwortlich?
A.D.: Da ich wirklich sehr gern koche, und auch sehr viel koche, gehe ich einkaufen. Wobei das Einkaufen oft ein bisschen länger dauert, weil es mir einfach Spaß macht. Wo ich einkaufe, das ist ganz unterschiedlich, aber natürlich immer bei Spar: Oft gehe ich zum Spar-Einzelhändler bei uns in der Nähe, das ist ein kleines, feines Geschäft. Wenn ich mehr einkaufen muss, geh ich gern zu Interspar, um wirklich alle Vorräte aufzufüllen. Ja, für den Einkauf bin eindeutig ich verantwortlich – außer samstags.
G.D.: Ja, am Samstagvormittag geh ich einkaufen zu unserem Spar-Einzelhändler ums Eck, um frisches Gebäck und viele andere feine Sachen einzukaufen.

Wenn Sie von jetzt sofort an einen Monat Auszeit hätten – wie würden Sie die Zeit nutzen?
G.D.: Ich glaube, wenn wir jetzt etwas auf einen Zettel schreiben würden, ohne dass es der andere lesen kann, würden wir beide dasselbe aufschreiben…
A.D.: Nach Italien fahren. Um Italien kommen wir bei unserer Urlaubsplanung selten herum – am Ende landen wir doch immer wieder in Italien. Und wenn wir einfach die Zeit hätten, an nichts denken müssten, dann würden wir uns wohl ins Auto setzen, auf der einen Seite des Stiefels hinunter fahren und auf der anderen Seite wieder hinauf.

Italien hat ja auch kulturell sehr viel zu bieten. Welchen Stellenwert haben Kunst und Kultur in Ihrem Leben?
A.D.: Wir leben ja in Salzburg, in dieser großen Festspiel-Stadt und das nützen wir auch jedes Jahr sehr gerne, um die Festspiele zu besuchen. Auf der einen Seite sind es die kulturellen Darbietungen, die uns sehr gefallen. Heuer zum Beispiel sind wir schon gespannt auf den Jedermann, der ja neu inszeniert wird. Aber ich finde auch, dass die Stadt zu dieser Zeit ein ganz besonderes Flair hat. Im Sommer ist es wunderschön, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren und dieses Festspielflair auf sich wirken zu lassen.

Wie fühlen Sie sich denn als Vorarlberger in Salzburg?
G.D.: Gut, sehr gut. Salzburg ist für mich so etwas wie ein kleiner Schmelztiegel. Wir haben viele Beziehungen und Kontakte, und oftmals scheint es uns so, dass wir gar nicht so viele echte Salzburger antreffen, sondern auch viele Zugereiste, wie wir es sind.
A.D.: Wir fühlen uns sehr wohl in Salzburg, wir haben das Gefühl, hier zuhause zu sein. Natürlich sind wir auch gern in Vorarlberg, um unsere Familien zu besuchen: Mein Mann hat drei Geschwister, ich habe vier Geschwister, auch unsere Eltern leben in Vorarlberg. Ich empfinde es immer als einen wunderschönen Besuch, und dann fahren wir wieder nach Hause. Wir fühlen uns sehr wohl in Salzburg, du seit 27 Jahren, ich seit 20 Jahren.

Da zählt man ja schon fast als „echter Salzburger“.
G.D.: Sprachlich vielleicht noch nicht ganz.
A.D.: Inzwischen habe ich auch ein Dirndl. Ich habe zwar zehn Jahre gebraucht, bis ich mich reif dafür gefühlt habe, aber jetzt trage ich es sehr gerne.

Herr Drexel, gehen Sie dann auch in Tracht?
G.D.: So weit bin ich noch nicht.
A.D.: Aber wir sind am Weg dorthin!

Wofür sind Sie dankbar und gibt es etwas, was Ihnen zum Glück fehlt?
A.D.: Ich finde, man sollte nie vergessen, dankbar zu sein im Leben. Gerade hier, wo wir leben, in Salzburg, Österreich, Europa, das ist schon ein gesegneter Platz. Ich bin für vieles dankbar im Leben, vor allem für meine Familie, die ein ganz wichtiger Wert ist. Und ich bin auch dankbar, die Chance zu haben, vielleicht ein Stück von diesem Glück weitergeben zu können.
Was fehlt mir zum Glück? Da fällt mir gar nicht mehr viel ein. Vielleicht wirklich, dass wir einmal für einen ganzen Monat nach Italien fahren können. Aber das ist dann schon sehr hochgegriffen. Eigentlich ist es schön, wie es ist, und am besten sollte es immer so weitergehen. Man muss sich dessen bewusst sein, dass es einem gut geht, und auch daran arbeiten. Es ist ganz viel Einstellungssache, wie man die Dinge sieht.
G.D.: Ich kann nur unterstreichen, was meine Frau gesagt hat. Ich bin dankbar dafür, was das Leben bisher für mich bereit gehalten hat. Für die Familie im engeren und im weiteren Sinn des Wortes. Meine Frau, die Kinder, die Arbeit, das Unternehmen, die Freunde, Nachbarn, … Das Leben hat es bisher sehr gut mit uns gemeint, und ich kann auch nur hoffen, dass das ganz lange so weiter geht. Aber ganz wichtig ist es auch, dass man immer an sich arbeitet und nicht stehen bleibt und immer überlegt, wie schaut deine Weiterentwicklung aus, das muss gar nichts Spektakuläres sein, aber eine sanfte organische Weiterentwicklung in die richtige Richtung.
Wichtig ist es, zu reflektieren, dass man nicht einfach nur in den Tag hineinlebt und der Getriebene des eigenen Terminkalenders ist, dass man sich, soweit das geht, ein gutes Stück selbst steuern kann und nicht ausschließlich fremdgesteuert ist. Das ist auch ein wichtiges Prinzip innerhalb des – wie wir es nennen – eigenen Glücksmanagements.

„Mitarbeiter müssen wachsen  können, im Idealfall über sich hinaus wachsen können.“

„Ich bin dankbar, die Chance zu haben, vielleicht ein kleines Stück von meinem Glück weiter geben zu können.“

44 total views, 2 views today

Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon