Sex: Pflicht und Kür

kolumne andrea hammerer

Wenn sexuelle Verfügbarkeit zur Pflicht wird, wird die schönste Nebensache der Welt zu einem traurigen Vorgang. Orgasmen werden vorgetäuscht – mittlerweile haben das auch Männer für sich entdeckt – man gibt sich verfügbar, um den anderen nicht zu frustrieren, um einem klärenden Gespräch über tiefe Ängste, unüberwindliche Distanz und Vertrauensbrüche aus dem Weg zu gehen und hakt das Geschehen ab, damit man wieder mal für ein paar Tage oder Wochen seine Ruhe hat. Was geht hier vor und ist das nicht ein jahrhundertealter Hut? Ja, ist es. Früher war es dem Mann eher egal, die Frau hatte still zu halten. Heute erleben wir einen Leistungsdruck wie im Sport, ein Konsumverhalten wie im Supermarkt, wir trainieren unsere sexuelle Leistungsfähigkeit, als stünde ein Marathon an. Immer wieder klagen Frauen bei mir in der Praxis darüber, dass ihr neuer Geliebter einen unglaublichen Ehrgeiz zeigt, sie zum Höhepunkt zu bringen, als ginge es um einen Elfmeter. Im schlimmsten Fall mit den Worten, er habe es noch jeder vor ihr jedes Mal besorgt, sie soll sich also nicht so anstellen oder sich therapieren lassen. Dann bringen sie die Arme zu mir zur Reparatur. So geht das nicht, meine Herren. Ihr dürft uns nicht für unsere Vorgängerinnen, die mitunter grandiose Schauspielerinnen sind, büßen lassen. Wenn eine Frau damit Probleme hat, sich hinzugeben, dann ist ihr sehr wohl zu helfen, aber das Bedürfnis nach dem berühmten Loslassen muss von ihr selbst kommen. Bei der körperlichen Vereinigung eines liebenden Paares geht es nicht um die Pflicht des gemeinsamen Höhepunktes, es geht um den Vorgang des vielleicht altmodisch klingenden ‚Liebemachens‘ und DABEI ist es ganz leicht, alle Hemmungen loszulassen.

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