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„Sehnsucht ist mein Antrieb“

Seine Stimme bringt nicht nur Mädchenherzen zum Schmelzen; seine Texte drücken aus, was jeder schon einmal gefühlt hat. Julian le Play gibt unserem Schmerz, unserer Sehnsucht eine Stimme – und ist selbst dennoch Optimist. Im Interview mit der DIE SALZBURGERIN gibt er Einblicke, spricht er über Gefühle, seinen Antrieb und seine Salzburg-Erinnerungen.
Ein Artikel von Doris Thallinger
Fotos: Max Parovsky

Fotos: Max Parovsky

In deinem aktuellen Album Zugvögel geht es sehr viel um Fernweh. Kennst du auch das Gegenteil? Heimweh?
Hmmm, das Heimweh, lass mich mal überlegen. Das ist dann weniger ein Weh als eine Freude. Ich weiß ja, dass ich wieder nach Hause komme. Man denkt daran, was zuhause auf einen wartet, die Plätze, die Menschen, alles, was einem wichtig ist. Das Fernweh ist immer sehr melancholisch und grüblerisch. Das Heimweh ist nicht melancholisch, das ist einfach ein „Boah, ich freu mich auf zuhause!“

Was bezeichnest du als deine Heimat?
Heimat ist für mich in erster Linie durch Menschen definiert, durch meine Menschen: Familie, Freunde, meine Freundin. Natürlich, mir liegt auch sehr viel an Wien, ich mag die Plätze. Aber es sind hauptsächlich die Menschen, die für mich Heimat sind.

Woher rührt diese Sehnsucht, die aus vielen deinen Liedern spricht? Wonach hast du Sehnsucht?
Oft einfach danach, dass sich etwas verändert. Es ist etwas Getriebenes, man will, dass sich ständig was tut. Ich will woanders hin, ich will etwas sehen. Was schlimm für mich ist, wenn lange Zeit nichts passiert. Wenn ich das Gefühl hab, bei mir ändert sich jetzt nix mehr. Deswegen ist Sehnsucht auch ein cooler Antrieb. Man sehnt sich nach irgendwas, das man sich wünscht, dass es passiert. Und hat dann dadurch einen schönen Antrieb. Es ist falsch zu denken, dass so jemand trist und traurig ist. Im Gegenteil, man hat dann ein Ziel.

Deine Lieder haben oftmals etwas Melancholisches. Wie würdest du deine eigene Lebenseinstellung beschreiben? Positiv oder negativ? Optimist oder Pessimist?
Sehr positiv. Und sehr optimistisch. Das ewige Sudern, das mag ich gar nicht. Dann sag ich immer, ja und jetzt erzähl mir bitte etwas Positives, oft auch, um den Leuten einen Spiegel vorzuhalten.

Du bist ja auch ein erklärter Mädchenschwarm…
Natürlich ist es auffällig, dass mehr Frauen im Publikum sind, wenn wir spielen. Aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele Männer kommen und auch viele „ziemlich erwachsene Männer“. Je länger ich spiele, umso erwachsener werden auch die Leute und ebenso die Männer, die sich trauen zu kommen.

Macht bzw. hat deine Berühmtheit es dir leichter oder schwerer gemacht, eine Freundin zu finden, dich zu verlieben, das Echte vom Falschen zu unterscheiden?
Es ist nicht viel anders als bevor ich bekannt geworden bin. Entweder, du schaffst es, eine Konversation mit einem Mädel zustande zu bringen, oder nicht. Das ist vor oder nach dem Bekanntwerden nicht viel anders. Außer dass natürlich mehr auf einen zukommen, das ist anders.

JLP05_c_Max_ParovskyWieder zurück zu deiner Musik. Immer wieder musst du dir Vergleiche mit Xavier Naidoo gefallen lassen? Macht das stolz oder nervt es?
Nein, es gäbe weit schlimmere Vergleiche, ich mag ihn ja tatsächlich sehr gern. Und er war früher, als ich ein Kind war, tatsächlich so etwas wie ein Idol. Und im Mai gehen wir auf Tour mit ihm, mit den Söhnen Mannheims. Dann lern ich ihn ja wohl auch kennen. Das ist schon ein Vergleich, der für mich passt.

Ist es im nächsten Schritt angedacht, englischsprachige Songs zu schreiben? Um auch außerhalb des deutschsprachigen Raums punkten zu können?
Momentan nicht. Da müsste irgendwas passieren in mir oder ich müsste irgendjemanden treffen, mit dem ich Lust habe, das zusammen zu machen. Aber jetzt grad nicht.

Kannst du dir vorstellen, auch einmal Lieder auf Österreichisch zu singen?
Auch nicht. Nein, das wäre ja auch vollkommen unglaubwürdig. So wie umgekehrt, wenn einer, der immer Dialekt singt, dann plötzlich hochdeutsch singt. Außer irgendwann fragt mich wer, ob ich Lust habe, eine Fendrich-Nummer zu covern, auf eine coole Art und Weise. Dann würd ich sagen, okay, ich probier‘s, aber ich würde vermutlich trotzdem Hochdeutsch singen. Ich bin so aufgewachsen, so wie ich jetzt spreche. Ich verstehe Dialekt, aber, wenn ich im Dialekt singe, klingt es, glaub ich, komisch.

Welche Musik hörst du ganz privat?
Nebenbei zum Abschalten meistens Jazz, Piano Jazz, meist auch was ohne Gesang. Ich höre auch sehr gerne deutschen Hip-Hop, Samy Deluxe, Max Herre, Freundeskreis, Verschiedenstes. Früher, als ich noch jugendlich war, bin ich extrem oft auf Festivals gefahren, auch nach Salzburg aufs Frequency. Die Indie- und Alternative-Schiene mag ich auch sehr gern.

Hast du jetzt gesagt, als du noch jugendlich warst?
Ja, na gut, ich bin 25. Jugend kann ich jetzt auch nicht mehr sagen. Oder?

Geht es dir manchmal so, dass du lieber etwas ganz anderes machen würdest, etwas Wildes, Böses? So richtig aus dem Schema ausbrechen?
Hie und da. Da sitz ich da und komponier etwas, und merke, okay, das passt jetzt aber gar nicht so zu meinem Sound. Aber ich speicher es mir trotzdem ab und denk mir, na vielleicht wird das ja mal was anderes. Vielleicht tu ich mich einmal mit jemand anderem auf ein Feature zusammen, mach mal was mit einem Hip-Hopper, mach mal was mit einem Elektroniker. Ich hab da einen Ordner mit Ideen und wenn ich das Gefühl habe, dass es passt, kann es schon sein.

Glaubst du, dass die Art Musik, wie du sie machst, ein natürliches Ablaufdatum hat? Dass die Menschen irgendwann genug haben von deutschsprachigen, emotionsgeladenen und weichen Songs?
Nein, ich glaub, für Texte und Inhalte, die berühren, gibt’s keine Phase. Die Leute haben auch nicht manchmal Gefühle und dann wieder nicht. Was sich ändert, was Phasen sind, das ist das musikalische Gewand drumherum. Man merkt, innerhalb von Jahrzehnten wechseln sich die Musikstile immer wieder ab. Prinzipiell, über Gefühle zu singen, das passiert seit ewig.

Hast du dir jemals vorstellen können, beruflich etwas anderes zu machen? Etwas, das nicht mit Musik zu tun hat? Du hast ja – zumindest kurz – Politikwissenschaft studiert…
Naja, ich habe mich damals viel informiert, war engagiert bei NGOs und hab von klein auf Nachrichten geschaut. Ich interessiere mich schon immer für das, was passiert. Und das war vielleicht auch der Grund, nicht weil ich in die Politik gehen wollte, sondern weil mich das ganze System, Politik und Geschichte, einfach interessiert hat. Ich hab das aus Interesse studiert. Gar nicht so mit dem Ziel, da jetzt was zu machen. Für mich war immer klar, dass es etwas mit Musik sein wird.

Du hast von klein auf schon Auftritte gehabt. War da in jungen Jahren der Druck der Eltern dahinter?
Nein, gar nicht. Ich habe die ersten Gehversuche mit drei, vier Jahren gemacht in der frühmusikalischen Erziehung. Und irgendwann, als ich noch klein war, hab ich einfach Lust bekommen, Klavierunterricht zu nehmen und auf Konzerte zu gehen. Eher im Gegenteil, für meine Eltern war es mühsam, weil sie mit mir zwei, drei Mal die Woche in den Chorunterricht fahren und mich in den Klavierunterricht bringen mussten.

Am 5. März bist du in Salzburg zu sehen. Wie gut kennst du Salzburg?
Wie gesagt, das Frequency ist so meine erste Erinnerung. Da war ich jedes Mal im Sommer am Frequency, das ist so meine erste Salzburg-Erinnerung. Aber ich war mittlerweile schon oft in Salzburg und mag die Stadt gerne. Ich würd nicht sagen, dass ich sie gut kenn, aber zumindest ein bisschen.

Hast du vor dem Konzert auch noch etwas Zeit, die Stadt zu genießen? Gibt es einen Tipp, wo man dich vielleicht antreffen könnte?
Nein, da musst du mir einen Tipp geben, was es so gibt. Aber ich denke, irgendwo in der Innenstadt werden wir herumlaufen, aber ich habe grad echt kein konkretes Lokal im Kopf.

Julian le Play - Sehnsucht...

Julian le Play wurde am 27. Juni 1991 als Julian Heidrich geboren. Die Musik und die Bühne bestimmen von jungen Jahren an sein Leben: Chor, Klavierunterricht, die Teilnahme am Kiddy Contest, Moderator beim ORF Kinder-TV, die Teilnahme an der Casting-Show „Helden von morgen“ und schließlich der Job als Radiomoderator auf Ö3. Mittlerweile hat Julian le Play drei Alben aufgenommen, mit dem aktuellen „Zugvögel“ tourt er derzeit durch Österreich. Am 5. März beehrt er Salzburg. Und danach stehen die Chancen gar nicht schlecht, den charmanten Sänger in der Salzburger
Innenstadt zu treffen.
Übrigens: Seine ersten Erinnerungen an Salzburg haben auch mit Musik zu tun: In seiner „Jugend“ (O-Ton) ist er regelmäßig zum Frequency Festival gepilgert.

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