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Schokolade ist meine Droge

Die Schauspielerin Sabine Petzl hat – nach vielen Jahren in Norddeutschland – in Salzburg eine neue Heimat gefunden. Hier findet sie die Ruhe, um sich neuen Projekten zu widmen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Hundebaby Susie in der Hellbrunner Allee hat das Multitalent offen über ihr Privat- und Berufsleben, und über ihren Entschluss, sich für den Playboy ablichten zu lassen, geplaudert.

Sabine, wir haben uns hier an einem deiner Lieblingsplätze getroffen. Seit gut einem Jahr lebst du in Salzburg. Was hat dich nach Salzburg verschlagen?

Das ist eine gute Frage. Ich war sieben Jahre lang in Norddeutschland. Ganz oben im Norden, für die Dreharbeiten zur ZDF Küstenwache. Da, wo nichts mehr ist! Das kulinarische, menschliche, kulturelle, klimatische Nichts. Und ich habe einfach Sehnsucht gehabt, wieder zurück in mein schönes Österreich zu kommen. Die erste Überlegung war, wieder nach Wien zu gehen. Aber dann hat sich Salzburg einfach so ergeben. Ich habe hier noch viele Freunde aus den Zeiten der Dreharbeiten zu „Medicopter 117“. Außerdem hatte ich immer einen Bezug zu Stadt und Land. Schon aus meiner frühen Jugend, der Vater meines allerersten Freundes war Arzt in Mühlbach am Hochkönig. Dort haben wir alle Ferien verbracht. Nach der Zeit in Norddeutschland hatte ich so eine Sehnsucht nach Lieblichkeit und nach Schnörkel, nach Schönheit, nach gutem Essen – einfach nach ästhetischen Dingen. Und da war Salzburg natürlich naheliegend.

Wie lautet dein Resümee nach einem Jahr?

Ich vermisse überhaupt nichts, ganz im Gegenteil. Ich hatte es mir anfangs schwieriger vorgestellt, hier anzukommen. Natürlich hatte ich ein bisschen Sorge wegen meines Sohnes, der ist jetzt 14 Jahre alt, als wir hergezogen sind, war er 13. Und natürlich hatte er Freunde in Norddeutschland. Aber dadurch, dass er Sportler und von seinem Naturell her sehr flexibel und offen ist – er ist Tormann beim Nachwuchs von Grödig und dazu Zwilling vom Sternzeichen – habe ich gewusst: wir werden zwei Wochen hier sein, und es ist, als wäre er nie woanders gewesen.

Beruflich bist du auch in Salzburg angekommen?

Es hat, glaube ich, etwas gedauert, bis es sich herum gesprochen hat, dass ich nun in Salzburg bin. Worüber ich aber auch froh war. Wenn du über viele Jahre eine Hauptrolle in einer Serie spielst und von Februar bis Dezember drehst, bleibt leider nie Zeit dafür, vielleicht einmal irgendwo Theater zu spielen oder einmal eine andere Rolle anzunehmen. Viele Dinge bleiben total auf der Strecke. Und darum war ich sehr froh, dass ich ein wenig Zeit hatte, anzukommen, meine Kisten auszupacken und mich einzufinden.

Ich habe in der Zeit mein Herzensprojekt KIBUKI sehr gepflegt. Das läuft nun sehr gut und hat ein unglaubliches Potenzial, weil es zeitlos und sehr wertvoll ist. Derzeit arbeite ich an meinem ersten Bilderbuch. Die Geschichte gibt es schon lange, die liegt schon lange in der Schublade. Es wäre fast daran gescheitert, dass ich keinen gescheiten, und vor allem leistbaren Illustrator gefunden habe. Aber dann habe ich mich einfach selber hingesetzt und nun mache ich auch die Illustrationen selbst.

Du bist ja ein Multitalent…

Ja! (lacht) Ich bin ganz stolz. Im Grunde ist es ein Ganzes – es gibt das KIBUKI, das Programm, mit dem ich unterwegs bin, das gut gebucht wird. Dahinter steckt ein Konzept, das bewirken soll, dass die Eltern das Ritual des Vorlesens wieder für sich entdecken. Es gibt ja eine CD mit dem „Buki-Lied“, das auch während der Vorstellungen immer wieder gesungen wird. Es handelt von Buki, dem Elfenkind – das ist meine Handpuppe. Auch in dem Buch, das gerade im Entstehen ist, geht es um die Geschichte von Buki. Es ist ein Gesamtes, und ich bin wirklich stolz darauf, weil so viel Liebe und Herzblut drinnen steckt.

Kürzlich hast du in einem Interview erwähnt, dass man bald eine ganz neue Sabine Petzl kennen lernen wird. Welche Seite wirst du uns zeigen?

Dies ist ein Lebensmoment, an dem ich andere, neue Dinge, die mir liegen oder andere Talente und Begabungen ausleben möchte. Das ist zum einen die Musik: Ich singe, nehme wieder Gesangsunterricht und schreibe Lieder. Das ist eine Seite, die wirklich noch niemand kennt von mir. Und zum anderen plane ich ein Solo-Programm, ein Kabarett. Der Arbeitstitel ist „Was bisher geschah“. Da kann man natürlich alles reinpacken, was eben bisher geschah. Da gibt es ja genug zu erzählen.

Ist das Programm eine Art Zwischenbilanz?

Ja, es hilft mir selber, weil immer alles so schnell ging. Und vieles ist mit mir einfach so passiert, in rasantem Tempo. Das möchte ich reflektieren und Revue passieren lassen, unbedingt natürlich mit zwei lachenden Augen. Denn es gibt nichts, was man bereuen oder ausblenden soll. Du kannst aus deiner Biografie nichts ausblenden. Es ist alles Teil deiner Geschichte und deines zurückgelegten Weges.

Und gibt es dabei auch wieder ein bisschen mehr Zeit für Privatleben?

Auch, ja.

Gibt es derzeit einen Mann in deinem Leben?

Es gibt ganz viele Männer in meinem Leben. Aber wenn du „den Einen“ meinst… Man wird halt schon – ich will nicht sagen – wählerischer, aber man weiß schon sehr genau, was man nicht will. Und das ist schon sehr viel. (lacht)

Du hast ja bereits vier Ehen hinter dir…

Ja, ich hab immer gern geheiratet. Heiraten an sich ist ja lustig. Ich sage auch nicht, dass ich nie wieder heirate. Es ist jetzt zwar nicht geplant, denn es ist ja noch nicht einmal einer da, der die Frage stellen könnte. In der Warteschleife hängen immer ein paar, aber die will man ja meistens nicht. Die kreisen so, können aber nicht landen. Da geht’s mir nicht anders als anderen Leuten.

Bist du zufrieden als Single-Frau?

Ja, es geht mir sehr gut. Ich habe einen sehr ausgefüllten Tag mit Kind und Hund und Fußball und Schule und diversen Projekten. Blöd, dass so ein Tag nur 24 Stunden hat. Sonst könnte ich wieder mehr schlafen, ich brauche mehr Schlaf! (lacht)

Was müsste ein Mann haben, um dein Herz zu gewinnen?

Das ist schwierig, ich glaube, es ist gar nicht so viel. Was mir zum Beispiel an einem Mann gefällt, ist, wenn ich merke, der ist viel herum gekommen, wenn er einen gewissen Horizont hat. Der muss jetzt nicht 17 Sprachen fließend sprechen, aber du merkst es einfach am Habitus, egal ob Mann oder Frau, ob jemand in der Welt herumgekommen ist, sich interessiert, eine gewisse Allgemeinbildung hat. Wenn jemand einen Sinn für Ästhetik, für Kultur, und einen Blick für kleine Momente, kleine Kinder und Hunde – einfach für seelenvolle Dinge hat.

Du bist ja gerade 50 Jahre alt geworden – und siehst blendend aus, fast besser als je zuvor! Was ist dein Geheimnis?

Du, jetzt kommt das mit viel Wasser trinken und viel schlafen und so weiter. Aber es stimmt in meinem Fall ehrlich, von ganzem Herzen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Alkohol getrunken, keinen Tropfen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie, außer einmal für eine Rolle, eine Zigarette geraucht. Geschweige denn irgendetwas anderes! Und es stimmt wirklich: Ich brauche extrem viel Schlaf. Ich glaube, mit 50 merkst du spätestens, ob jemand nur Rock’n’Roll gelebt hat, samt Party und Droge. Du merkst es am Gewebe, am ganzen Körper. Es ist jetzt nicht so, dass bei mir noch alles ausschaut wie mit 25, aber es ist echt okay! Das Material hat gut gehalten. Und sonst… Süßigkeiten zum Beispiel könnte ich mir nicht wegdenken aus meinem Leben… Meine Droge ist Schokolade.

Wie gut du in Form bist, konnten wir ja aktuell sehen: In der August-Ausgabe des deutschen und österreichischen Playboy-Magazins. Warum gerade jetzt?

Naja, hätte ich noch länger warten sollen? Es hat mich früher keiner gefragt, ich hätte auch früher ja gesagt. Außer ich wäre gerade unter dem Einfluss eines Mannes, in einer Beziehung gewesen, und hätte es ihm zuliebe nicht gemacht.

Und heute? Wenn du noch verheiratet wärst und dein Mann wäre dagegen gewesen? Hättest du es trotzdem gemacht?

Jetzt, in meinem Alter, mit der Erfahrung, ja. Damals sicher nicht. Aber der einzige relevante Mann im Moment, der einzige wirklich Fragenswerte ist mein Sohn, der ist ja schon ein kleiner Mann mit seinen 14. Da wäre schon die Überlegung gewesen, wenn der das doof findet, dann lass ich es. Schweren Herzens allerdings, denn ich finde, Playboy Shootings – das sind immer wunderschöne Bilder, immer ästhetisch, das ist auch etwas für einen selber. Wenn man später zu seinen Enkelkindern sagen kann, schau mal, wie schön die Oma war. Mehr ist es nicht.

Doris Thallinger

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