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Pulsierende Musikszene

Ein Kommentar von Wolfgang Descho, Mitbegründer und Geschäftsführer des Rockhouse Salzburg
Foto: Wolfgang Descho

Foto: Wolfgang Descho

Salzburg hatte schon immer eine pulsierende Musikszene. Das wurde in der Vergangenheit mal mehr, mal weniger bemerkt. Oft hing das auch mit dem Engagement der öffentlichen Hand zusammen. Viele wichtige Entwicklungen gerieten mit der Eröffnung des Rockhouse 1993 ins Rollen – es wurde eine Infrastruktur geschaffen. Parallel wirkte dazu natürlich die direkte Konfrontation mit dem internationalen Musikgeschehen durch ein kontinuierliches ganzjähriges Live-Programm. Auch das notwendige Umfeld wuchs heran. Seit einigen Jahren gibt es tolle Studios und auch Produzenten, die mit der Salzburger Szene hervorragende Produktionen abliefern.
Um als Band wirklich Fuß fassen zu können, ist es enorm wichtig, gut vernetzt zu sein. Das Equipment, das auch schon Amateure für ihre Auftritte brauchen, ist kostenintensiv. Um aber wirklich den Weg ins professionelle Musiker-Dasein gehen zu können, benötigt man schon sehr schnell professionelle Aufnahmen und gut gemachte Videos. Das Budget, das solche Produktionen verschlingt, geht in tausende Euros, die schnell auch falsch investiert sein können.
Das Rockhouse übernimmt in diesem Zusammenhang eine Beratungs-, Vernetzungs- und Weiterbildungsfunktion (Rockhouse Academy). Dadurch, dass derzeit 27 Bands in den sechs Proberäumen proben, können sich die Musiker auch untereinander austauschen. Gerade von der Erfahrung anderer Musiker und Leuten, die mit der Branche vertraut sind, können junge Bands enorm profitieren.
Junge Musiker müssen sich auch Referenzen erarbeiten und ein Portfolio zusammenstellen, mit dem sie sich präsentieren können. Gerade das Format Local Heroes ist dazu gut geeignet. Der Live-Auftritt wird von FS1 mitgefilmt, wodurch Videomaterial entsteht, das dann auch von den Künstlern verwendet werden kann. Zudem kann Erfahrung gesammelt werden. Oft ist ein Auftritt bei den Local Heroes auch Sprungbrett für größere Gigs oder angehende Karrieren. Bands wie Bilderbuch etwa hatten ihren ersten Salzburg-Auftritt im Rockhouse bei den Local Heroes.
Um dorthin zu gelangen wo z.B. Bilderbuch heute steht, müssen junge Musiker neben bester musikalischer Qualität als Grundvoraussetzung also jede Menge Hürden überwinden. Ein gutes Management bzw. eine gute Agentur gehören da genauso dazu. Aber gerade auf diesem Sektor gibt es in Salzburg noch einiges nachzuholen. Leider zentriert sich vieles auf Wien, weshalb tolle Bands oft auch ‚abwandern‘.
Dem versucht das Rockhouse als Förderstätte entgegenzuwirken: Der Sampler Xtra Ordinary, gefördert von der Stadt Salzburg, ist da auch ein wichtiges Angebot. Die Compilation setzt sich aus Einreichungen regionaler Künstler zusammen und wird an internationale Verleger, Labels, Medienvertreter und Agenturen verschickt. Schon mehrmals wurden so Künstler entdeckt und haben einen Plattenvertrag erhalten.
Zu guter Letzt braucht man auch das nötige Quäntchen Glück. Selbst ein Vertrag bei einem Major-Label muss nicht den großen Erfolg verheißen. Oft sind kleinere und mittlere Firmen, die umtriebig und mit kreativer Energie arbeiten, positiver für die Erfolgsleiter.
Derzeit kommt aus Salzburg eine goldene Generation. Dennoch würde ich mir wünschen, dass auch eine nächste goldene Generation nachkommt. Es würde mich sehr freuen, wenn noch wesentlich mehr junge Leute die intensive Nachwuchsarbeit nützen und einfach Musik machen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

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