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Nach oben offen …

Das erste Auto war quasi ein Voll-Cabrio, eine Kutsche mit Motorantrieb. Limousinen folgten auf Landauletts, das Schiebedach war ein Renner und in den Fünfzigern galt der Cabrio-Fahrer als gesundheitsgefährdeter Exote.
Ein Artikel von René Herndl

Fotos: Hersteller

Das Schiebedach wurde bei Limousinen der Nachkriegszeit zum oft zusätzlich bestellten Ausstattungsmerkmal für einen Hauch Frischluft-Luxus. Erst in den späten Sechzigern wagte eine Marke den Spagat zwischen einem geschlossenen Fahrzeug und einem Cabrio – Porsche erfand den Targa. Dieser Begriff wurde zum Synonym einer speziellen Auto-mobil-Modell-Variante, obwohl die Bezeichnung von Porsche als Marke geschützt wurde. Targa? Das bedeutet, dass die Heckscheibe des Autos fest eingebaut ist und der Mittelteil des Autodachs herausnehmbar ist. Dabei war der 911er „Targa“ ab 1967 eine marktpolitische Verlegenheitslösung, weil Cabrios in den USA als unsicher galten, der stabile Bügel hinter den Sitzen aber Sicherheit suggerierte. Der Name stammt übrigens von der Targa Florio ab, wobei das Wort Targa übersetzt eigentlich „Schild“ heißt – was auch perfekt zum Anspruch passte. Dieser Begriff wurde danach bei verschiedenen Porsche Modellen, aber auch von anderen Herstellern vor allem für sportliche Fahrzeuge verwendet, wenn auch nicht als Typenbe-zeichnung – so etwa bei Ferrari, Lamborghini, Chevrolet bei der Corvette, Lotus, Honda, Lancia und neben weiteren kleinen Serien auch bei Bugatti erst in jüngster Vergangenheit. Und auch das neueste Porsche Targa-Modell folgt nach wie vor dem klassischen Prinzip: Frontscheibe, herausnehmbares Dach, Bügel, Heckscheibe – mittlerweile allerdings elektrisch.

Bei Alltags-Autos blieb das Halb-Cabrio eine nicht zu verwirklichende Variante, wohl auch, weil hier noch lange Zeit das Schiebedach praktischer und produktionstechnisch vernünftiger war. Zwar gab es auch noch eine Spielart des Targas, nämlich das T-Top, bei dem zwischen Scheibenrahmen und Bügel noch ein Steg für Stabilität sorgte, aber diese war eine Rarität. Und unpraktisch, weil gleich zwei Teile abgenommen werden mussten, um einen Ansatz von Cabrio-Feeling zu bekommen.

Panorama- statt Schiebe- oder Fetzendach
Ab Mitte des vorigen Jahrhunderts war jahrzehntelang das Schiebedach einer der wichtigsten Posten in den langen Listen der Sonderausstattungen. Schließlich hatten sich für die Volumenmodelle die Klimaanlagen längst noch nicht durchgesetzt. Wer Frischluft nicht nur durch die Seitenfenster genießen wollte, der orderte beim Neuwagenkauf ein Schiebedach – am besten gleich elektrisch. Das machte die Öffnungsprozedur nicht nur deutlich eleganter, sondern schonte auch den komplizierten Seilmechanismus, der sich unter der Dachverkleidung verbarg. In den 80er-Jahren machten sich Nachrüstlösungen breit. Viele Fahrzeuge, die ab Werk nicht mit einem Schiebedach ausgestattet waren, bekamen ein nachträglich eingebautes Sonnendach verpasst. Meist nicht allzu groß, undicht und nur über einen simplen Mechanismus aufzukippen – und billiger. Aber so gab es mehr Luft und Sonne für die Passagiere der ersten Reihe. Was die Geburtsstunde des neuesten Dach-Trends markiert: Heutzutage sind überdimensionale Panorama-dächer ein fast schon unabdingbares Ausstattungsmerkmal, insbesondere bei SUVs, aber auch bei kompakten Modellen. Wer auf sich hält, kann aus dem Auto in den Himmel schauen. Das Schiebedach von heute ist gläsern, groß und meist geschlossen.

Eines der ersten im Volumenmarkt war bei Peugeot im Familienkombi 307 SW verbaut. Der Trend setzte sich durch und fast alle Marken – von Audi bis zu Alfa und von Porsche bis zu Mercedes – bieten nunmehr Glas im Dach, gegen Aufpreis, versteht sich.

Neuer Cabrio-Boom?
Im Frühling wird es zu sehen sein – das Cabrio feiert eine Renaissance, wahrscheinlich meist als Zweitauto eher sportlichen Zuschnitts, aber die Premium-Hersteller bieten zunehmend wieder viersitzige Frischluft-Varianten der Mittel- oder Oberklasse an – siehe Mercedes mit seiner offenen S-Klasse. Die oft üppig motorisierten Luxus-Gleiter für den Sommer-Sonnen-Sonntag zeichnen sich vor allem durch Komfort und ausgeklügelte technische Lösungen für möglichst geringe Luftverwirbelungen aus. Und in der sportlichen Fraktion hat sich mit Windschotts ein Wind-Schutz für Weicheier durchgesetzt – oder für Damen, deren Frisur auch beim Offenfahren nicht leiden darf.

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