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Mit Uhrfedern Skifahren?

Ein Artikel von Bernhard Schlag
Museumsleiter Hans Müller zeigt die großartige Erfindung aus dem Pongau: die Stahlkante. Foto: Bernhard Schlag

Museumsleiter Hans Müller zeigt die großartige Erfindung aus dem Pongau: die Stahlkante. Foto: Bernhard Schlag

„Gerade heute, beim kantenbetonten „Carven“, können wir schon froh sein, dass Rudolf Lettner vor 100 Jahren die Ski-Stahlkante erfand“, erzählt Hans Müller, Leiter des Salzburger FIS-Landesskimuseums in Werfenweng. Als gelernter Wagner und Sportartikelerzeuger weiß der begeisterte Wintersportler Müller um die Bedeutung und Geschichte dieser revolutionären Erfindung mit Ursprung im Pongau. So war Rudolf Lettner nicht nur ein begeisterter Skifahrer und Extremtourengeher, sondern auch sehr erfolgreicher Skispringer. Er gewann 1913 sogar einen Wettbewerb in Bad Ischl mit drei gestandenen Sprüngen und einer Weite von 15,5 Metern. Vor 100 Jahren kam der Skipionier mit seinen einfachen Holzskiern bei der Befahrung der Tauern Scharte oberhalb von Werfenweng zu Sturz. Daraufhin tüftelte Lettner, wie er die Skier verbessern könnte. Die zündende Idee: Lettner zweckentfremdete Uhrfedern und schraubte diese an seine Skier. Damit war sie erfunden – die Stahlkante!
1926 ließ Lettner seine Erfindung schließlich patentieren. 1930 räumten die österreichischen Skirennläufer dank der Lettner-Stahlkante bei den akademischen Welt-Winterspielen in Davos groß ab. Entsprechend schnell setzte sich die Erfindung aus Werfenweng im Skisport durch.
„1930 waren am Kitzsteinhorn von insgesamt 150 Paar Skiern noch keine 30 mit einer Stahlkante ausgerüstet – 1950, 20 Jahre später, gab es dort so gut wie keinen Ski mehr ohne Stahlkante“, weiß der Museumsleiter zu berichten. Die Stahlkante revolutionierte also auch den privaten Skisport; dem Erfinder selbst brachte sie aber keinen wirtschaftlichen Gewinn ein. Er blieb weiterhin Buchhalter in der Saline von Hallein.

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