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„Meine Waffe ist das Telefon“

Als Anti-Held Herkulis stürzt sich Gernot Kulis derzeit österreichweit in den Kampf gegen die schier unlösbaren Tücken des Alltags, die uns alle Tag für Tag (über)fordern. Schon vor der
Premiere hat Gernot Kulis sein aktuelles Programm einem ersten Publikum im Oval vorgestellt – und mit der SALZBURGERIN über seine Superheldenkräfte geplaudert.
Ein Artikel von Doris Thallinger
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Schauplatz Europark an einem Freitagnachmittag. Die ersten Wochenend-Bummler sind unterwegs – einer unter ihnen ist jedoch nicht zum Shoppen gekommen. Ein schmaler Mann, dunkle Locken säumen das Gesicht, in Jeans, T-Shirt und Hoodie eilt er zur Rolltreppe – und würde dem unwissenden Beobachter gar nicht auffallen. Bis er den Mund aufmacht. Dann ertönt sie, die Stimme, die wohl jeder hier in Österreich kennt: tief, markant, eigentlich wohlklingend – aber dennoch möchte man diese Stimme nie, wirklich nie am Telefon zu hören bekommen. Ja, es ist tatsächlich Gernot Kulis, Kabarettist, Erfinder der Kulisionen, des Herkulis, Comedy Hirt der ersten Stunde, die Stimme des Professor Kaiser und vieler anderer und nicht zuletzt der Ö3 Callboy!

Termine: 13.12.2017, republic Salzburg 31.01.2018, republic Salzburg

Termine:
13.12.2017, republic Salzburg
31.01.2018, republic Salzburg

Kulis ganz roh
An diesem Freitag liegt die Premiere des neuen Programms Herkulis noch in der Zukunft – und dennoch wird Gernot Kulis am selben Abend bereits auf der Bühne stehen: Im Oval, der Bühne im Europark, wird er sich in einer „öffentlichen Probe“ den ersten Reaktionen des Publikums stellen. „Ich probe ausschließlich vor Publikum!“, erzählt er, „Das ist natürlich mutig, weil man zu Beginn noch nicht so gut drauf ist, wie später dann auf Tour. Aber ich glaube, für die Zuschauer ist es recht interessant – es ist schon ein Abend, an dem man den Kulis so komplett „raw“ sieht. Dadurch entsteht ein eigener Schmäh mit dem Publikum.“ Und der Schmäh läuft sowieso. Ein Abend mit Gernot Kulis ist gespickt mit Pointen, die er in erstaunlichem Tempo abfeuert – eine Pointe auszulassen, wäre keine Option. „Ich halte es nervlich nicht aus, wenn da zwei Minuten lang keine Pointe kommt. Mit Small Talk auf der Bühne tu ich mir schwer – ich komm‘ gleich zur Sache!“

Herkulis, der Anti-Held
Tatsächlich, heldenhaft wirkt Gernot Kulis wahrhaftig nicht. Und wenn er dann auch noch seine großen, dunklen Augen ganz ernsthaft – ja fast schon treuherzig – umherschweifen lässt, dann wirkt er fast schon schüchtern, kleinlaut. Alles andere als kleinlaut ist jedoch, was er zu sagen hat, was er zum Besten gibt. Denn seine Superheldenkraft, das ist sein Humor. Und das auch im täglichen Leben, wenn eben „Herkulis“ mit den allzu gemeinen Tücken des Alltags kämpft. Den Tücken, die wir im Grunde alle irgendwie kennen. Da stellt man sich schon die Frage: Kann es denn sein, dass Witz und Humor tatsächlich ein Allheilmittel sind? „Ja! Auf alle Fälle“, ist zumindest Kulis gänzlich davon überzeugt, „Also, wenn an mir irgendetwas Heldenhaftes dran ist, dann, dass ich vieles mit einem Smile löse. Ich glaube, das Allheilmittel und die Superkraft, das sind die Stärken, die fast jeder irgendwo hat: Wenn jemand mit einem Lachen durchs Leben geht, dann löst er einfach Dinge anders, als wenn er immer nur grantig ist. Ich sage: Was bringt der Tag heute, und welche Probleme haben wir zu lösen? Und versuche dann, auf meine Art und Weise humorvoll daran zu gehen.“
zitatUnd so gibt Kulis in seinem aktuellen Programm Herkulis Geschichten aus seinem und unser aller Alltag zum Besten: „Es gibt im Leben Herkules-Aufgaben, und nun gibt es eben die Herkulis-Lösungen dazu. Ich breche dieses Helden-Epos herunter auf ganz normale Dinge des Alltags. Das ist jetzt keine übertriebene Götterreise, auch kein griechisches Mythologiestück. Es ist ganz einfach: Kulis löst Aufgaben, die jeder hat. Aber halt auf seine Art und Weise. Das fängt beim Parkplatzsuchen in der Innenstadt an und hört auf beim Kinderkriegen. Und dazwischen kommen noch jede Menge anderer Sachen, wie ein Stierlauf oder, wie man seine Daten schützt. Also lauter Dinge, die gerade die Welt so beschäftigen.“

Foto: Manfred Baumann

Foto: Manfred Baumann

Darüber hinaus zeigt sich Gernot Kulis in „Herkulis“ aber auch von einer ungewohnt privaten Seite: „Ich erzähle auch viel von meinem Vater. Denn jeder sucht seine Rolle, seine Figur und seinen Platz in der Familie. Und weil da der Herkules schon besetzt war, bin ich halt der Herkulis geworden! Der, der die ganze Sache mit Witz löst. Herkulis sein bedeutet, eher zu beobachten, mit Schmäh daran zu gehen – und dann ganz schnell davonlaufen!“, grinst er, ganz der unverschämte Lausbub, der ihm nun tatsächlich aus den Augen herausschaut.
So sind auf jeden Fall mit der Zeit jede Menge Geschichten, und mit ihnen noch mehr Pointen, entstanden: Herkulis in New York, Herkulis in Amsterdam, Herkulis in Pamplona… und viele mehr.
Selbstverständlich fragt man sich dann doch, wie hoch der Anteil an Fiktion ist – und welche der mitunter schon schrägen Geschichten tatsächlich so passiert sind. „Im Programm Herkulis merkt man schon sehr schnell, ab wann es Fiktion wird. Die Geschichten driften alle am Ende ein bisschen ab und dann merkt man schon: Das ist jetzt seine Fantasie!“, gibt Kulis lachend zu, „Aber trotzdem ist alles so irgendwie oder so ähnlich passiert. Ich hau halt dann noch mal ein Schäuferl drauf!“
Und so begleitet das geneigte Publikum den Herkulis auf seinem Feldzug. Auf dem stößt er mitunter auf ganz schön hartnäckige Gegner: wie hilfsbereite Nachbarn, rosa Elefanten, verschollene Baumarkt-Mitarbeiter und – wahrscheinlich am allergefährlichsten – die eigenen Kinder.
Oh ja, da sind schon Superkräfte vonnöten! Aber – abgesehen von Witz und Humor – mit welchen Mitteln kämpft Gernot Kulis wirklich? „Meine stärkste Waffe ist und bleibt das Telefon! Gib dem Kulis bloß nie deine Nummer!“

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