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„Mein Leitmotiv ist Beharrlichkeit“

Spätestens, wenn man in Obertauern ist, kommt man am Namen Lürzer nicht mehr vorbei. Hotels, Bars, Après Ski Hütten, Shopping-Erlebnisse, Taxi-Unternehmen – all dies und mehr gehört zum „Lürzer-Imperium“, das Heribert Lürzer und seine Brüder aufgebaut haben. Im Interview gibt er Einblicke in seinen Alltag als Unternehmer, Club-Besitzer und – seit Anfang des Jahres – Bürgermeister.
Ein Artikel von Doris Thallinger

_MG_2794Heribert, du bist Hotelier, Gastronom, Unternehmer in den verschiedensten Branchen, Bürgermeister… hab ich etwas vergessen? Was gehört alles zu deinem Tun?

Im Prinzip ist das alles. Viel mehr kann ich ja nicht mehr machen.

Für welches deiner Unternehmen hegst du eine besondere Passion?

Absolut für das Hotel Kesselspitze, für unser Stammhaus. Hier bin ich aufgewachsen und das führe ich seit 33 Jahren. Das Hotel ist etwas, das ich in den letzten Jahrzehnten immer weiterentwickelt habe und zu dem gemacht habe, was es heute ist: ein beliebtes Hotel in den Bergen, das mit sehr viel Liebe gemacht wurde, mit sehr vielen Details, mit viel Luxus ausgestattet ist und in dem viel Herzblut und sehr viel von meiner Persönlichkeit steckt.

Wie bringt man denn all diese Tätigkeiten wirklich zeitlich auf die Reihe?

Das braucht natürlich ein diszipliniertes Zeitmanagement. Wir haben ja den Vorteil in der Gastronomie, wir arbeiten sieben Tage die Woche. Das heißt, wir können einfach mehr Termine unterbringen. Auch was längere Barbesuche angeht – ich liebe die Gespräche an der Bar, bei mir an der Hausbar, der berühmt-berüchtigten Einhorn Bar. Da bin ich das eine oder andere Mal schon etwas versumpft und es war dann oftmals schwer, am nächsten Tag aufzustehen. Was das betrifft, bin ich heute viel disziplinierter, heute gehe ich früher ins Bett. Da ich doch früh aufstehen muss, um die ganzen Sachen unter einen Hut zu bringen._MG_2917

Aber ab und an geht sich dann doch noch der eine oder andere Barbesuch aus. Diese machen mir Spaß, weil ich ja doch ein sehr kommunikativer Mensch bin. Mich interessieren viele Sachen und mich interessieren Menschen. Das ist das Schöne als Hotelier oder als Gastronom, dass du mit so vielen Persönlichkeiten zu tun hast, aus den unterschiedlichsten Bereichen und da finde ich es immer spannend, sich mit den Menschen auszutauschen, immer neue Sachen zu erfahren. Und das ist auch so wichtig, finde ich, dass man einen Betrieb weiterentwickeln kann: Ich muss dabeibleiben, ich muss das Gefühl haben für meine Kunden. Was sind ihre Bedürfnisse, Wünsche, Vorstellungen? Nah am Menschen sein. Das war für uns immer schon wichtig, dass wir präsent sind. Das ganze Unternehmen ist auf Persönlichkeit aufgebaut, sprich wir drei Brüder. Es gibt immer ein Gesicht dazu. Wobei ich mich aber nicht alleine in die erste Reihe stelle. Es gibt eine erste Reihe, aber die ist sehr lange. Wichtige Menschen sind meine Damen und Herren im Reinigungsbereich, genauso wichtig wie mein Sommelier, meine Hoteldirektorin, meine Köche oder meine Lehrlinge. Wir haben, obwohl wir nicht in Gstaad sind, nicht in St. Moritz oder am Arlberg, wo die Königshäuser verweilen, sehr viele bekannte Gäste, auch sehr wohlhabende Menschen. Die sind bei uns, weil sie das Persönliche so schätzen.

Nun fungierst du bereits seit fast einem Dreiviertel-Jahr als Bürgermeister von Obertauern/Tweng: Was ist dein Resümee bislang?

Ab dem Zeitpunkt, als ich den Überblick hatte, was letztendlich meine Aufgaben sind, was zu erledigen ist, habe ich mich deutlich sicherer gefühlt. Auch in der Gemeinde und mit meinen Gemeindevertretungen habe ich ein tolles Team. Wir sind jetzt dabei, Projekte voranzutreiben, die teilweise schon angestanden sind und schon entwickelt wurden.

Eines meiner Leitmotive ist Beharrlichkeit. Und das macht sich sowohl in meinem Geschäft, im Beruf gut als auch in der Gemeinde. Man muss nicht immer gleich bei der ersten Welle das Boot ankern, man kann durchaus noch weiter fahren. Und das ist eigentlich das Resümee der letzten acht Monate. Es macht mir Spaß, gemeinsam mit meinem Team und gemeinsam mit der Bevölkerung die Projekte für die Zukunft voranzutreiben.

Und es spielt gut zusammen für mich als Vertreter der Gemeinde und als Unternehmer. Darum, unter anderem, macht mir auch dieses Amt, das ich jetzt inne habe, so viel Spaß: Weil ich genau weiß, es ist ohnehin mein Leben. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, das liebe ich. Diesen Ort weiterzuentwickeln und in eine gute Zukunft zu bringen.

Und da sind viele Dinge, für die wir jetzt die Weichen stellen können, damit wir den Anforderungen der nächsten 10, 20, 30 Jahre entsprechen. Das ist natürlich sehr spannend, was da bereits auf uns zugekommen ist und was in Zukunft noch auf uns zukommen wird.

_MG_2783 KopieUm welche Projekte geht es im Moment da konkret?

Zum Beispiel das Projekt der Steinschlagverbauung. Das klingt jetzt vielleicht nicht ganz so spannend, aber für den Ort ist es sehr wichtig. Der ganze Ort wird gegen Steinschlag gesichert. Wir haben mit sehr extremen Witterungsverhältnissen zu tun und wir haben dafür Sorge zu tragen, dass es so sicher wie möglich ist. Da gibt es eben diese Steinschlagverbauung, die permanente Erweiterung des Lawinenschutzes. Das sind die Dinge, die notwendig sind, die immer weiterentwickelt und verbessert werden müssen.

Ein weiteres – mein Projekt – ist das Projekt Tauern Arena. Dabei handelt es sich um einen Tiefgaragenprojekt mit infrastrukturellen Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben in den letzten Jahren, teilweise bedingt durch Generationswechsel, einiges an Infrastruktur nicht mehr im Ort verfügbar: Drogerie, Zeitungsgeschäft, ordentliche Einkaufsmöglichkeiten durch Nahversorger – das versuche ich mit diesem Projekt wieder in den Ort zu bringen. Dazu kommen Räumlichkeiten für Events und sportliche Angebote – auch als Indoor-Alternativen zum Skifahren, wenn das Wetter einmal nicht so gut ist. Das wird eine tolle Geschichte, eine lässige Sache. Es tut sich was…

Wie siehst du generell die Zukunft des Wintertourismus?

Ich sehe die Zukunft des Wintertourismus sehr positiv. Es wird so sein, dass die Leute nicht mehr NUR wegen des Skifahrens zu uns auf den Berg herauf kommen, sondern auch wegen der Natur, der guten Luft und vielen anderen Dingen. Wenn du oben auf dem Berg stehst, und auf dieses unglaubliche Bergpanorama schaust – dieser Blick ist einfach magisch. Genauso magisch wie der Blick über das weite Meer. Die jungen Leute zieht es wieder viel mehr in die Berge, wir merken das auch im Sommertourismus, wir sehen es beim Wandern, beim Radfahren…

Was sind deine Ziele als Politiker? Kannst du dir eine weiterführende Polit-Karriere vorstellen?

Nein, das ist nicht mein Bestreben. Gemeindepolitisch ja, da weiß ich, dass ich mit meinem Team viel bewegen kann, aber in weiterer Folge bin ich jetzt nicht interessiert an einer höheren politischen Aufgabe.

Was bedeutet für dich persönliches Ansehen?

Ansehen… war mir in jungen Jahren viel wichtiger als heute. Ich glaube, das Streben nach Ansehen, oder besser, nach Anerkennung für das, was man tut, hat jeder Mensch irgendwo in sich. Es ist mir aber heute nicht mehr ganz so wichtig, weil es mich behindert, darüber nachzudenken: Finden die anderen das jetzt gescheit, was halten die davon, wie sehen die das? Ich für mich selbst entscheide, was in meinem Leben interessant ist, was für mein Unternehmen gut ist und, was neu ist, was für die Gemeinde gut ist. Ich entscheide nicht mit dem Gedanken darüber, was andere darüber denken, was andere bekritteln. Erfolg und Misserfolg habe ich ohnehin selber zu tragen. In unseren Breitengraden, in unserer Kultur, in Österreich oder Deutschland, ist der Faktor Neid bei manchen doch etwas stärker ausgeprägt. Da bin ich dem Herrgott dankbar, dass ich diese Eigenschaft nicht habe – ich bin keinem etwas neidig, vielleicht auch, weil ich lange in Amerika gelebt habe, das ist mir völlig fremd und ich gönne jedem seinen Erfolg.

Wie gehst du mit Neid dir gegenüber um?

Ich hab gelernt, das einfach zu ignorieren, es ist mir egal. Es sind auch viele in Obertauern, die es schätzen, dass ich – und nicht nur ich, auch viele andere – etwas für Obertauern getan habe. Wir haben ein gutes Händchen gehabt, aber wir haben auch sehr viel riskiert. Es wurde ja jahrelang behauptet, wir seien Pleite gegangen und stünden kurz vorm Konkurs. Das hat mich schon traurig gemacht: Da hast du ein gesundes Top-Unternehmen und dann wirst du pleite geredet, was ja schon einer Rufschädigung gleicht. Wenn dann vereinzelt Lieferanten meinen, sie liefern nur noch gegen Vorkasse, wo du 20 Jahre lang pünktlichst alle Rechnungen bezahlt hast, dann muss ich schon sagen: Sind jetzt alle deppert geworden?

_MG_2728Von vielen Gastronomen hört man dieser Tage Wehklagen darüber, welche Steine den Gastronomen auch seitens der Politik in den Weg gelegt werden. Wie siehst du das?

Ja, die Politik tut das ihre dazu, dass wir als Unternehmer und speziell als Hoteliers und Gastronomen in den letzten Jahren quasi kriminalisiert worden sind. Es wird so schnell auf die Gastronomie geschimpft. Da geht’s mir nicht um die Registrierkasse, die haben wir schon seit 25 Jahren. Dass es überall schwarze Schafe gibt, in jeder Branche, ist auch klar. Ich will nicht wissen, was im Pfusch am Bau gemacht wird…

Ich bin seit über 30 Jahren in der Hotellerie und Gastronomie; es sind immer wieder neue Gesetze gekommen, Steuererhöhungen usw. – das war alles händelbar. Aber die letzten zwei, drei Jahre haben wir wirklich gesagt: Schön langsam wird das nichts mehr, das macht auch keinen Spaß mehr.

Wir haben eine 30-prozentige Mehrwertsteuererhöhung bekommen, die Arbeitszeitenruhegesetze sind katastrophal für Hotelbetriebe. Es ist mittlerweile so, dass du das logistisch fast nicht mehr organisieren kannst. Wir haben ja leider Gottes keine richtige Lobby, wie die Bauern oder die Lehrer. Dadurch können die Jungs mit uns machen, was sie wollen.

Auch das Rauchverbot ist ein großes Thema. Wie schaut es aus ab 2018? Wie wirst du damit umgehen?

Ich hoffe einmal auf einen guten Wahlausgang. Dann haben wir vielleicht die Chance, dass man da noch etwas reparieren kann. Es ist ein Wahnsinn, dass man nicht einmal irgendeine Möglichkeit bekommt, einen kleinen Teil, ein kleines Eckerl für Raucher zu machen, sodass alles rauchfrei bleibt und keiner belästigt wird.

Wir sind ja nicht in Süd-Spanien, wir sind am Obertauern, da haben wir minus 20 Grad und eine Sturmgeschwindigkeit von 100 km/h. In einem großen Lokal wie der Lürzer Alm versorgen wir 500 bis 1000 Menschen und machen Party. Die Gäste werden rauchen, aber wo? Soll ich die rausstellen in die Kälte? Wenn ich im Lokal eine kleine Zigarrenlounge oder Raucherlounge machen kann, wo keiner belästigt wird, damit der Gast wenigstens im Lokal drinnen bleiben kann, wäre das schon eine praktikable Lösung. Wem tut das weh? Wir bekommen in weiterer Folge so viele neue Probleme. Schauplatz Salzburg, Gstättengasse. Partymeile. Im Club Take Five habe ich samstags rund 400 Gäste, ca. 40 Prozent davon rauchen, sprich rund 180 Leute. Die wollen dann permanent raus, was schon logistisch für uns ein Wahnsinn ist: Ich muss ihnen den Drink wegnehmen, denn mit einem alkoholischen Getränk darf man ja nicht auf den Gehsteig. Dann muss ich ihnen an der Garderobe ihre Jacken geben. Und was ist dann los? Dann stehen plötzlich ein paar Hundert Leute vor den ganzen Lokalen in der Gstättengasse auf der Straße, die ganze Nacht. Was ist zu erwarten? Die Leute, die dort wohnen, werden durchdrehen! Logisch! Das finde ich einfach so nicht zu Ende gedacht. Weil sie uns, die in der ersten Reihe stehen, nicht gefragt haben.

_MG_2751 KopieDie nächste Generation ist ja bereits herangewachsen – sind deine Kinder auch im Familienbetrieb tätig?

Ja, es sind beide im Unternehmen. Wir haben vor Jahren einen Bauernhof in Untertauern übernommen, einen 300 Jahre alten Hof, der viele Jahre brach gelegen ist. Den haben wir die letzten drei Jahre saniert und renoviert. Und das macht mein ältester Sohn. Er wollte nicht in die Gastronomie, er hat es probiert, aber es war nicht seins. Jetzt macht er die Ausbildung zum Landwirtschaftlichen Facharbeiter. Ich hab immer gesagt, meine Kinder sollen das machen, was sie wollen und gerne tun. Jeder muss Spaß haben an seiner Arbeit. Und ich zwinge keinen dazu, das Gleiche zu machen wie ich und mir nachzufolgen. Aber mein Jüngerer, der Sebastian, ist schon recht aktiv im Betrieb, der wird wohl einmal mein Nachfolger werden.

Aber du denkst noch nicht über ein Leben als Privatier nach?

Nein! Gar nicht. Ich muss ohnehin aufpassen, was soll ich dann machen, ich bin eher arm an Hobbys. Mein geplanter Ausstieg ist so mit 62, 63 Jahren. Mit dem Alter kann man das wahrscheinlich nicht mehr in der Intensität machen, dann ziehe ich mich Schritt für Schritt zurück.

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