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„Manchmal trete ich mit mir selbst in Konkurrenz“

Außergewöhnlich. Damit könnte man den gebürtigen Münchner Phil L. Herold wohl am besten beschreiben.
Ein Artikel von Sylvia Schober
Phil im Gespräch mit DIE SALZBURGERIN-Redakteurin Sylvia Schober Foto: www.kaindl-hoenig.com

Phil im Gespräch mit DIE SALZBURGERIN-Redakteurin Sylvia Schober
Foto: www.kaindl-hoenig.com

Seit frühester Kindheit lebt er mit Spinaler Muskelatrophie Typ II, einer Muskellähmung, die ihm nur noch minimale Bewegung erlaubt und Assistenz rund um die Uhr erfordert. Dennoch kreiert er mittels kleinem Joystick am Rollstuhl großartige Digital Pop-Art und feiert damit besonders in den USA große Erfolge. Außergewöhnlich ist auch seine klare Sicht auf sich und seine Umwelt. Ein außergewöhnliches Interview im Hangar-7, wo er seine Werke ebenfalls bereits ausgestellt hat.

Phil, du kommst gerade aus L.A., wo du wieder eine Ausstellung hattest – wie ist es gelaufen?
Es ist gut gelaufen, ich bin mit zwölf Bildern hinübergeflogen.

Begleiten dich auf deinen Reisen auch Ängste, ob alles gut gehen wird?
Mittlerweile ist es zur Routine geworden. Die Organisation ist nicht immer einfach, die Verschiffung wäre auch diesmal enorm kostspielig gewesen. So sind die Bilder mit mir gemeinsam hinübergeflogen. Ist mir auch am liebsten so, denn wären wir abgestürzt, hätte es weder mich noch die Ausstellung gegeben. Alles andere wäre doch etwas seltsam gewesen…

Was bedeuten die USA für dich?
Viel, ich liebe dieses Land und die Freiheit, die sich auch in den Köpfen der Menschen, denen ich begegne, abspielt. Ich komme dort auch immer wieder in die absurdesten Situationen. Letztes Mal kam ich beinahe in eine Schießerei von betrunkenen Asiaten. Sehr spannend!

Wäre das nicht eine tolle Geschichte für ein weiteres Bild?
Nein, da hätte mehr passieren müssen als das bisschen Herumgeballere.

"The Philifant" Foto: Phil L. Herold

„The Philifant“
Foto: Phil L. Herold

Hat die Wahl von Donald Trump deine Sichtweise auf die USA verändert?
Nein, ehrlich gesagt ist mir das wurscht. Ich werde trotzdem weiter sehr gerne und so oft es mir eben noch möglich ist, in die USA reisen. Wusstest du übrigens, dass die Republikaner als Wappentier einen Elefanten haben? Die Demokraten haben einen Esel!

Du sprichst dein Logo, den Philiphant an?
Genau, der begleitet mich vom ersten Bild an und erscheint immer irgendwo in jedem Bild, das ich mache.

Was ist das Faszinierende an Pop-Art für dich?
Ich bin mit Pop-Art und Computergrafik groß geworden, hab es ja auch studiert. Das Spannende ist, dass sich auf diesem Sektor so viel tut und man nie auslernt. Wenn ich daran denke, wie meine ersten Bilder entstanden sind und wie sich die Technik hier weiter entwickelt hat – es gibt immer wieder neue Elemente und neue Tools. Das ist das Großartige an dieser Kunst!

Deine Bilder malst du in starken Farben, das passt zu deiner starken Persönlichkeit.
Manchmal ist es gar nicht so gut, dass ich neben den starken Farben, die ich für meine Bilder verwende, selber stark vertreten bin. So kann es sein, dass ich mit mir selber in Konkurrenz trete. Dabei soll doch jedes einzelne Bild für sich sprechen.

Wirst du auch hierzulande des Öfteren als Phil erkannt?
Leider noch viel zu wenig. Pop-Art ist bei uns einfach nicht so populär. In L.A. ist die Kunstszene einfach größer, in den USA schätzt man meine Art der Kunst sehr.

Du kennst viele prominente Menschen – gibt es jemanden, der dich beeindruckt oder inspiriert?
Mit Bob Dylan kann man super gut reden – und Schach spielen. Wir haben uns bei Eric Clapton getroffen und ich hab ihm ein Bild von mir geschenkt. Bob Dylan gab mir dafür seine Mundharmonika. Das ist etwas ganz Besonderes, denn Gitarren habe ich ja schon einige daheim.
Mike Tyson hab ich in Las Vegas getroffen, ich fand es recht nett, dass er lispelt. Prince hätte ich nicht unbedingt kennen lernen müssen. Seinen Produzenten allerdings habe ich bei dieser Reise kennen gelernt und das war sehr interessant. Auch den Produzenten, der 1969 Woodstock organisierte. Wow, der hatte ein paar coole G´schichteln auf Lager!

Foto: Phil L. Herold

Foto: Phil L. Herold

Deine Kunst ist deine Leidenschaft. Hast du noch andere Hobbys?
Die Musik unterstützt mich bei meiner kreativen Tätigkeit – leider sehr laut und am liebsten mitten in der Nacht – das hat mir schon einige Verweise eingebracht. Neuerdings auch die Fotografie, mein „Skills Project“ geht weiter, solange es mich gibt. Dafür fotografiere ich Personen, alle mit einem Gegenstand, der sie am besten verkörpert. So, wie meinen Lieblings-Italiener aus München mit dem weltbesten Schokoeis oder Barny Murphy, Gitarrist der Gruppe Spider Murphy Gang. Oder meinen Tätowierer. Tätowieren ist eine ganz persönliche, intime Sache, ich lasse nicht jeden an meine Haut. Außerdem mag ich da keinen Stilmix. Mein letztes Tattoo ist der Schriftzug „Yes“ auf meinem linken Mittelfinger. Ich denke, das hat an sich schon viel Bedeutung – und die Mädels mögen es sowieso.

Sind alle gleich einverstanden, sich von dir fotografieren zu lassen?
Heuer möchte ich noch an die 80 Menschen fotografieren. Schade, dass es mit Hannes Arch nicht mehr geklappt hat, das wäre schön gewesen. Ich habe den Bürgermeister von München gefragt, aber der wollte nicht. Zeitgleich hat mir der Bürgermeister von Los Angeles zugesagt. Was soll ich dazu sagen? Ich meine, ich lebe und arbeite in München und dort ist ein Foto ein Problem. Und den Bürgermeister von L.A. habe ich erst bei meinem letzten Aufenthalt kennen gelernt und er sagt sofort zu…

"Imagine" Foto: Phil L. Herold

„Imagine“
Foto: Phil L. Herold

Welchen Traum oder Wunsch möchtest du dir als nächstes erfüllen?
Ich mache mich auf die Suche nach einer Galerie, die meine Bilder permanent ausstellt. Am liebsten wäre mir da eine Galerie in der Schweiz, dort kann man noch gute Preise verlangen.

Woher nimmst du diese unglaubliche Energie, an der sich die meisten Menschen ein Beispiel nehmen könnten?
Das liegt nur an der kalifornischen Sonne! Ich vermisse sie schon wieder sehr!

Rundherum wird gejammert und gejammert. Meist auf sehr hohem Niveau. Was möchtest du Menschen raten, die immer nur das Negative sehen?
In meiner Umgebung mag ich das überhaupt nicht, wenn gejammert wird. Ich jammere selber auch nicht. Das bringt niemanden weiter. Wenn dir etwas nicht passt, wie es läuft, musst du es eben ändern. Punkt.

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