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„Manchmal lebe ich unbunt“

Er ist der Weltmeister der Bodypainter. Und, obwohl er in einer schillernden Welt lebt, absolut bodenständig geblieben. Während er das Titelmodel der SALZBURGERIN stylt, plaudert er über seine Teilnahme an der WM, Kreativität im Allgemeinen und Speziellen und seine Träume und Ziele.
 Ein Artikel von Doris Thallinger

DecarliDass er eines Tages in einem kreativen Beruf landen würde, hat sich bei Ludwig Decarli schon in früher Kindheit abgezeichnet. Bereits als Bub hat er sich sämtliche Maltechniken selbst angeeignet und sich dann schließlich für eine Friseurlehre entschieden. „Ursprünglich wollte ich ja nur Haare schneiden und färben, und von Make-up gar nichts wissen. Aber meine damalige Chefin meinte, in mir ein Riesen-Talent entdeckt zu haben und hat mich sozusagen in diese Schiene ‚gedrängt‘“, erinnert sich der 33-Jährige zurück. Heute ist er froh darüber. Denn daraus hat sich schließlich seine große Leidenschaft fürs Bodypainting herauskristallisiert. Wobei mittlerweile kaum etwas vor Decarlis kreativer Ader sicher ist. „Ich habe ein sehr großes Spektrum, weil ich die Vielseitigkeit liebe.“ Diese Vielseitigkeit erstreckt sich von der Gestaltung ganzer Wände und Autos mittels Airbrush, dem Gestalten von Textilien, Flaschen und vielem mehr bis hin zum Design von Acryl- und Gelfingernägeln. „Der Schwerpunkt liegt natürlich nach wie vor auf meiner Arbeit als Maskenbildner und Visagist. Aber ich liebe alles, was kreativ und künstlerisch ist.“ Die Arbeit am Menschen fasziniert ihn am meisten: „Beim Bodypainten und auch beim Maskenbilden kannst du einen Menschen komplett verändern. Die Person ist danach nicht mehr dieselbe. Dieser Schaffensbereich, also wirklich neue Figuren zu erschaffen, das reizt mich irrsinnig.“ Und dabei sind auch seiner Fantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Mit Liebe zum Weltmeister
Fantasie und Kreativität hat Ludwig Decarli auch bei der diesjährigen Weltmeisterschaft der Bodypainter bewiesen. Nach einem dritten Platz 2009 und zwei zweiten Plätzen (2010 und 2015) hat er heuer den Sprung auf den ersten Platz geschafft und sich den Titel Bodypainting Weltmeister in der Kategorie Special Effects gesichert. Das Thema des Bewerbs, „Tradition“, hat Decarli mit „Liebe“ interpretiert. Gewidmet hat er dieses besondere Bodypainting seiner Mutter, mit der ihn ein sehr inniges Verhältnis verband, und die im März dieses Jahres verstarb. „ Ich habe mir in der Vorbereitung zur WM sehr viele Gedanken gemacht. Schließlich war es meine Mutter, damals war sie noch relativ fit, die mir gesagt hat: ‚Ludwig, vergiss nie – jede Tradition funktioniert nur dann, wenn du die Liebe zur Tradition pflegst!‘ Dieser Satz hat mich nicht mehr ausgelassen, und es stimmt: Es gibt kein passenderes Schlagwort für Tradition als Liebe.“ Und das sah die Jury offensichtlich genauso.
Mit diesem WM-Titel hat Ludwig Decarli ein großes Ziel erreicht; in nächster Zukunft möchte er sich aber wieder vermehrt auf andere Projekte konzentrieren. „Einmal Weltmeister werden, reicht für mich. Titel habe ich nun genug gesammelt.“
Stattdessen würde es ihn reizen, noch mehr für den Film zu machen, im Bereich der Maskenbildnerei. Oder nach Hollywood zu gehen und Heidi Klum für ihren jährlichen spektakulären Halloween-Auftritt zu schminken. „Träume darf man doch haben“, lacht er.
Doch es wäre wohl nicht Ludwig Decarli, wenn er nicht schon wieder vor neuen Ideen sprühen würde. Sein aktuellster Einfall: 3D-Wandgestaltungen. „Ich habe diese fixe Idee, unter anderem für Hotels Themensuiten zu gestalten. Zum Beispiel ein Almzimmer, in dem tatsächlich eine Sennerin aus der Wand heraus schaut, oder eine Kuh um die Ecke kommt – tatsächlich in 3D. Oder ein New York-Zimmer mit der Skyline in 3D, dem Nebel, das richtig urbanes Gefühl vermittelt. Das würde mich reizen.“

Inspiration Natur
„Es ist schon manchmal anstrengend, wenn man nonstop kreativ sein muss – es gibt einfach Situationen, in denen musst du auf Knopfdruck funktionieren. Natürlich ist es auch Routine, die es mir ermöglicht, Kundenideen rasch aufzugreifen und sofort ein paar Möglichkeiten im Kopf zu haben.“
Viele seiner Geistesblitze hat Ludwig Decarli jedoch, wenn er seinem Hobby nachgeht, der Gartenarbeit, oder mit seinem Hund Tino unterwegs ist. „Ich bin sehr naturverbunden. Da fallen mir oft die schrägsten Dinge ein. Zugleich ist die Natur mein Ausgleich.“
Und manchmal hat sogar ein Ludwig Decarli genug von der ständigen Kreativität, dem nie wirklich Abschalten können. „Dann bin ich einen Tag lang faul und lebe – ganz untypisch für mich – komplett ‚unbunt‘.“

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Fotos: www.kaindl-hoenig.com

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