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„Man muss die Tradition bewahren“

Nicht nur zur Weihnachtszeit ist der Name Sporer Inbegriff für feine alkoholische Getränke. Legendär ist der Orangenpunsch, der vor mittlerweile 90 Jahren kreiert wurde und seitdem im Advent nicht fehlen darf. Heute leiten Susanne und Michael Sporer den traditionellen Familienbetrieb.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Ihr führt den Familienbetrieb nun bereits in vierter Generation. Michael, war dein Weg von Anfang an vorgezeichnet?
Michael: Im Unterbewusstsein schon, aber nicht fix. Mein Vater hat mir sehr viel Freiheit und sehr viel Eigenentscheidung gelassen. Er hat nie gesagt, du musst das Unternehmen weiterführen oder du musst in meine Fußstapfen treten. Er hat immer gesagt, mach, was dir Spaß macht und es würde mich freuen, wenn es passt. Ich habe die Tourismusschule gemacht und dann einige Jahre in verschiedenen Hotels gearbeitet. Von Rezeption bis Buchhaltung und Service, in allen Bereichen. Mit 26 oder 27 bin ich dann nach Salzburg zurück und habe im Geschäft angefangen.

Wie war es für dich, dieses Erbe anzutreten?
M: Ich glaube, ich bin einfach damit aufgewachsen und so auch hineingerutscht. Mein Vater hat mir von Anfang an sehr viele Freiheiten gelassen und mich entscheiden lassen. Er hat mich eher begleitet und beobachtet und nicht hineingefunkt.
Susanne: Du hast ja auch schon immer mitgeholfen. So, wie es heute auch unser Sohn macht.
M: Stimmt, neben der Schule habe ich immer mitgeholfen und wenn ich zwischen zwei Saisonen zuhause war, habe ich genauso im Geschäft gearbeitet. Zum Schluss war es schließlich ein „familiärer Notfall“: Mein Vater hatte gefragt, ob ich in der Weihnachtszeit zurückkommen könnte – ich war gerade in Schottland –, weil sich meine Mutter um meine Oma kümmern musste. Und ja, dann bin ich durch meine Frau hängengeblieben!

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Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Wie habt ihr euch kennengelernt?
M: Wir kennen uns eigentlich schon sehr lange, haben uns schon in unserer Jugend kennengelernt und uns immer gut verstanden. Es hat schon immer ein bisschen geknistert. Wie gesagt, ich bin dann weggegangen aus Salzburg – und bei meinem Heimaturlaub sind wir uns dann nähergekommen. Susanne war aber mitunter auch schon ein Grund, warum ich damals zur Weihnachtszeit nach Hause wollte.

Worauf kommt es in einer guten Beziehung an?
S: Ich finde darauf, dass man viel Spaß miteinander hat, dass man sich gut versteht. Wir sitzen oft am Abend noch zusammen und reden sogar noch über Geschäftliches, also darüber, was so passiert ist, was lustig war untertags. Es ist wichtig, dass man sich gut unterhalten kann – auch wenn man den ganzen Tag gemeinsam arbeitet. Und wir haben wirklich viel Spaß zusammen. Das hält jetzt schon über Jahrzehnte an!
M: Bei uns passt es wirklich in allen Bereichen. Gerade, wenn man zusammen arbeitet, gemeinsam Familie hat, da muss man sich schon echt gern haben, wenn man sich rund um die Uhr sieht und alles gemeinsam macht. Man muss die familiären Probleme lösen, was halt auf einen zukommt. Und man muss auch die geschäftlichen Dinge zusammen lösen. Wir machen ja auch in der Firma alles gemeinsam.

Susanne, wie war dein Werdegang?
S: Ich habe eigentlich etwas ganz anderes gemacht, ich war Buchhändlerin. Dann habe ich am Mozarteum gearbeitet. Schließlich bin ich schwanger geworden und habe zwei Kinder bekommen. Danach bin ich ins Unternehmen eingestiegen – das ist nun auch schon wieder zehn Jahre her.

Wie alt sind eure Kinder?
S: Unsere Tochter ist 14 Jahre und unser Sohn 17 Jahre alt.

Werden sie ebenfalls in die Fußstapfen der Familie treten? Zeichnet sich das schon ab?
S: Unser Sohn geht in die Tourismusschule – das war wirklich freiwillig. Und er ist sehr glücklich mit der Entscheidung, mittlerweile ist er in der vierten Klasse.
M: Heuer im Sommer hat er beschlossen, ein Praktikum bei uns zu machen. Einmal darf man im elterlichen Betrieb arbeiten, wenn es ein touristischer Betrieb ist. Wir haben zwar keine Speisen, aber wir haben ja auch eine Konzession und die Ausschank dabei. Und ich muss sagen, es hat super funktioniert.

Die erste Probe bestanden?
M: Ja, perfekt – für alle Seiten, würde ich sagen. Die Kunden waren sehr happy, die haben sich gefreut über die fünfte Generation. Teilweise kommen ja auch die Kunden schon seit Generationen zu uns. Die Leute erzählen mir immer wieder gern, wie lange sie schon zu uns kommen und dass ihre Eltern und Großeltern auch schon bei uns waren.

Wie wichtig ist euch die Tradition – geschäftlich aber auch privat?
S: In der Familie sind uns manche Traditionen schon sehr wichtig. Weihnachten zum Beispiel feiern wir alle gemeinsam. Das ist dann immer eine große Familienfeier. Oder auch Ostern.
M: Und so lange es von der Schule her noch funktioniert, ist es uns auch wichtig, dass wir jeden Tag gemeinsam mit den Kindern zu Mittag essen. Ich finde, man darf Tradition nicht mit veraltet oder altfaderisch verwechseln. Man muss die Tradition bewahren, aber im Grunde das Moderne einfließen lassen.

_MG_5323Wie lässt sich im Geschäft Tradition mit dem Modernen in Einklang bringen?
S: Sehr behutsam. Wir haben ja auch das Geschäft in der Getreidegasse umgebaut. Aber ich glaube, für jemanden, der selten rein kommt, sind die Veränderungen fast nicht merkbar. Wir haben die Geräte und die Regale ausgetauscht, aber die hundertjährigen Fässer sind natürlich geblieben. Es schaut noch aus wie vorher, nur harmonischer.
M: Das war ein schwieriger Schritt, zu dem wir sehr lange gebraucht haben. Mein Opa hat das Geschäft 1952 zum letzten Mal umgebaut. Unsere große Angst war, dass jemand sagt: Oje, der Junior, jetzt zerstört er alles. Darum haben wir lange überlegt und den Umbau lange hinausgezögert. Hinten im Stüberl haben wir viele Sachen nur restauriert und vorne haben wir die Regale, die Bar und auch die Technik ausgetauscht. Es hat wirklich Kundschaften gegeben, die nur einmal im Jahr aus Wien kommen, die haben das gar nicht gemerkt.

Euer Geschäft ist sozusagen der Alkohol – was trinkt ihr persönlich am liebsten?
M: Natürlich Punsch von Sporer – und Hausmischung. Zum Essen Wein. Ich beschäftige mich schon seit ein paar Jahren mit Natural Wine und Orange Wine. Den trinke ich auch persönlich sehr gerne und versuche, ihn unseren Kundschaften näher zu bringen. Das ist mir wichtig – wir haben ja nicht nur unsere eigene Produktion, sondern auch immer schon internationale Spirituosen geführt. Den Wein habe ich jetzt im Geschäft verstärkt eingeführt. Mein Opa hat nur Likör und Schnaps gehabt. Mein Vater hat schließlich Bier eingeführt und dann, auf Drängen meiner Mutter (mein Vater ist Biertrinker, meine Mutter Weintrinkerin), hat der Wein Einzug gehalten, aber nur im kleinen Bereich, von einem Winzer.
Aber ich finde, man muss sich die Rosinen herauspicken. Ich möchte nicht von einem Winzer alle Weine haben, sondern immer nur den Wein, der mir schmeckt. Man muss schauen, dass man ein abwechslungsreiches Programm hat. Und das habe ich die letzten 17 Jahre aufgebaut und das wird auch im Geschäft sehr gut angenommen. Die letzten drei, vier Jahre ist mit den Orange & Natural Weinen mein neues Baby, mein großes Interesse, dazugekommen.

Wie empfindet ihr die Situation in der Altstadt als Gewerbetreibende?
S: Kürzlich war die Eröffnung von der Getreidegasse und da sind auch viele andere dabei gewesen, die ebenfalls kleinere Geschäfte haben. Man merkt dann, dass es noch viele kleinere Geschäfte gibt, z.B. Kirchtag, Schlosserei Wieber, es sind schon viele, die sehr engagiert sind und ganz viel machen. Es ist eine tolle Gemeinschaft.
M: Wir sind da total hineingewachsen, ich liebe das. Ich bin ein echter Altstädter. Der Grund, warum wir die Produktion nun ausgesiedelt haben, war nicht, dass wir von der Stadt weg wollten, sondern es war einfach in der Getreidegasse nicht mehr möglich. Vom Platz und natürlich von den ganzen Auflagen her, Brandschutz und all diese Sachen, das ist nicht mehr so wie früher. Aber ich liebe die Altstadt.

Wie wichtig ist euch das Gesellschaftsleben in Salzburg?
S: Sehr wichtig! Das Schöne an Salzburg ist, dass es auf der einen Seite persönlich wie ein „Dorf“ ist, wo jeder fast jeden kennt, und auf der anderen Seite, Vorfällen im Sommer aufgrund der Künstler und dem Internationalen Publikum eine „Weltstadt“ ist.

Was macht ihr in eurer Freizeit? Wie schafft ihr den Ausgleich zum doch oft stressigen Alltag?
S: Am liebsten treffen wir uns mit unseren Freunden. Das Schönste ist, wenn wir am Abend alle gemeinsam essen gehen, oft einmal ein neues Lokal ausprobieren. Dann natürlich auch Skifahren, Skitouren gehen, Laufen – ja, wir machen auch viel Sport. Aber dabei ist uns wichtig, dass man Sport auch immer mit Essen und Gemütlichkeit kombiniert.
M: Dass es einfach ausgewogen ist. Da macht man eine Skitour oder eine Bergtour, aber dann sitzen wir auch wieder irgendwo gemütlich zusammen.
S: Was uns sehr wichtig ist, ist unser Skiurlaub. Gerade nach der stressigen Zeit im Winter.
M: Das ist für mich die totale Erholung. Ich mag es irrsinnig gern, in Österreich Winterurlaub zu machen.

_MG_5316Susanne, du sagst, ein guter Tag ist, wenn du mindestens hundert Mal gelacht hast – das geht sich aus bei dir, oder?
S: Ja, weil der Michi so lustig ist.

Worüber kannst du am meisten lachen?
M: Sag jetzt nicht, über mich!
S: Mit dir! Nein, wir haben einfach den gleichen Humor. Es gibt immer etwas, das lustig ist, das kann man gar nicht so genau sagen. Wir schauen auch, dass – auch wenn jetzt die stressige Zeit kommt – wir den Humor nie verlieren.

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