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Lust und Frust am Muttersein

Die Vereinbarkeit von Job und Familie hinkt weiterhin nach. Auch wenn es Modelle für den Wiedereinstieg gibt, landen viele Frauen in der Teilzeitfalle. Die schwindenden Jobchancen frustrieren Mütter und schmälern die Wertigkeit des „wichtigsten Jobs der Welt“.
Ein Artikel von Susanne Rosenberger

Als der Hamburger Journalistin Katrin Wilkens die freiberufliche Arbeit nach der Geburt ihres dritten Kindes erschwert möglich schien, gründete sie kurzerhand 2011 mit einer Kollegin die Job-Profiling-Agentur i.do. Zielgruppe: „Augenringe und Babykotze auf der Suche nach einem neuen Job“. Heute brennt Katrin Wilkens für ihren Job und möchte für jede Kundin die passende Lösung finden. Nach über 1000 Beratungsgesprächen weiß Katrin Wilkens, wie schwierig es für Mütter ist, den Wiedereinstieg in den Beruf zu schaffen. Die Job-Profilerin nimmt davon Abstand, Frauen zu einem radikalen Wechsel zu raten. Vielmehr sucht sie nach dem Machbaren, das funktioniert. Arbeit bedeutet nämlich nicht nur Identität, sie gibt dem Leben Struktur, Spaß, Gemeinschaft und Sinn und bringt zudem Geld. Eine optimale Synthese aus Job, Familie und Identität ist für die Autorin Katrin Wilkens absolut erstrebenswert.

zitatBilanz einer Mutter
Fragt man Mütter nach den „Pros & Contras“ des Mutterseins, fallen den meisten hauptsächlich emotionale Vorteile ein, wie leuchtende Kinderaugen, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, Sinnstiftung oder Bereicherung des Lebens. Die Negativseite hingegen wiegt schwer: kein Job, kein eigenes Einkommen, keine Wertschätzung, wenig Beachtung, schlechte Chancen bei Scheidung, erschwerter Wiedereinstieg in den Job, miese Jobchancen, fehlende Betreuungsplätze. Zudem ist Muttersein anstrengend, nervenzehrend, raubt den Schlaf und gibt das Gefühl, abhängig und unfrei zu sein. Trotz alledem überwiegen für die meisten Mütter die emotionalen Vorteile in der Bilanz des Lebens.

Foto: JenkoAtaman - stock.adobe.com

Foto: JenkoAtaman – stock.adobe.com

Wiedereinstieg oder Neuorientierung?
Egal, welche berufliche Richtung man nach der Karenz einschlägt: Es ist wichtig, die Schritte für den Wiedereinstieg früh genug zu planen. Um die Fragen „Was will ich? Wieviel möchte ich arbeiten? Wie vereinbare ich Familie und Beruf?“ kommt man hier nicht herum.
Wenn Sie Ihren alten Job behalten möchten, schadet es nicht, während der Karenz mit dem Betrieb Kontakt zu halten, um über wichtige Betriebsgeschehnisse informiert zu bleiben. Kümmern Sie sich rechtzeitig um einen passenden Betreuungsplatz für Ihr Kind und überlegen Sie sich, ob Ihre Qualifikationen auf dem neuesten Stand sind.
Für den Wiedereinstieg nach der Babypause gibt es in Österreich mehrere Varianten. Möchte man nach der Karenz in Teilzeit arbeiten, müssen einige rechtliche Voraussetzungen vorliegen. Nur wer zuvor drei Jahre im Betrieb angestellt war und dieser mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, hat einen gesetzlichen Anspruch, bis zum siebten Geburtstag des Kindes in Elternteilzeit zu arbeiten.
Will man hingegen nach der Babypause beruflich neu durchstarten, stehen Modelle wie Bildungskarenz oder eine Weiterbildung im Raum. Auch wenn der Fortbildungsmarkt groß ist, bedarf es einer ordentlichen Portion Eigenmotivation und ungestörter Zeit zum Lernen – was neben einem quengelnden Kleinkind schwierig ist.
In Salzburg unterstützt das Kompetenzzentrum „Frau & Arbeit“ Wiedereinsteigerinnen mit spannenden Programmen zum Thema „Meine berufliche Zukunft“: Begleitung während der Arbeitssuche (Check Bewerbungsunterlagen, Coaching Bewerbungsgespräch), Vermittlung von Kinderbetreuung, Bildungsberatung, Workshops zu Zeit- und Stressmanagement, Gehaltsverhandlung, etc. Rund 7.500 Frauen pro Jahr nehmen die Angebote von „Frau & Arbeit“ in Anspruch. (www.frau-und-arbeit.at)

Job-Sharing oder Home-Office?
Um den Mitarbeitern den Wiedereinstieg zu erleichtern, bieten manche familienfreundliche Unternehmen bereits Modelle wie Job-Sharing, Gleitzeit oder Home-Office-Regelungen an. Jobsharing wird als Form der flexiblen Arbeitszeitgestaltung verstanden, bei der sich zwei Mitarbeiterinnen einen Vollzeit-Arbeitsplatz teilen – was eine gut funktionierende Kommunikation und Organisation zwischen den beiden Mitarbeiterinnen voraussetzt. Das Unternehmen profitiert dabei von doppeltem Know-how und kann geplante wie ungeplante Abwesenheitszeiten, etwa durch Krankheit, besser abfedern. Auch Home-Office-Regelungen können Mitarbeiterinnen mit Kindern extrem entlasten, indem sie sich den Arbeitsweg sparen und im Krankheitsfall das Kind zuhause betreuen können. Ein Wiedereinstiegs-Gespräch mit dem Chef vor dem ersten Arbeitstag nach der Babypause lohnt sich auf jeden Fall, um konkrete Ziele und Wünsche auf beiden Seiten abzuklären.

Foto: epiximages - stock.adobe.com

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Neubeginn als „Mompreneur“?
Viele Mütter stellen nach der Geburt eines Kindes alles auf den Prüfstand, weil sich ihr Wertekorsett verändert hat. Sie entscheiden sich bewusst gegen den alten Job und für einen Neubeginn. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist ein beliebter Weg, weil man sich die Arbeitszeiten flexibel einteilen und sein eigenes Ding machen kann – daheim oder in Co-Working-Büros, wo Vernetzung und Teamarbeit möglich sind. „Mompreneurs“ nennt man in den USA solche Mütter, die als Selbstständige arbeiten. Allerdings birgt die Selbstständigkeit auch Fallen, wie das Verschwimmen von Job und Privatleben, viele Unsicherheiten und fehlender Lohnersatz bei Krankheit. Mehr Infos unter: www.die-unternehmerinnen.info

Wütender Aufschrei
Als „wütenden Aufschrei, der Frauen Mut macht“ bewirbt der Westend Verlag das neue Buch von Katrin Wilkens. Wütend ist die Autorin vor allem darüber, dass deutsche Frauen immer noch weniger Geld verdienen und halb so viel Rente bekommen wie Männer – eine Tatsache, die sich in Österreich nicht viel anders darstellt, wie Claudia Weiß von „Frau & Arbeit“ bestätigt: „Wenige Frauen denken an die Zukunft (Lebenseinkommen, Pension). Die Möglichkeit des „Pensionssplittings“ ist kaum bis gar kein Thema bzw. Frauen zu wenig bekannt. Vielfach stehen (Ehe-)Partner diesem Splitting ablehnend gegenüber. Mögliche finanzielle Regelungen als Ausgleich zur Betreuung der Kinder werden auf später verschoben.“

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Zum Weiterlesen:

„Mutter schafft! Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt“ von Katrin Wilkens (Westend Verlag, 240 Seiten, € 18,50,

ISBN: 978-3-86489-246-2)

Was ist mir wichtig?
Foto: DDRockstar – stock.adobe.com

Leider erntet man selbst in unserer, ach so fortschrittlichen Zeit viel Unverständnis, wenn man sich als Frau outet, keine Kinder haben zu wollen. Auf meine ureigenste Entscheidung, mein Leben betreffend, sind manche Reaktionen irritierend: „Du wirst schon sehen, was du einmal davon hast, wenn du alt und krank bist!“
Moment, ich soll Kinder in die Welt setzen, damit sie mich einmal pflegen? „Du weißt ja gar nicht, was dir entgeht!“ Stimmt, aber welche Mutter weiß, was ihr entgeht? „Da kannst du nicht mitreden, du hast ja keine Kinder!“ Aber deswegen immer noch eine Meinung! Welchen Wert eine kinderlose Frau zu haben scheint, ließ mich die Aussage einer Bekannten überdenken: „Mir darf nichts passieren, ich bin ja Mutter!“ Natürlich verstehe ich – mit der Geburt des Kindes übernimmt man die Verantwortung für einen weiteren Menschen. Aber dennoch möchte ich auch nicht, dass mir etwas passiert! Habe ich einen geringeren Wert, weil ich keinen Nachwuchs in die Welt gesetzt habe? Nie im Leben würde ich es mir anmaßen, einer Mutter zu erklären, dass ihr Leben in irgendeiner Weise schlechter sei als meines! Warum ist es dann umgekehrt scheinbar völlig in Ordnung?

Ein Kommentar von Doris Thallinger

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