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Lukullisches Farbenspiel

Ein Hauch von Luxus, eine Idee von High-Tech, ein Bekenntnis zu bunten Spielereien und der Wunsch nach Offenheit und Freundlichkeit. Die neuen Küchen erfüllen mehr geheime Wünsche als das Herz des Hobbykochs zu hoffen gewagt hatte. Wir wissen, was Sie 2016 vor dem Herd erwartet.

Der markanteste Trend der letzten Jahre setzt sich fort: Die Küche will und muss ihren fixen Platz im Herzen des Wohnraums haben. Isoliertes Kochen gehört ins letzte Jahrtausend und dementsprechend gestaltet sich auch der innigste Wunsch der meisten Küchenbesitzer: Eine Kochinsel muss Ess- und Wohnzimmer mit der Küche verbinden – zumindest wenn der Platz dafür vorhanden ist. Sind die Verhältnisse etwas kleiner, so sorgt ein hoher Tisch mit Hockern für gemütliches Ambiente und ein integriertes Gefühl. Das Schwingen des Kochlöffels soll auf jeden Fall Bestandteil eines geselligen Miteinanders sein. Die Hersteller kommen dem Wunsch gerne nach und passen ihre Küchenmodelle bis ins kleinste Detail an die gewachsenen Ansprüche der Kunden an. 2016 heißt Sie willkommen in der Eierlegenden-Wollmilchsau-Küche.

Voll integriert

Wenn die Küche sich voll in den Wohnraum integrieren soll, muss sie sich vom Ambiente und von den Materialien auch an ihr Umfeld anpassen. Früher mussten Stile und Fronten nicht auf Wohnzimmermöbel ausgerichtet sein, jedes Zimmer durfte seinen eigenen Stil haben – sofern das gewünscht war. Der offene Wohnraum aber verlangt nach Harmonie. Auf diesen Anspruch wurde heuer von Seiten der Hersteller offenbar ganz besonders viel Wert gelegt, denn die Vielfalt ist groß wie nie zuvor. Allen voran steht in diesem Jahr Keramik hoch im Kurs. Edle dünne Abdeckungen und Arbeitsplatten aus diesem Rohstoff gelten als absolutes Must-have. Ist aber auch verständlich. Schließlich ist Keramik extrem belastungsfähig und trotz-dem pflegeleicht. Zudem lässt es sich sehr hygienisch auf solchen Platten arbeiten, da sie bei sehr hohen Temperaturen gebrannt werden und so keine gelösten Elemente freisetzen – komisch, dass nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist, Keramik in der Küche einzusetzen. Angesagt ist auch ein zweites Material, das man nicht sofort in der Küche vermutet hätte: Naturstein. Auch er hat den Vorteil, extrem pflegeleicht zu sein und er ist obendrein hitzebeständig. Hier braucht niemand unschöne Ränder von heißen Töpfen zu befürchten. Der wichtigste Spieler ist und bleibt jedoch das Holz. Aber auch hier gibt es abseits des
gewohnten Looks einen Trend: Holz wird offenporig und vermittelt absolute Naturverbundenheit – das gilt natürlich für Landhausküchen, aber auch für klassisch moderne Formen. Auch für Naturholz gilt: frei von Lacken und
anderen Schadstoffen – einfach perfekt für die anspruchsvolle Küche.

Bleiben wir ästhetisch

Apropos perfekt: Keine Wünsche müssen in puncto Farbe offen bleiben. Wenn man sich die aktuellen Modelle ansieht, merkt man gleich, dass Bunt das neue Weiß ist. Während das klassische Weiß in den letzten Jahren hoch im Kurs stand, darf ab heuer wieder Farbe bekannt werden. Sogar die Einlagebretter können in unterschiedlichen Nuancen bestellt werden. Das Ganze sollte nur zur restlichen Einrichtung passen und die Küche nicht zu einem schrillen Fremdkörper im Haus machen. Sehr edel ist beispielsweise eine einheitliche Farbgebung, also wenn Küchenfronten und Arbeitsplatte in einer Farbe sind. Passend zu den Naturmaterialien wie Stein fügen sich die trendigen Erd- und Schlammtöne ins Gesamtbild ein. So leicht wird es aber natürlich nicht, den Farben-König vom Sockel zu stoßen – Weiß wird nach wie vor ganz vorne mitspielen, aber weniger in Glanz-Optik als vielmehr in einem matten Look. Die Formen sind nach wie vor geradlinig und kubisch, ein Hingucker werden sie aber dennoch sein. Die Hersteller haben sich nämlich auch hier etwas überlegt. So gehen die Fronten auf Wunsch bis zum Boden, sind also sockelüberdeckend oder sie zeigen wahre Größe in Form von Large-Size-Fronten. Auch bei den massiven Korpi gilt: Grifflose Abdeckungen sind in, egal ob es sich im Verborgenen um eine mechanische oder eine elektrische Lösung handelt. Wobei es gerade bei diesen großen Fronten
natürlich extrem beeindruckend ist, wenn sie sich wie von Zauberhand öffnen und schließen – alles nur mit einem kleinen Fingertip. Fingerabdrücke aber braucht der ästhetische Küchenchef nicht. Die Oberflächen sind immer mehr mit einer matten Anti-Fingerprint-Beschichtung versehen.

Technisiertes Helfer-Syndrom

Last but not least haben High-Tech und Apps auch die Küche erobert. Das Handy kommuniziert mit der Haustechnik, Küchen bekommen Touchscreens verpasst, auf denen Einkaufslisten ebenso abgelesen werden können wie die verbleibende Kochzeit. Wer nun Angst hat, Spielfigur in der eigenen Küche zu werden, sei beruhigt. Die Bedienung wird nicht komplizierter, es wird nur digital, praktisch und übersichtlich. Beispielsweise lassen sich Smartphone und Tablet auch auf Küchenmöbeln schon kabellos aufladen – einfach hinlegen und es kann schon losgehen. Wer gerne Rezepte am Tablet nachkocht, wird sich über Akkulaufzeiten also keine Sorgen mehr machen müssen. Wenn das Gerät nicht kabellos geladen werden kann, macht es auch nichts – die Steckdosen sind in der Arbeitsplatte versenkt und fahren auf Knopfdruck aus. Der Dunstabzug verschwindet von der Decke und wird ebenfalls neben dem Kochfeld in der Arbeitsplatte platziert. Die Küchengeräte selbst werden auch immer klüger und vereinen mehrere Funktionen. Mikrowelle, Dampfgarer, Grill und Heißluftofen stecken in einem Gerät, Rezepte sind bereits vorgespeichert und Ofentüren versenkbar, um zu verhindern, dass man sich beim Herausnehmen des Essens an ihnen verbrennen kann. Das geht bis zum Kühlschrank mit W-LAN und Kamera. Wer nicht genau weiß, was er für das Abendessen noch im Kühlschrank hat, der lässt sich die Kamerabilder einfach live auf sein Handy übertragen. Es gibt aber natürlich auch analoge Ideen, die das Leben etwas erleichtern können. So gibt es beispielsweise Kühlschränke, die mit einer Tafelähnlichen Front bestückt wurden und nach Lust und Laune beschmiert werden können – quasi der Retro-Einkaufszettel. Oder auch die magnetische Glasrückwand, die für Messer ebenso praktisch ist wie für diverse Merkzettel – das Post-it hält in der Küche ohnehin nicht lange.

Das oberste Gebot in puncto Küchentechnik: Wer seine Küche mit dem Wohnraum verschmelzen lassen möchte, braucht geräuscharme Geräte, dann steht einer problemlosen Integration nichts mehr im Wege.

Anreas Feichtenberger

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