Wein

Leicht & Spritzig

Der Weinjahrgang 2014 liegt quantitativ unter den Erwartungen, qualitativ über den Befürchtungen. So etwa lautet der Tenor aller Weinbauern in Österreich, auch wenn es regional große Unterschiede durch den Witterungsverlauf und andere Umstände gibt.

Alexander Koblinger, Master-Sommelier (Restaurant Hotel Obauer in Werfen) und gewiss einer der besten österreichischen Wein-Kenner hinsichtlich aller gebräuchlichen Bewertungen, Nuancen und des nationalen und internationalen Angebots bringt es auf den Punkt: „Was der neue Jahrgang wirklich am Gaumen bringt, welche Qualität er hat und wo die Unterschiede liegen, das wird sich erst später herausstellen, jetzt ist ein endgültiges Urteil jedenfalls zu früh“. Die ersten fundierten Bewertungen – ausschließlich für Weißweine – werden wohl bei der größten und wichtigsten Weinmesse Europas, der „ProWein“ in Düsseldorf ausgesprochen, wo mit 350 österreichischen Ausstellern das Angebot so groß sein wird wie noch nie, was auch die Bedeutung des österreichischen Weins weit über die Grenzen des Landes hinaus unterstreicht.

Wenig aber gut
Der Ertrag war, so erzählen alle befragten Winzer, leicht bis relativ stark unter jenem des Vorjahres, wobei der teilweise warme und sonnige Oktober quasi die Rettung in letzter Minute war. Die Ernteausfälle durch den zu feuchten und relativ kühlen Sommer lagen, je nach Region und Lagen, bis zu 50 Prozent, meist so um die 10. Gustav Strauss, der für die Vinifizierung verantwortliche Jungwinzer der gleichnamigen Winzerfamilie nahe Gamlitz, betont, dass es ein schwieriges Jahr gewesen sei, der schöne Herbst den Jahrgang doch insgesamt positiv abgeschlossen habe. „Die Weine des Jahrgangs 2014 sind frisch, fein-fruchtig, leicht und weisen doch eine schöne Dichte auf. Die besten Lagen sind mit einem Alkoholgehalt von 13,2 Prozent der beste Beweis.“  Ähnlich äußert sich Hannes Sabathi, einer der aufstrebenden, jungen Winzer der Südsteiermark: „Der 2014er ist erstaunlich gut geworden, mit wenig Alkohol, normaler Säure und starker Sortentypizität, auch wenn in manchen Lagen der Ertrag um nahezu 50 Prozent – auch durch mangelnde Reife und Fäulnis – eingebrochen ist.“ Die Weinlese war diesmal besonders aufwändig, meist zwischen Mitte September und Ende Oktober in mehreren Durchgängen, auch weil sehr sorgfältig auf die Qualität der Trauben geachtet werden musste und die Zeitfenster je nach Sorten und Lagen eher klein waren. 

Regionale Unterschiede
Sicher ist, dass die Winzer letzten Herbst besonders gefordert waren, wobei sich einmal mehr die „Winzerweisheit“, dass sich die Qualität eines Jahrgangs erst im Frühherbst entscheide, als richtig erwiesen hat. Der zu kühle und nasse August brachte, wie es ein Fachmagazin schrieb, „die Winzer schier zur Verzweiflung“. So mussten mitunter schon im Sommer Blätter in der Traubenzone ausgeschnitten werden, damit Licht und Luft zu den Trauben gelangte.  Dennoch keimte wegen des guten Behangs die Hoffnung auf einen doch recht guten Jahrgang, die jedoch durch den September zunichte gemacht wurde. Egal ob in Niederösterreich oder in der Steiermark. Im Burgenland sowieso. Trotzdem ist es, so die allgemeine Einschätzung, durch den warmen Oktober wieder gelungen, sogar Lagenweine in geringerer Menge zu keltern, auch wenn überall die verzögerte Reife und der Fäulnisdruck enorm waren.  Besonders schwierig waren die Voraussetzungen bei den roten, frühreifen  Sorten, wie dem Zweigelt oder dem Sankt Laurent. Im bundesweiten Schnitt liegen die Einbußen bei zehn bis 15 Prozent im Fünf-Jahres-Vergleich, im Burgenland teilweise bei den schon genannten 50 Prozent, auch weil hier mehrmals Hagel Schaden anrichtete. Die letztendliche Qualität der Ente wird sich allerdings erst dann erweisen, wenn der Rotwein auf Flaschen gezogen wird, also viel später als beim Weißen.

Süßwein und Rosé
Die überall aufgetretene Botryitis (Edelfäule), die in manchen Weingärten zu Frühernten führte, hatte aber auch ihre gute Seite, nämlich für die Süßwein-Erzeuger – 2014 wird wahrscheinlich ein gutes Jahr für Beeren- und Trockenbeeren-Auslesen. Noch ein Vorteil für Rosé-Liebhaber: Die zu frühe Ernte roter Trauben bringt ideale Voraussetzungen für Rosé. Von der grassierenden Botryitis war schon die Rede, sie ist in den Süßweinregionen eine durchaus willkommene Erscheinung. Da sie beim Jahrgang 2014 in allen Weinbauregionen aufgetreten ist, wird es wohl auch ein Jahr der Süßweine werden. Freunde von Rosé-Weinen werden ebenfalls auf ihre Rechnung kommen, denn es mussten viele Rotwein-Trauben mit geringen Gradationen geerntet werden – für einen guten Rotwein zu wenig, für einen Rosé ideal.

Apropos Rotwein: Im amerikanischen Fachmagazin „Wine Enthusiast“ wurde zum ersten Mal in der Geschichte dieses Magazins ein österreichischer Rotwein mit 96 Punkten ausgezeichnet: Der Pinot Noir Reserve, Limited Edition 2012, von Anton Bauer rangierte unter hundert Proben mit 96 Punkten vor allen bekannten Süßweinen.

Fazit:
Der Weinjahrgang 2014, wobei hier nur Weißweine einbezogen sind, ist allen Witterungseinflüssen zum Trotz ein guter geworden, wenngleich eher leicht mit weniger Alkohol, doch strahlend, frisch und fruchtig, ein Jahrgang mit hoher Lagerfähigkeit, vergleichbar etwa den Jahrgängen 2008 oder 11, eventuell sogar jenen der Jahre 1984 und 88. Eine positive Überraschung, die sogar die Winzer zufrieden macht, auch wenn die Menge geringer ausgefallen ist.

Rene Herndl

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EXPERTEN-TIPP
von Laura  Grahammer/Wein-Raum:

Wenn die Konsumenten merken, dass der neue Jahrgang sehr gut geworden ist, auch wenn einige hochwertige Lagenweine fehlen, dann wird es bald zu Engpässen kommen, und die Preise werden auch wegen der geringen Mengen eher steigen.  Bei etlichen Lagen wurden die Qualitäten heruntergestuft, was bei den nun angebotenen Weinen zu sehr guten Ergebnissen geführt hat. Problematisch und mit viel Arbeit wird dieser Jahrgang für Gastronomen, die nicht die gewohnte Breite anbieten können und zudem auch hinsichtlich Menge vorsorgen müssen.

Zum Burgenländischen Rotwein kann man schon jetzt sagen, dass mehr Säure und Tannine prägend sein werden, auch wenn wir das Ergebnis erst in einigen Jahren beurteilen können. 

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EXPERTEN-TIPP
von Elisabeth Eder/Weinflüsterer:

2014 war ein arbeitsintensiver und absolut herausfordernder Jahrgang für die Winzer. Kühles, feuchtes Wetter mit wenigen Sonnenstunden bewirkte eine langsame Traubenreife und verursachte eine Menge Fäulnis, die durch eine stetige Weingartenarbeit eingedämmt werden konnte. Daneben mussten die Winzer viel Geduld und starke Nerven besitzen. Für mich ist 2014 ein Jahrgang der Winzer! Die Winzer, die das Risiko des Ertragsverlustes zugunsten der optimalen Traubenreife eingingen, wurden mit außergewöhnlichen Trauben belohnt. Generell ist 2014 bei den Basisweinen ein leichterer, fruchtbetonter, trinkfreudiger Jahrgang. Leider gibt es nur kleine Mengen an Reserveweinen, diese sind allerdings Weltklasse, sie benötigen noch Zeit zum Verwachsen und verfügen über ein großartiges Lagerpotenzial. Mein Tipp: Verkosten Sie die Weine sehr genau und achten Sie dabei im Speziellen auf die Reife der Säure und der Tannine. Weinmachen ist ein Handwerk und die Winzer, die diese Kunst beherrschen, haben perfekte Weine aus diesem extrem schwierigen Jahrgang kreiert.

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EXPERTEN-TIPP
von Erwin Rieger/Rieger Weinloft:

Der Weinjahrgang 2014 trennt bei den Winzern eventuell die Spreu vom Weizen. Es könnte ein sehr gutes Riesling-Jahr sein, wobei generell das Geschmackserlebnis ein besonders präzises sein wird, weil sich die Sorten sehr typisch voneinander unterscheiden. Durch den durchschnittlich geringeren Alkoholgehalt wird etwa auch beim Smaragd besonders wenig zu bekommen sein, wobei ganz allgemein eine etwas längere Lagerung die Entwicklung der Weine sicher begünstigt. 

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