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„Ladys Power“ im Gasteinertal

Sandra Reichel als Direktorin und Judith Wiesner-Floimair als Botschafterin sind die starken Frauen im Organisationsteam des 8. WTA-Turniers, „NÜRNBERGER Gastein Ladies“, vom 5. bis 13. Juli 2014 in Bad Gastein. Mit der Salzburgerin sprachen die ehemaligen Tennisprofis über die Emanzipation der Tennis-Ladys, über einen Traumberuf, der manchmal zum Albtraum wird und über das diesjährige Sommersport-Highlight im Salzburger Land, das so hochkarätig besetzt ist wie nie zuvor.

Sandra Reichel, gebürtige Oberösterreicherin (Jg. 1971), war einst eine ehrgeizige Tennisspielerin. „Aber mit 22 Jahren war ich mental nicht mehr zu 100 Prozent überzeugt, dass ich es wirklich will.“ Und Reichel zog nach Wien und studierte internationale Betriebswirtschaftslehre. Mit ihrem Vater, Peter-Michael Reichel, führt sie nun die Sportagentur „Matchmaker“ – und sie ist die einzige Frau der Welt, die als Direktorin bei drei WTA-Turnieren tätig ist: Beim „NÜRNBERGER Versicherungscup“ in Nürnberg, beim „Generali Ladies“ in Linz, und beim „NÜRNBERGER Gastein Ladies.“

Sandra, wie schaffst du es, eine Top-Ten-Spielerin wie Sara Errani für das Turnier in Bad Gastein zu verpflichten? Nur mit Geld?    

Reichel: Im Tennis ist viel Geld im Spiel, und es wird immer härter, Top-Spielerinnen für ein Turnier dieser Größenordnung zu engagieren. Wichtig ist, einen guten Kontakt zu den Spielerinnen und deren Management zu pflegen, ein familiäres Ambiente zu bieten … und natürlich braucht man auch ein bisschen Glück. Die Italienerin Sara Errani ist unsere erste Top-Ten-Spielerin in Gastein, dazu kommt eine starke Armada aus Deutschland, an der Spitze Andrea Petkovic, die bei den French  in Paris im Halbfinale stand, und natürlich die österreichischen Titelverteidigerinnen, Yvonne Meusburger und die Salzburgerin Sandra Klemenschits.

Wie pflegeleicht oder zickig sind die Top-Stars?

Reichel: Die Szene hat sich verändert, die Konkurrenz ist stärker geworden.  Ein paar sind zickig, aber die meisten sind hoch-professionell in ihrem Auftreten. Top-Stars sind meistens  normal und pflegeleicht, speziell Ana Ivanovic, die auch schon in Linz zu Gast war, ist eine Vorzeigespielerin und sehr sympathisch. Auch Maria Scharapowa ist problemlos.

Direktorin bei drei WTA-Turnieren – bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?

Reichel: Mein Beruf ist mein Hobby. Meine wichtigste Erfahrung im Einzelsport Tennis war, dass man gewisse Dinge alleine bewältigen muss und selbst verantwortlich ist. Tennis ist ehrlich, die Bessere gewinnt. Mein Motto im Leben lautet: Geht nicht, gibt`s nicht! Und ein wenig Zeit für Hobbys wie Bergsteigen im Gasteinertal bleibt schon noch.

Judith Wiesner-Floimair war einst Nummer zwölf der Damen-Weltrangliste und ist, gemessen an Erfolgen, nach wie vor Österreichs beste Tennisspielerin aller Zeiten.  Die gebürtige Halleinerin (geb. 1966, Mädchenname Pölzl) war schon in jungen Jahren im Tenniszirkus als Persönlichkeit hoch geschätzt, und für die Medien ist sie noch immer eine begehrte Interviewpartnerin, die Fragen in fünf Sprachen beantworten kann. Olympia (sie spielte 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta)  ist für Wiesner-Floimair ein besonderes Reizthema.

Judith, wann ist der Startschuss für die rasante Entwicklung des Damentennis, das sich ja erst emanzipieren musste, gefallen?

Wiesner-Floimair: Vor 41 Jahren hatten neun Damen, die professionell Tennis spielen wollten, genug davon, von den Männern unterdrückt zu werden, weniger Geld zu bekommen, auf den hinteren Plätzen spielen zu müssen. Federführend war die US-Amerikanerin Billie Jean King. Das war gleichsam die Geburtsstunde der WTA-Tour (Women`s Tennis Association).

Legendär war damals auch der Kampf der Geschlechter zwischen der 29-jährigen Billie Jean-King und dem 55-jährigen Ex-Wimbledonsieger Bobby Riggs.

Wiesner-Floimair: Ja, Battle of the Sexes ist total hochstilisiert worden, 50 Millionen Menschen sind vor den TV-Schirmen gesessen – und Billie hat gewonnen. Das war sehr wichtig für die Legitimation von Damentennis. 1973 ist, wie erwähnt, der Durchbruch gelungen. Die Entwicklung ist gigantisch, weltweit gibt es jetzt 54 Turniere, bei denen rund 90 Millionen Dollar an Preisgeld ausgeschüttet werden.

Welche Spielerinnen haben die Entwicklung am Stärksten geprägt?

Wiesner-Floimair: Was Athletik und Professionalisierung von Damentennis betrifft, war Martina Navratilova sehr wichtig. Sie war körperlich auf einem anderen Level. Mit Steffi Graf hat eine neue Ära begonnen. Sie hat Damentennis, was Europa und speziell Mitteleuropa anbelangt, auf eine neue Ebene gehoben.

Und wer hat sich in der neuen Generation verewigt?

Wiesner-Floimair: Natürlich die Williams-Schwestern, Venus und Serena, sie haben den nächsten Meilenstein gesetzt. Sie stammen aus einem Armenviertel und sind symptomatisch für die Chance, die sich Frauen im Sport eröffnen können. Unabhängig von Hautfarbe und Herkunft. Ich kann mich an die Zeit erinnern, in der zwei bis drei dunkelhäutige Spielerinnen auf der Tour dabei waren. Die Amerikanerin Zina Garrison etwa.  Sie waren damals Außenseiterinnen, doch nach und nach sind gesellschaftliche Hürden überwunden worden und Barrieren gefallen. 

War Tennis für dich immer ein Traumberuf?

Wiesner-Floimair: In meiner Jugend hat sich niemand aus Österreich zugetraut, als Tennisprofi erfolgreich leben zu können. Ich wollte zwar Tag und Nacht Tennis spielen, aber „was G`scheites“ zu lernen, war Pflicht und Vorgabe meiner Eltern. Natürlich ist es manchmal hart: Der ständige Druck, die Niederlagen, das Reisen, Verletzungen. Aber das gehört dazu, wie in jedem Beruf. Dafür hat man ja auch unvergleichlich gute Chancen.

Und Olympia – Traum oder Albtraum?

Wiesner-Floimair: Olympia war immer mein Traum, ich wollte unbedingt dabei sein. Man hat ja so tolle Vorstellungen von Olympia, ich wollte auch viele andere Sportarten sehen und Sportler kennenlernen und habe mich bewusst für das Olympische Dorf entschieden, war dann in Barcelona 1992 und Atlanta 1996 dabei. Das war auch wichtig, aber aus einem anderen Grund: Es war desillusionierend.

Aus welchem Grund?

Wiesner-Floimair: Die Sportler sollten sich mal organisieren, Standards einfordern und den IOC- und sonstigen Funktionären klarmachen, dass die Athleten das Herzstück und das Wichtigste sind!

Als Athlet spielst du sozusagen die letzte Geige. Ganz im Gegensatz zur WTA-Tour, wo die Sportlerinnen im Vordergrund stehen, geht es bei Olympia nur ums Geschäft der anderen auf Kosten der Athleten. Mir haben nur all` jene leid getan, die in Sportarten daheim sind, wo Olympia das Wichtigste ist, die vier Jahre hart arbeiten und dann Bedingungen vorfinden, unter denen sie ihre beste Leistung womöglich nicht abrufen können. Tennis ist da ja Gott sei Dank nicht dabei.

Ein Outing lesbischer Spielerinnen hat es damals noch nicht gegeben, oder?

Wiesner-Floimair: Es war schon allgemein bekannt, wer lesbisch ist und wer nicht, und diese Gruppen oder Pärchen blieben da meistens unter sich. Aber was wurde da gehetzt vor allem in deutschen Medien, um der Steffi Graf gegen Martina Navratilova, die ja sehr nah am Wasser gebaut ist, einen psychologischen Vorteil zu verschaffen.

Nach der Karriere warst du in der Kommunalpolitik engagiert. Wie fällt dein Resümee aus?

Wiesner-Floimair: Die fünf Jahre als ÖVP-Klubobfrau in der Stadt Salzburg waren mit Sicherheit sehr spannend und interessant, ich habe mich in unserer Gemeinschaft sehr wohl gefühlt und das tu ich auch jetzt noch. Man muss allerdings schon eine sehr dicke Haut haben, um ein Leben lang Politik zu betreiben, abgesehen vom enormen zeitlichen Arbeitsaufwand, der damit in Verbindung steht.

Ich habe das Angebot von LH Schausberger damals angenommen, weil ich der Meinung bin, dass sich jeder einmal für das Gemeinwesen einsetzen sollte; dass alle, die jammern, sich besser engagieren und dann ein Urteil fällen sollten; dass wir bald in der Situation sind, dass sich niemand mehr Politik „antun“ will – und das zu einer Nivellierung nach unten führt, die man nicht wollen kann.

Hans Adrowitzer

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