Scheidung – was nun? Gibt es ein Leben danach?

kolumne andrea hammerer

Ich muss niemandem erklären, wie schmerzhaft der Verlust eines geliebten Menschen ist – das weiß jedes Kind. Aber ich habe ein paar fachliche Tipps. Kinder erleben die Scheidung der Eltern in der gleichen Gefühlsintensität wie den Verlust eines Elternteiles durch dessen Tod. Erklärungen wie „Du siehst Papa jedes zweite Wochenende!“ sind oft nicht tröstlicher als „Dein Papa ist jetzt im Himmel“. Warum ich zuerst von Kindern spreche, hat folgenden Grund: Verluste treffen uns in unserem Innersten und hier wohnt unser inneres Kind. Deshalb tut es so weh und die noch so erwachsene Vernunft kann gar nichts ausrichten gegen die Angst. Du wirst jetzt denken: Es geht bei mir nicht um den Verlust der Liebe, ich habe ihn/sie schon lange nicht mehr geliebt. Das ist wahr, nur, wir haben etwas Großes verloren: das Vertrauen, nicht nur in den anderen und die Liebe, sondern IN UNS SELBST. Der Knick im Selbstwertgefühl bleibt.
Machen wir beim nächsten Partner wieder dieselben Fehler? Ja, sorry, schon bei der Auswahl. Fällt ER immer wieder auf Diven rein, dann sucht sein kleines Ego natürlich die nächste Diva, diesmal um sie zu behalten! Fährst du auf narzisstische Männer ab, dann nützt es nichts, dass du weißt, wie es enden wird, denn das kleine Mädchen in dir möchte es besser machen und ihn mit Liebe heilen. Fehler! Du wirst ihn nicht heilen, er ist nur die kindliche Entsprechung deiner Sehnsucht, SEIN kleiner Junge sucht in DIR Heilung, die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Es gibt aber Hoffnung: Wenn wir uns auf den Weg machen, unser inneres Kind zu verstehen und lernen, ihm genau das zu geben, was es braucht, dann braucht es nicht mehr den Umweg über die nächste gescheiterte Beziehung. Frauen tun sich diese schmerzhafte Arbeit an sich selbst meist sofort an, wenn sie noch in der Ent-Täuschung sind. Wir reden viel mehr über unsere Gefühle als Männer. Weil wir uns selbst hinterfragen, haben wir einen direkteren Zugang zum Kind in uns.
Ich habe keine einzige Klientin, die ihre Scheidung bereut hätte, sie sagen alle das Gleiche: Wenn ich geahnt hätte, wie gut es mir gehen wird, hätte ich die Scheidung früher durchgezogen. Männer sind da wehleidiger. Tut mir leid meine Herren, aber die Erfahrung zeigt: Ihr schlittert sofort in die nächste Falle und lernt es erst auf sehr bittere Weise, wenn die zweite oder dritte Frau die gleichen ‚unerfüllbaren‘ Bedürfnisse hat. Man ist kein Frauenversteher, nur weil man 60 Frauen im Bett hatte, im Gegenteil. Gott sei Dank machen sich immer mehr Männer auf den Weg, die Stimme ihrer Seele zu entschlüsseln und damit Herr über die eigene Gefühlswelt zu werden. Sich selbst zu kennen ist Macht. Dies bedeutet, seine Partnerwahl bewusst zu sehen, statt sich selbst als Opfer. Dann fließt die Liebe wieder in Strömen. Dafür lohnt es sich.

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