Was ist mit der Liebe los?

kolumne andrea hammerer

Jeder fordert sie, sucht sie beim anderen, betrauert ihren Verlust, glaubt von sich, sie gepachtet zu haben und kann sie auf Nachfrage nicht mal subjektiv definieren. Objektiv betrachtet spürt man sie als erfahrener Therapeut sofort, wenn ein Paar den Raum betritt. Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich sagen, für Männer ist die Liebe nicht so stark auf der Haben-Seite wie für uns Frauen. Wir sind schwerer zufrieden zu stellen, obwohl wir glauben, mehr zu fühlen. Unsere emotionale Intelligenz ist oft durchaus stärker ausgeprägt, doch wir missbrauchen sie gern als Waffe, wenn wir verletzt wurden. Da steht uns unser Elefantengedächtnis für Verletzungen oft im Weg und die Sprache Mann: Frau braucht immer öfter einen unabhängigen Übersetzer, damit man auf einen Nenner kommen kann. Das lernt man nicht in der Schule. Zu schnell ersetzt man den Partner durch einen neuen, das Internet macht’s möglich, noch bevor wir unsere Muster auflösen konnten. Wir versuchen, unsere Wunden mit dem nächsten Mann zu heilen und genau darum zieht uns wieder das gleiche Muster an. Ein Karussell beginnt, aus dem wir immer wieder rausfallen werden, wenn wir nicht bei uns selbst beginnen. Ich begebe mich jetzt auf dünnes Eis, wenn ich meine Beobachtung artikuliere: Die Affenliebe zu unseren Kindern und Haustieren gaukelt uns oft vor, liebesfähig zu sein, NUR: sie sind KEIN Ersatz für den Mann an unserer Seite. Die Trauer über den angeblichen Verlust, weil die Kinder ihr eigenes Leben führen oder ein Hund am Ende seiner Lebenserwartung angelangt ist, beschäftigt uns oft mehr als die Ehe, die ihrem Ende zugeht. Der Großteil der Trennungen geht von uns Frauen aus und wir haben einen Rucksack voller Begründungen dafür, verlieren uns selbst und unsere Liebesfähigkeit jedoch Stück für Stück mit jedem Verlust.

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