141202_Abarth_695-biposto_08

Klein, aber oho!

In den letzten Jahren ist der Trend zum Downsizing offensichtlich. Das schließt, nicht nur wegen der Verkehrsdichte, die Herstellung kleinerer Autos ein, aber auch, diese mit potenten Triebwerken auszurüsten, also gleichsam Wölfe im Schafspelz anzubieten. Und solche gibt es inzwischen eine ganze Menge.

So ein bisserl tarnen und täuschen scheint fast zum automobilen Modetrend geworden zu sein. Man kauft sich einen Kleinwagen, maximal
etwas Kompaktes, damit man weniger auffällt und soziale Verträglichkeit signalisiert, aber unter der Motorhaube darf’s schon ein bisserl mehr sein. Schließlich will man ja auch Fahrspaß haben und nicht nur in kleine Parklücken passen. Wenngleich ein etwas genauerer Blick dann schon verrät, dass da einige PS mehr an der Kurbelwelle hängen.

Die ganz Kleinen …

Einer der Urväter dieser Entwicklung ist der Mini, der einst sogar die Rallye Monte Carlo gewinnen konnte und der für jugendliche Heißsporne als motorisierter Traum der Sechziger galt. Das neueste Spitzenmodell von Mini, der John Cooper Works bringt es auf satte 231 PS, aber auch der Cooper S ist mit über 190 PS ein modernes Spaßmobil der Sonderklasse – sogar für junggebliebene ältere Herrschaften.

Die österreichische Variante war seinerzeit der legendäre Puch 650 TR, der heute als Oldtimer sensationelle Preise erzielt. Die neue – zwar nicht mehr österreichische –
Interpretation des Kultautos der Fünfziger steht bei Fiat in der Angebotsliste. Besonders  sticht hier ein Abarth-Ableger des 500ers heraus, der ruhigen Gewissens als Renn-Semmel der Extraklasse bezeichnet werden darf, der 695 Biposto mit 190 PS. Der 10 PS schwächere 595C ist aber auch noch ganz schön flott für seine Statur. Ähnlich kräftig ist der etwas größere aber immer noch kleine Alfa Mito, der als fescher Italiener dennoch optisch zurückhaltend auftritt. Da zeigt sich der brandneue Ford Fiesta ST200 (mit nunmehr 200 Pferdestärken) schon etwas auffälliger und mehr auf Racing-Look getrimmt – und für einen auf 20 Sekunden begrenzten Zeitraum lässt eine Overboost-Regelung des Turbos weitere 15 PS und 30 Nm auf die angetriebenen Vorderräder los.

Vielleicht nicht ganz so stürmisch und potent, aber immer noch kräftig genug, Fahrspaß im Grenzbereich des Erlaubten zuzulassen, sind einige Kleinwagen, die allenfalls durch extravagante Lackierungen auffallen als durch Spoilerwerk oder dicke Auspuffrohre: Der Opel Adam in seiner stärksten Ausführung macht mit seinen 150 PS mehr als reichlich Dampf und der Suzuki Swift Sport bietet mit 136 PS auch noch genug Kraft für flottes Fahren.

Die Spitzenreiter der deutschen Fraktion potenter Kleinwagen kommen mit dem S1 von Audi und mit dem Polo GTI von VW. Der Audi S1 soll als kompakter Sportwagen verstanden werden, wobei die Vierlenker Hinterachse, der permanente quattro-Antrieb und das kraftvolle 370 Nm-Drehmoment Dynamik bis an die Grenzen der Physik garantieren, aber auch volle Alltagstauglichkeit. Eine Stufe darunter rangiert der Polo GTI mit 192 PS, der sowohl mit 7-Gang-DSG Getriebe oder einem manuellen 6-Gang-Getriebe erhältlich ist. Resultat: GTI-typische Fahrleistungen, 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 236 km/h, also mehr als genug. Der Seat Ibiza Cupra bietet bei etwas schmissigerer, emotionaler Form gleiche Leistungen, bedienen sich die Spanier doch aus dem Regal des Mutterkonzerns VW. Die Franzosen haben als Konkurrenten den Peugeot 208 GTI und den Renault Clio RS im Angebot, die sich leistungsmäßig mit 200 PS eher am Polo orientieren, aber optisch eine Spur dicker auftragen, ohne aber anzugeben.

… und die Wahnsinns-Kompakten

Im Segment der hochpotenten Kompaktautos gibt es zwei Klassen: Entweder jene, die sich in dezenter Zurückhaltung üben und doch ungleich größere Autos vor sich her zu scheuchen imstande sind, aber dabei fast renntaugliche Abstimmung und Fahrleistung aufweisen, oder die zweite, die sich auch äußerlich als Brachialsportler zu erkennen geben und Respekt fordern.

Der sportliche Einstieg in diese Klasse kommt wieder einmal von VW: Der Golf GTI Clubsport ist mit 265 PS der bislang stärkste Serien-GTI, in dem temporär – für jeweils 10 Sekunden – der Fahrer die Leistung des Motors via Kickdown auf 290 PS steigern kann. Diese 290 Pferde wiehern im Seat Leon Cupra permanent und machen den eleganten Kompakten zu einer Fahrmaschine für jeden Tag, die es sogar als Kombi gibt. Eilpost sozusagen, die durch sein exzellentes Fahrwerk zu ebensolchen Fahr-
erlebnissen befähigt. Da staunen viele dicke Limousinen. Auch der Opel Astra OPC mit seinen 280 PS vermag
Staunen hervorzurufen, ebenso der Renault Mégane Coupé Sport mit immerhin 275 PS. Die italienische Version des kompakten Kampfsportlers kommt einmal mehr aus dem Haus Alfa, wo die Giulietta mit knapp über 240 PS noch durchaus reichlich kräftig motorisiert ist. Auf ähnlichem PS-Niveau bewegt sich der Volvo V40 T5, die Optik aber kommt fast ohne irgendwelche Signal-Accessoires aus – ein Auto für Tiefstapler.

Ganz anders die Vertreter der martialisch auftretenden Spitzengeräte ihrer Liga: Der 350-PS-Ford Fokus RS ist rundum mit Spoilern und Flügeln bestückt, so, dass man ihn schon von weitem als getarntes Rennfahrzeug einstufen kann. Hier ist Aktion sichtbar gemacht, die sich auch real erfahren lässt, wenn man darf oder fahrerisch in der Lage dazu ist. Aber eigentlich ist der Focus ein Drittauto, mit dem man hin und wieder einen Ausflug auf die Rennstrecke macht – hart, schnell, direkt und volle Konzentration fordernd. Nicht ganz so brachial im Aussehen aber ansonsten Ehrfurcht gebietend ist der neue BMW M2. Mit seinem Hochleistungs-Sechszylinder-Reihenmotor mit 370 PS, dem agilen Hinterradantrieb, einem Leichtbau Sportfahr-werk aus Aluminium und seiner extrovertierten Linienführung ist das neue BMW M2 Coupé bestens gerüstet, um ein ultimatives Fahrvergnügen zu bieten, wenn man dafür die Nerven und das Können hat. Gleiches gilt für die A-Klasse 45 AMG von Mercedes, die mit 360 PS knapp bei den direkten Konkurrenten bleibt. Ein bisschen weniger spektakulär im Umgang mit vielen PS gestaltet sich das Fahren im Audi RS 3 Sportback, der seine 367 PS dank Allradantrieb etwas leichter beherrschbar macht, was aber auch eher relativ zu sehen ist. Dass auch diese drei Premiumrenner bei aller Alltagstauglichkeit nicht wirklich Alltagsautos sind, ist logisch, vor allem deshalb, weil derartige Potenzen nur dann Spaß machen, wenn ihnen freier Lauf gewährt wird – sonst tut’s eine kleinere Motorisierung auch. Und wer es japanisch krachen lassen möchte, der setzt sich in einen Honda Civic Type R – 300 PS und ein fetter Spoiler erinnern an die WTCC.

 

893 total views, 3 views today

Alle Beiträge aus Auto & Motorrad


Facebook Icon