beitrag_criticus_6

Kinder brauchen Profis!

Ein Kommentar von Monika Mitterwallner, Obfrau der Berufsgruppe der PädagogInnen in Kindereinrichtungen Salzburgs.
Foto: Monika Mitterwallner

Foto: Monika Mitterwallner

Ich bin nun seit ca. einem Jahr in Karenz und genieße es zu sehen, wie unsere Tochter heranwächst. Mehr denn je liegt es mir am Herzen, dafür zu kämpfen, dass unsere Kinder einen guten Start in der Familie und in den institutionellen Bildungseinrichtungen haben. Ich habe sehr viel in Krabbelgruppen gearbeitet und dadurch viele Erfahrungen mit der Eingewöhnung von Kindern gemacht.
Die Politik folgt dem Wunsch der Wirtschaft, Frauen wieder möglichst schnell ins Berufsleben zu bekommen. Auch die hohen Lebenshaltungskosten machen es jungen Familien schwer, mit einem Gehalt über die Runden zu kommen.
Das Einkommensabhängige Karenzmodell veranlasst viele Familien dazu, sich wirklich nur für ein Jahr Karenz zu entscheiden, doch ist vielen Müttern nicht klar, was es bedeutet, so junge Kinder in die Krabbelgruppe zu geben. Für diese sensible Phase der Eingewöhnung braucht es professionelles und bestausgebildetes Personal, um kompetent die Eltern zu stützen und einfühlsam Kontakt zu den Kindern aufzubauen, damit die Kinder langsam und nach ihrem Tempo ankommen können.
Die Gesellschaft hat sich sehr verändert. Unsere Kinder haben sich verändert. Starke Persönlichkeiten, die wir auch individuell fördern wollen, kommen zu uns in die Bildungseinrichtungen. Viele Familien sind überfordert mit der Kindererziehung und Fragen an die PädagogIn wie „Wann beginnen Sie mit der Sauberkeitserziehung?“ werden immer gängiger. Wir können keine Mütter und Väter ersetzen und wollen es auch nicht! Wir arbeiten familienergänzend, die Wichtigkeit der Familie darf nicht verloren gehen! Auch hier ist die Politik gefordert, Maßnahmen zu setzen.
In den nächsten Jahren werden viele weitere Gruppen eröffnet, da dies vom Bund stark gefördert wird, aber wir fragen uns, wer dort arbeiten soll? Wir haben jetzt bereits einen PädagogInnen-Mangel und werben uns gegenseitig Personal ab. Mit fehlendem Personal werden unausgebildete Hilfskräfte eingestellt – die Folgen davon müssen die Kinder ausbaden. Fachkenntnisse zur Raumgestaltung, zur Elternarbeit, zur Beobachtung, zur Entwicklungspsychologie, zur Selbstreflexion, zum Konfliktmanagement u.v.m. fehlen! Lassen Sie sich von der Ordinationshelferin operieren, weil der Arzt nicht da ist?
Die Politik will uns mit der Aussicht auf ein kommendes „besseres“ Kinderbildungsgesetz beruhigen, doch bessere pädagogische Rahmenbedingungen darf man nicht mit den dienstrechtlichen Strukturen vermischen. Ihr Chef sagt auch nicht: „Sie bekommen besseres Werkzeug, wenn Sie einen Teil Ihres Gehalts hergeben!“

Zur Info:
Die Novellierung des Gemeindevertragsbedienstetengesetzes sieht vor, dass neu angestellten Pädagogen im Kindergarten nur noch sechs von zwölf Schließtagen als Lohnbestandteil zustehen, wodurch sie sechs Tage im Jahr mehr arbeiten, ohne mehr dafür zu verdienen. Im Gegenzug erhalten Pädagogen in der Kinderbetreuung, die bislang gar keinen Anspruch auf Schließtage hatten, sechs Schließtage dazu. Die Gesetzesnovelle gilt nur für öffentliche Gemeindekindergärten – Pädagogen in Kindergärten der Stadt Salzburg stehen nach wie vor 12 Schließtage zu.

48 total views, 1 views today

Alle Beiträge aus Aktuelles


Facebook IconInstagram