Kampf um den Mann

kolumne andrea hammerer

Betrachten wir mal den Kampf der Geschlechter von einer anderen Seite: Kämpfen wir nicht eigentlich im Grunde gar nicht gegen, sondern um das Herz des anderen? Artet der Kampf vielleicht nur dann aus, wenn wir es nicht wahrhaben wollen, dass wir um die Liebe des anderen kämpfen?
Männer haben es wirklich nicht leicht mit unserer weiblichen Sprache. Wir betrachten Gefühle als Fakten und Männer betrachten Fakten als Fakten und Gefühle als etwas, das man am besten für sich behält. Wie oft ein Mann dafür Ohrfeigen einstecken muss im Laufe seines Lebens, wenn er sich in die Karten sehen lässt, kann man gar nicht zählen. Wird er zweideutig oder gar eindeutig bei einer Frau, von der er nicht einschätzen kann, ob sie ihn mag, stehen seine Chancen gut, dass sie sein Verhalten als sexistische Attacke interpretiert und ihn damit vernichten kann. Selbst wenn sie heimlich in ihn verliebt ist, heißt das noch lange nicht, dass sie seine Avancen eindeutig und für ihn verstehbar erwidert. Es kann immer noch ein „Nein“ kommen und bedeuten: „Bemüh’ dich noch mehr!“. Dieses Spiel geht mitunter vom ersten Kennenlernen bis zur ersten Nacht in ihrem Bett. Sie nimmt ihn mit heim und sagt noch nackt in seinen Armen „Nein!“ und meint es auch so. Natürlich haben wir Frauen das Recht, jederzeit STOPP zu sagen, aber was macht ein Mann, der bei unseren mitunter zahlreichen Vorgängerinnen gelernt hat, dass sie genommen (und nicht gefragt) werden will und danach selig in seinen Armen seufzt, dass er endlich der richtige Mann sei und sie hofft, dass er sie jetzt nie mehr auslässt. Unglaublich, wie oft ich von meinen Klientinnen solche Geschichten höre, dass sie die Doofies, die dauernd fragen, was sie dürfen oder nicht, nicht mehr aushalten. Ein richtiger Mann muss her, der ihr sagt, wie sexy sie sei und was er alles mit ihr anstellen möchte.
Wir werden das Problem der Missverständnisse hier nicht lösen, das müssen jeweils Mann und Frau bei ihren Begegnungen, jedes einzelne Mal, auch in einer langen Beziehung. Aber wir Frauen können unsere emotionale Intelligenz dafür einsetzen, dem Mann liebevoll die Augen zu öffnen und ihm eindeutige Signale geben, ob wir ihn wirklich wollen, nur spielen oder ihn definitiv ablehnen. Wir reden doch so gern – reden wir also so über unsere Gefühle, dass ER sie versteht, das hat jeder verdient.

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