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Ist Cash out?

Sind die Zeiten des Münzen-Suchens, des Geld-Abzählens, kurz, des Bar-Bezahlens vorbei? Moderne und innovative Bezahlsysteme erobern zunehmend auch den stationären Handel. Wir Österreicher lieben unser Bargeld aber nach wie vor.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Gleich vorweg: Das Bargeld wird noch lange nicht abgeschafft, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Wir Österreicher, und noch mehr unsere deutschen Nachbarn, wollen auch keinesfalls darauf verzichten – ganz egal, welche Innovationen zum bargeldlosen Bezahlen auch den Markt schwemmen. Aber: Die Möglichkeit zu bezahlen, ohne das Portemonnaie in der Tasche zu haben, wird bereits genutzt: Mobile Payment, bei dem das Handy zum Geldbörsl wird, das halt einfach immer und überall dabei ist, hat schon seine Vorteile. Und auch die Karten und Devices der unterschiedlichen Anbieter, die immer mehr können und bieten, machen das Leben oftmals ein bisschen einfacher und die eigene Finanz vielleicht sogar transparenter.

Foto: emojoez - istockphoto.com

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Nur Bares ist Wahres
„Vor allem bei kleineren Beträgen wird Bargeld nach wie vor als Zahlungsmittel Nummer 1 verwendet“, bestätigt Karin Köck (Raiffeisenverband Salzburg), „Beträge bis 5 Euro werden zu 96 Prozent bar bezahlt, ab 20 Euro sind es allerdings schon nur mehr 60 Prozent der Transaktionen, die in bar erfolgen.“ Und auch wenn die Zahl der Kredit- und Bankomatkarten, die ausgegeben werden, deutliche Zuwachsraten verzeichnen, wächst parallel auch die Bargeldmenge leicht, aber stetig weiter, wie die Daten der Oesterreichischen Nationalbank belegen: Bargeld verzeichnet weiterhin starke Wachstumsraten zwischen 4 und 5 Prozent jährlich. 1.232 Milliarden Euro waren per 31.12.2018 im Eurosystem im Umlauf, um 4,8 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.
Geschätzte 74 Milliarden davon in Österreich (plus 5,4 Prozent).
„Bargeld wird auch in der Zukunft seinen festen Bestandteil haben“, ist auch Markus Sattel, Vorstandsdirektor der Salzburger Sparkasse Bank AG, überzeugt. Jedoch: „Die meistgenutzte Bezahlform ist das Bezahlen mit Bankomatkarte am Point-of-Sale-Terminal, wobei laut unseren Statistiken die Wachstumsraten bei jährlich rund zehn bis 15 Prozent liegen.“

Einfach hinhalten!
Bezahlen mit Bankomatkarte ist also State of the Art und hat durch die Near Field Communication (NFC), die Möglichkeit zu bezahlen, indem man die Bankomat- oder Kreditkarte einfach an das Karten-Terminal hält, weiteren Aufschwung erhalten. So wurden beispielsweise im 3. Quartal 2018 57 Millionen Transaktionen im herkömmlichen Sinne mit der Karte durchgeführt – aber bereits 76 Millionen Zahlungen mittels NFC. Diesen Aufwärtstrend sieht auch Karin Köck deutlich: „NFC-Transfers haben richtig an Fahrt aufgenommen – wer es einmal probiert hat, greift in der Regel immer wieder auf diese Möglichkeit, schnell, einfach und sicher zu bezahlen, zurück.“
Als nächsten Innovationsschritt beim Bezahlen führt Markus Sattel an, in diesem Jahr die Debit Mastercard als Nachfolger der Maestro Bankomatkarte auf den Markt zu bringen. „Damit haben unsere Kunden die modernste Bankomatkarte, mit der man auch online bezahlen kann. Mit Garmin Pay haben die Sparkassen bereits Ende letzten Jahres das mobile Bezahlen per Smartwatch nach Österreich gebracht. Damit werden Sportuhr, Pulsmesser und Geldbörse eins.“

Wie zahlen die ÖsterreicherInnen?
Welchen Stellenwert nimmt Bargeld ein?
Foto: Nerthuz - istockphoto.com

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Smartphone & Co. als Geldbeutel
Wie einst die Bankomatkarte ist es heute die Entwicklung mobiler Zahlungssysteme und ausgeklügelter Finanz- und Bezahl-Applikationen, die zu den kommenden Trends zählen. Gerade für jüngere Generationen wird das Smartphone (und andere vernetzte Geräte) zum bevorzugten Zahlungsmittel werden: immer und überall dabei, immer einsatzbereit, schnell, unkompliziert, mit nur einem Klick. Möglich machen dies diverse Apps, die, mit einer Kontoverbindung hinterlegt, an ausgewählten Bezahlterminals den Bezahlvorgang vornehmen.
Noch einfacher – und an allen Terminals, die mit NFC ausgestattet sind – funktioniert das mobile Bezahlen, indem man sein Handy einfach an das Terminal hält, wie die Bankomatkarte. Smartphones mit Android als Betriebssystem, die bereits mit der NFC-Technologie ausgestattet sind, können so bereits weltweit, also auch in Österreich, als digitale Geldbörse verwendet werden. Apple-User müssen sich leider gedulden – Apple Pay als eigenes Bezahlsystem ist in Österreich noch nicht verfügbar.

Geld versenden wie eine SMS
Wer kennt die Situation nicht? Eine Runde Freunde geht zusammen essen, einer übernimmt die Rechnung – meist per Karte – und keiner der anderen hat genug Bargeld eingesteckt, um seinen Part der Rechnung zurückzugeben. Mittels innovativer Technologien können heute Zahlungen in Echtzeit geleistet werden. „Im Person-to-Person-Bereich hat sich dieses System schon gut bewährt. Raiffeisen bietet zum einen den Dienst „ZOIN“ an, mit dem man Beträge tatsächlich so einfach wie eine SMS versenden kann, und zum anderen die Express Überweisung, die ebenfalls sofort abgewickelt wird“, erklärt Karin Köck.

Geräte, die bezahlen
In Zeiten des „Internet of things“, in denen viele Gegenstände unseres Lebens bereits im World Wide Web vernetzt sind, kann selbstverständlich auch jeder dieser Gegenstände mit einer Bezahlfunktion ausgestattet werden, sei es die Uhr, der Ring, die Kleidung, das Auto… All diese vernetzten Dinge und Geräte übernehmen heute bereits einen nicht unwesentlichen Teil der Erledigungen, gänzlich automatisch, ohne dass wir viel davon mitbekommen. Im Bereich des Bezahlens kann man sich beispielsweise vorstellen, dass die Gebühren in einem Parkhaus automatisch ermittelt und bezahlt werden. Oder im Supermarkt wird man als registrierter Kunde erkannt, ebenso, welche Waren gekauft werden; beim Verlassen des Supermarkts wird automatisch die Kaufsumme abgebucht. Ohne Schlange zu stehen, ohne warten zu müssen. Aber dies ist wohl doch noch Zukunftsmusik…

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Foto: pickup – stock.adobe.com

Andere Länder – andere Zahlungs-Sitten
Österreich und auch Deutschland stecken, im Vergleich zu anderen Ländern, noch in den Kinderschuhen, was mobile und innovative Bezahlsysteme betrifft. Neben China sind es auch Länder wie Südafrika, Kenia und Uganda, in denen das mobile Zahl-Verhalten weitaus ausgeprägter ist als in unseren Breitengraden – unter anderem deshalb, weil mobiles Bezahlen als sicherer gesehen wird als offenes Bezahlen mit Scheinen.
Auch die Skandinavier sind uns weit voraus: In Schweden werden mehr als 80 Prozent aller Transaktionen mit Karte oder mobil bezahlt. Kleinere Shops und Lokale sind nicht einmal mehr verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Entsprechend oft das Schild „No cash!“. Selbst Zeitungsverkäufer, vergleichbar mit unseren „Apropos“-Verkäufern, akzeptieren in Stockholm bereits Kreditkarten.

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